Dienstag, kurz nach 12 Uhr mittags. Museumsleiterin Adelheid Waschka hat schon mehrmals auf die Uhr gesehen, sie wartet ungeduldig auf die Ankunft eines ganz besonderen Stückes: nach vielen Monaten kehrt die Winzerfahne der Sankt-Urban-Bruderschaft nun endlich wieder nach Hause zurück.

Das aus den Jahren 1853 bis 1855 stammende Stück war im vergangenen Jahr zu einer aufwendigen Restaurierung nach Bamberg gebracht worden. Durch den langen Stand in der Senkrechten hatte sich nämlich ein bereits vorhandener Riss im mittigen Gemälde stark vergrößert. Die Bamberger Textilrestaurateurin Sibylle Ruß konnte den Riss zum Glück beheben und auch die ganze Optik und Farbenpracht der gesamten Fahne erheblich verbessern.



In der Landesausstellung gezeigt

Von Mitte Mai 2013 bis vor wenigen Tagen stand die Fahne fünf Monate lang als unentgeltliche Leihgabe in Schweinfurt bei der Landesausstellung "Main und Meer". Rund 90.000 Besucher hatten die Ausstellung in der Kunsthalle Schweinfurt besucht; nun werden und wurden die Leihgaben wieder an ihre Herkunftsorte gebracht.
Die Staffelsteiner Winzerfahne wurde dazu als Paket verschnürt und gesichert, zwei Kunstspediteure (in Fachkreisen gerne auch als Museumslogistiker bezeichnet) brachten das Stück nun zurück.

Die Transportkosten übernimmt dabei das "Haus der Bayerischen Geschichte" in Augsburg; zudem trägt es die Hälfte der Restaurierungskosten. Die verbleibenden 4000 Euro hat die Badstadt selbst aufgebracht. Ein neuer Rahmen wurde ebenfalls vom "Haus der Bayerischen Geschichte" finanziert, denn die Fahne darf ja nun nicht mehr senkrecht stehen, sondern muss schräg aufgestellt werden.

"Schön, dass sie wieder da ist - und schön, dass sie heil ist", freute sich Museumsleiterin Adelheid Waschka, denn nun ist eines ihrer Lieblingsstücke wieder da.

Die Fahne hat eine Größe von 133 mal 170 Zentimeter. Sie besteht aus vier zusammengenähten Stoffbahnen grünen Seidendamasts und hat grüne Fransen, deren Muster Pflanzenornamente aufweisen. In der Mitte befindet sich ein von goldener Borte eingerahmtes, doppelseitiges Leinwandgemälde. Auf der Vorderseite zeigt das Bild die Heilige Adelgundis, auf der Rückseite den Heilige Urban, den Schutzpatron der Winzer. Gemalt wurde das Bild 1855 von dem Staffelsteiner Maler und Zeichenlehrer Carl Meier.