Die Tinte unter den Verträgen ist trocken: Die Deutsche Telekom hat die öffentliche Ausschreibung des Interkommunalen Breitbandprojekts 1 (IKB) gewonnen, das Teile von Weismain, Wonsees, Thurnau und Stadelhofen mit schnellem Internet versorgen soll.
Bei der Unterzeichnung der Kooperationsverträge im Sitzungssaal des Rathauses zeigten sich die Initiatoren ebenso stolz wie erleichtert: Weismains Bürgermeister Udo Dauer (CSU) sprach seinen Amtkollegen der Bamberger und Kulmbacher Nachbarkommunen aus dem Herzen, als er sich über eine Gemeinschaftslösung freute, die "leichter umzusetzen war, als wenn jede Kommune für sich gehandelt hätte". Nicht nur er betonte, dass das IKB "ein bislang einzigartiges Projekt in ganz Oberfranken" sei.

Vier Bürgermeister, drei Kreise

Auch Siegbert Reuther von der Bad Staffelsteiner Firma Reuther Netconsulting, der die
Breitband-Erschließungsgebiete betreut, bezeichnete es als "Vorzeigeprojekt, vier Bürgermeister über drei Landkreisgrenzen hinweg für den Ausbau der digitalen Lebensader zusammenzubringen". Reuther blickte auf die Anfänge der Initiative Mitte 2013 zurück, deren Herausforderung sowohl das Finden eines gerechten Abrechnungsmodus für die beteiligten Kommunen als auch die Änderungen bei den Förderrichtlinien gewesen sei. Vor allem lobte er Bürgermeister Dauer für seinen Weitblick, als er sich im Zuge des Solarparkbaus an der A 70 für die Verlegung eines Leerrohrs stark machte. "Ohne dieses Leerrohr wäre die Maßnahme wesentlich teurer geworden."
"Wir danken den Kommunen für das entgegengebrachte Vertrauen und werden das Projekt zügig umsetzen", kündigte Reinhard Brandl, kommunaler Ansprechpartner der Telekom an. Das Unternehmen werde umgehend in die Feinplanung einstiegen, die Tiefbauarbeiten sollen im Sommer beginnen. In der Regel lägen zwischen Vertragsabschluss und Buchbarkeit der Anschlüsse zwölf Monate. Spätestens Ende Januar 2016 kommen also die Orte im IKB-Bereich, darunter die Weismainer Stadtteile Buckendorf, Fesselsdorf und Weiden, in den Genuss von Download-Bandbreiten von bis zu 50 MBit pro Sekunde.

Acht Multifunktionsgehäuse

Wie sein Kollege Friedrich Weinlein von der Telekom Technik GmbH ergänzte, werden dafür 20 Kilometer Glasfaser verlegt und acht Multifunktionsgehäuse aufgestellt. Dass damit "nur" rund 320 Haushalte versorgt werden, belege, dass sich die Telekom als Provider nicht nur die bevölkerungsreichen Regionen herauspicke. Auch er lobte die landkreisübergreifende Kooperation, die den Netzausbau relativ früh vorangetrieben habe. So gehöre das IKB zu den ersten 20 von mehr als 200 in Oberfranken anzuschließenden Kommunen.
Wie Weinlein durchblicken ließ, sei auch hinsichtlich der beiden weiteren Erschließungsgebiete im Weismainer Stadtgebiet mit einer schnellen Umsetzung zu rechnen. Eine zügige Vertragsunterzeichnung vorausgesetzt, könnten auch das IKB 2 (mit Großziegenfeld) und die individuelle Erschließung des restlichen Stadtgebiets im zweiten Quartal 2016 realisiert werden. Nach Angaben des Unternehmens investiert die Telekom jährlich bis zu vier Milliarden Euro in den Ausbau von schnellen Internetanschlüssen. Wo sie den Ausbau nicht aus eigenen Mitteln finanzieren kann, spricht sie mit den Kommunen über Kooperationsmöglichkeiten und bündelt diese im Programm "Mehr Breitband für Deutschland". Seit 2008 wurden weit über 5000 Kooperationsverträge im ganzen Bundesgebiet abgeschlossen. Zusätzlich zum Eigenausbau der Telekom erhielten auf diese Weise bereits knapp zwei Millionen Haushalte schnelles Internet. Dafür verlegte das Unternehmer bisher über 24 000 Kilometer Glasfaser und installierte mehr als 14 000 Multifunktionsgehäuse (die grauen Verteilerkästen am Straßenrand).