Für 20 Minuten lauschen alle einer Stimme. Es ist die Einzige, die zu hören ist. Kein Gesang, keine Antwort der Kirchenmitglieder, die Orgel ruht nach ihrem letzten Einsatz. Die Besucher blicken zum Altar - dort steht der Pfarrer und trägt seine Predigt vor.

Über Tage und Wochen hat er sich Gedanken gemacht, wie er den Menschen mit seinen Worten Weihnachten näher bringen kann.

So auch fünf Pfarrer aus dem Landkreis Lichtenfels, die an Heiligabend, jeder auf seine Art, die Geschichte von Jesu Geburt aufgreifen. Die Leitgedanken ihrer Predigten könnten dabei nicht unterschiedlicher sein. Welcher Inhalt die Zuhörer am 24. Dezember erwartet, haben Matthias Hagen aus Bad Staffelstein, Anne Salzbrenner aus Lichtenfels, Heinz Geyer aus Burgkunstadt, Michael Schüpferling aus Marktgraitz und Georg Birkel aus Bad Staffelstein vorab verraten.

Der evangelische Pfarrer der Stadt Bad Staffelstein, Matthias Hagen, möchte zunächst auf die Gefühle seiner Zuhörer eingehen. "Die Menschen haben eine Sehnsucht nach Harmonie und Frieden", sagt er.


Gefühle der Menschen beachten

Doch: Viele sind auch bedrückt, feiern ihr erstes Weihnachten alleine - aus den unterschiedlichsten Gründen. "Erst wenn die Menschen Weihnachten spüren, kann ich mit Moral und Ethik kommen." Genau wie Pfarrer Georg Birkel möchte er auf die derzeitige Lage in der Welt zu sprechen kommen - Orte wie die Bunker in Syrien oder Gefängnisse in Südkorea in Erinnerung rufen.

"Das Symbol Licht ist ein zentraler Gedanke meiner Predigt. Es geht um Hoffnung, das Licht im Herzen, das Licht in der größten Dunkelheit. Ich hoffe, das Weihnachtslicht leuchtet auch an diese Orte." Pfarrer Matthias Hagen äußert den Wunsch, dass die Herzen der Zuhörer vom Zauber Weihnachtens ergriffen werden.

Eine Garantie dafür gibt es aber nicht, sagt er. "Ich kann es nicht erzwingen. Viele kommen und denken sich: Bitte, Pfarrer, mach mir Weihnachten. Aber Weihnachten geschieht mit einem", erklärt er die Freude, aber auch den Druck, der mit seiner Predigt einhergeht.

Heinz Geyer, evangelischer Pfarrer aus Burgkunstadt
Pfarrer Heinz Geyer plant in diesem Jahr ein Anspiel mit dem Titel "Martha begegnet Christus". Es handelt davon, dass Martha das Gefühl hat, Christus zu begegnen. Stattdessen begegnet sie in Menschen Christus. Die Geschichte soll zeigen, dass Gott an Weihnachten alle Grenzen durchbricht und in dem Kind in der Krippe zu den Menschen kommt. Dass den Hirten, die damals ausgestoßen und verachtet waren, zuerst die Botschaft von der Geburt Jesu verkündigt wird, zeigt, dass Gott sich gerade denen zuwendet, die sich am Rande fühlen.

Anne Salzbrenner, evangelische Pfarrerin aus Lichtenfels
Pfarrerin Anne Salzbrenner spricht über Jesus als Geschenk Gottes. Die Predigt beginnt mit der Frage: Was war das schönste Weihnachtsgeschenk bisher? Die Antworten reichen vom Enkelkind bis zum Playmobil-Spielzeug. Anne Salzbrenner betont in ihrer Predigt, dass es wichtig ist, sich zu beschenken. Denn: "Wir feiern Weihnachten, weil wir was geschenkt bekommen haben, Jesus. Deshalb beschenken auch wir uns. Viele verbinden damit aber Geldgeschenke. Man sollte mit dem Geschenk jedoch Wünsche erfüllen oder eine Freude machen. Also: Ein Spaziergang mit der Familie, auf den man vielleicht weniger Lust hat, oder ein Besuch bei den Schwiegereltern, ohne wieder darüber zu motzen."

Michael Schüpferling, katholischer Pfarrer aus Marktgraitz
"Die geöffneten Arme des Kindes - Weichen der Liebe Gottes" lautet der Leitgedanke der Predigt von Michael Schüpferling. "Das Kind in der Krippe hat die Arme ausgebreitet. Am Kreuz hängt Jesus wieder mit offenen Armen. In der Kunst wird Jesus bei der Auferstehung mit offenen Armen dargestellt." Dieses Bild soll zeigen, dass Gott uns, wie ein kleines Baby, mit seinen offenen Armen und seiner Liebe anlocken möchte. "Es geht darum, dass Gott mit uns menschlich umgeht. Aber wie gehen wir mit ihm und anderen Menschen um?" Der Begriff der Nächstenliebe wird in der Predigt aufgegriffen. "Jesus hat als Erwachsener seine Arme ausgebreitet, um die Hungrigen zu speisen und die Kranken zu heilen."

Georg Birkel, katholischer Pfarrer aus Bad Staffelstein
Pfarrer Georg Birkels Weihnachtspredigt steht unter dem Thema: Entgegenkommen. Er wird darüber sprechen, dass das Entgegenkommen eine Chance ist, menschlich miteinander zu leben. Doch durch die aktuellen Ereignisse, vor allem auch durch den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt, werde er die Predigt spontan noch anpassen. "Ich werde auf die Menschen blicken, wie es ihnen kurz vor Weihnachten geht. Was tut sich in der Politik? Was sind die Antworten und Pläne der Politiker zu Berlin?"