"So einen zu finden, ist ein Glücksgriff", sagt Karl Brendel. Die Modelle der DKW-Sonderklasse sind sehr selten. Eine schwarz-rot lackierte Cabrio-Limousine, die er im Thüringischen fand, ist darüber hinaus im 1a-Zustand. In ganz Deutschland, ergänzt er, gebe es vielleicht noch fünf zugelassene Fahrzeuge dieses Typs. "Mit so einem Auto kannst du komplett runterfahren", beschreibt der 55-Jährige das Gefühl, mit zurückgeklapptem Stoffverdeck gemütlich über die Landstraßen am Obermain zu rollen.

Dabei hat das Fahren mit dem DKW etwas Archaisches: Der Vier-Zylinder-Ladepumpenmotor mit 1100 Kubikzentimeter leistet 32 PS und schluckt Normalbenzin. Das ist für einen DKW außergewöhnlich - tuckern doch die meisten dieser Autos mit Drei-Zylinder-Zweitaktmotoren dahin, die charakteristische blaue Abgaswölkchen ausstoßen. Das unsynchronisierte Vierganggetriebe erfordert Einfühlungsvermögen und Muskelkraft. Das Lenken mit dem großen Volant ist ebenfalls etwas Ungewohntes für heutige Otto-Normal-Autofahrer, die von der Servolenkung verwöhnt sind.

Bergauf wie andre runter

So elegant und leicht der DKW aussieht: Die Stahlkarosserie hat ihr Gewicht. Rund eine Tonne bringt der Wagen auf die Waage. Doch selbst an Steigungen merkt man ihm das nicht an - ganz dem alten Slogan folgend: "DKW das kleine Wunder - fährt bergauf wie andre runter." Der Motor säuselt kernig vor sich hin. Doch sein Besitzer grinst und kommentiert das Erklimmen einer kleinen Steigung: "Der Motor schnurrt das weg."

Karl Brendel erzählt seine persönliche DKW-Familiengeschichte. Der Urgroßvater hatte ein DKW-Motorrad und der Großvater fuhr ein DKW F8 Cabrio. Er selbst schwärmte mit 16 für den DKW Junior de Luxe. Sein Vater kaufte ein solches Auto und wollte es dem Sohn schenken, sobald der den Führerschein hätte. Doch es kam anders: Die ältere Schwester demolierte den Junior bei einem Unfall. So kam es, dass ein Mini Karl Brendels erstes eigenes Auto wurde.

"Irgendwann holt einen die Leidenschaft wieder ein", sagt er. Vor einiger Zeit erwarb er ein DKW-Motorrad des Baujahrs 1939. Die einfache Technik sei faszinierend, diese Fahrzeuge seien leicht zu warten und zu reparieren, ergänzt der Fahrlehrer.

Während wir durch die Dörfer des Staffelsteiner Landes fahren, sehen wir immer wieder Menschen, die stehenbleiben und uns lächelnd zuwinken. Auch das, sagt Karl Brendel, sei das Schöne am Fahren mit dem DKW: "Die Leute haben ein Grinsen im Gesicht, wenn sie das Auto sehen."

Der DKW wurde vor rund 20 Jahren aufwendig restauriert: Ein nachgeschneidertes Faltverdeck, neue Sitz- und Innenraumverkleidungen im Original-Look und ein neuer Kühler. Allein der Kühler erforderte immensen Arbeitsaufwand. Alle 280 Lamellen wurden in Handarbeit zugeschnitten und eingelötet. Der Motor wurde komplett zerlegt, gereinigt und wieder zusammengesetzt.

"Ich möchte so viel wie möglich von der Originalsubstanz erhalten", sagt Karl Brendel. "Das Auto ist zum Fahren da, ich will kein Museumsstück." Dennoch hat er vor, den DKW noch einmal zu überholen. Die mehrfarbig melierte Lackierung der Armaturenbrettverkleidung aus Bakelit bröckelt ab. Und einige andere Kleinigkeiten müssen gemacht werden. Schwierig sei es, Original-Ersatzteile zu bekommen. Sie müssen meist nachgefertigt werden: "Mit Zubehörhandel ist da nix - das muss man selber machen." Zum Glück gebe es Gleichgesinnte, die behilflich sind, wenn es zum Beispiel gilt, neue Kolben anzufertigen.

Resümee: Der DKW ist pure Lebensfreude. "Beim Cruisen fährt man runter. Mehr braucht man gar nicht auf der Welt."