Nicht alle Waidkameraden sind in den Kreisgruppen sorgenfrei - dies zeigte ein Blick auf die forstlichen Gutachten und die Bestrebungen, den Gebrauch halbautomatischer Langwaffen einzuschränken.

Mit Jagdhornklängen wurde die Hege- und Naturschau der Jagdschutz- und Jägervereine von Lichtenfels und Bad Staffelstein im Schützenhaus eröffnet. BJV-Vorsitzender Michael Ament nannte die Hege- und Naturschau eine gute Gelegenheit, über die jagdlichen Aktivitäten und den Wildbestand zu informieren. Dabei stellte Ament fest, dass es auch im vergangenen Jagdjahr in beiden Kreisgruppen als ein besonderes Anliegen empfunden wurde, die Natur mit ihrer Fauna und Flora zu pflegen und zu gestalten und einen artenreichen Wildbestand zu erhalten. Auch wenn Beschlüsse, Verordnungen und Gesetze das jagdliche Tun immer mehr einschränken würden.


Gerade unter dem Gesichtspunkt, dass immer mehr junge Leute aus Oberfranken wegziehen, sollte es eine Aufgabe aller sein, den ländlichen Raum zu erhalten. Insbesondere die Jägerschaft, meist in der Region aufgewachsen und mit den Zusammenhängen der Natur vertraut, sehe sich dabei gefordert, betonte Ament. Er werde weiterhin Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit für die Region und die freilebende Tierwelt leisten.
Der Vorsitzende der Schützengesellschaft, Erwin Kalb, sieht die Schützen und Jägerschaft näher aufeinander zugehen. Dies sei gerade unter dem Gesichtspunkt der Verschärfung des Waffenrechtes wichtig. Er ermutigte beide, gemeinsam mehr Flagge zu zeigen.

Denn, so Kalb wörtlich: "Nicht die registrierten Kurz- und Langwaffen der Jäger und der Schützen sind das Problem, sondern die illegalen Waffen." Landrat Christian Meißner (CSU) stellte fest, dass sich das Landratsamt von Lichtenfels in der Verantwortung sehe und mit den nach seiner Ansicht ausreichenden gesetzgeberischen Vorschriften im Behördenalltag auch beherrschbar sei.

Zu einem weiteren Schwerpunktthema, den forstlichen Gutachten, merkte Meißner an, dass die Landwirte, Jägerschaft und Waldbesitzer dies sicherlich in den kommenden Wochen noch beschäftigen werde. Die Untere Jagdbehörde mit Sandra Groß an der Spitze - diese Zusage gab der Landrat - dürfen alle als faire Ansprechpartner empfinden. Zudem biete sich die Möglichkeit, zusätzlich zu diesen gutachterlichen Aussagen eine Begehung vorzunehmen.
Laut Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) beweise die Jägerschaft, dass sie ihre Heimat am Obermain wertschätzen und dazu beitragen möchten, das Gleichgewicht von Natur und Wildbestand den kommenden Generationen zu erhalten.


Wildunfälle bei Burgkunstadt

Der Vorsitzende der BJV-Kreisgruppe Bad Staffelstein, Michael Hagel, informierte über den Landesjägertag. Dabei stand Wildfleisch als ein Lebensmittel von hoher Qualität im Mittelpunkt. Hagel stellte prägnant fest: "Unsere Jagd ist auch ein Stück Heimat."

Die Ergebnisse der forstlichen Gutachten 2015 stellte Forstdirektor Oliver Kröner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Coburg, der Jägerschaft vor. Während die Verbissbelastung des Waldes im Bereich Maintal-Süd und Hochjura als tragbar empfunden wurden, lauteten die Bestandsaufnahmen für Maintal-Nord, Oberes Maintal und Banzgau "Verbissbelastung zu hoch" und für den Lautergrund sogar "deutlich zu hoch". Kröner gab die Empfehlung, den Rehwildabschuss zu erhöhen. Er verstehe die Sorgen und Nöte der Jägerschaft, allerdings könne über den gesetzlichen Auftrag bezüglich des Vegetationsgutachtens nicht hinweggesehen werden. Er erneuerte sein Angebot, dass es in den Untersuchungsgebieten noch Revierbegehungen der Förster, Jägerschaft und Waldbesitzer geben kann.

Die Kreisvorsitzenden Ament und Hagel wollten hinsichtlich der forstlichen Gutachten an diesem Abend nicht unbedingt eine Grundsatzdiskussion führen, allerdings war ihnen der Ärger anzumerken. Sein Amt, dies stellte Kröner fest, habe weder Zahlen noch Ergebnisse dieser Studie weitergegeben. Im weiteren Verlauf berichteten Gerald Storath, Leiter der Polizeiinspektion Bad Staffelstein, von einer guten Zusammenarbeit. Er kam allerdings nicht umhin, auf 391 Wildunfälle (2014 noch 290) im Landkreisgebiet hinzuweisen. Einen Schwerpunkt bildete dabei der Raum Burgkunstadt.
Sandra Groß vom Landratsamt empfahl, Jagdgewehre bis zur Neuformulierung im Bundesjagdgesetz im Waffenschrank zu belassen. Groß hatte außerdem die Fakten des Jagdjahres parat: Demnach wurden in den Kreisgruppen 2556 Stück Rehwild erlegt (Lichtenfels 1756, Bad Staffelstein 800). Im letzten Dreijahreszeitraum (2013 bis 2016) konnte die Abschussplanung in Bad Staffelstein zu 94,18 Prozent und in Lichtenfels zu 98,66 Prozent erfüllt werden. Weiterhin kamen zur Strecke: 25 Fasane, 1083 Feldhasen, 70 Kaninchen, drei Rebhühner, 14 Daches, 109 Marder, 734 Füchse und beim Federwild 504 Enten, zehn Tauben, 140 Eichelhäher, 199 Elstern und 563 Rabenkrähen.
Auf die Situation des Schwarzwildes ging Kreisjagdberater Wolfgang Jakob ein. Zusammen mit dem Staatsforst wurden 704 Sauen (Lichtenfels 538 Sauen, Bad Staffelstein 166 Sauen) auf die Schwarte gelegt wurden. Die kapitalen Rehböcke von Bernd Schramm, Christopher Wohlmuth und David Wagner sowie Bernd Friedrich, Corinna Badum und Frank Pachter erhielten die Auszeichnung mit einer "Goldmedaille".