Eine nicht bestellte Pizza, eine feierlaunige Runde und eine wohl anzunehmende Notwehrhandlung ergaben am 29. August 2016 einen ausgeschlagenen Zahn in Michelau. Gegen die Ausschlägerin, eine 25-jährige Lichtenfelserin, wurde am Donnerstag im Amtsgericht wegen Körperverletzung verhandelt.
"Natürlich sag' ich da was dazu!", erklärte die junge Frau in bestimmtem Tonfall gegenüber Richter Stefan Hoffmann und Staatsanwalt Timm Hain. Ihr zur Seite saß Verteidiger Bernd Legal, von Zeit zu Zeit seine Mandantin auffordernd, ihr Temperament etwas zu zügeln. Die 25-Jährige zeigte sich nämlich während der Zeugenvernehmung ihres Ex-Freundes mitunter aufgebracht.
Rückschau: Am 29. August 2016 sei sie spät abends in die damalige gemeinsame Wohnung in Michelau heimgekehrt. Hinter ihr lag Schichtarbeit und entsprechend müde sei sie gewesen. Ihrem damaligen Freund habe sie aufgetragen, ihr doch eine Pizza zu bestellen. Der aber hatte selbst Besuch, saß mit diesem vor dem Haus, hatte dem Alkohol zugesprochen und bestellte die Pizza nicht. Zum Eklat sei es gekommen, als die Angeklagte die draußen Sitzenden bat, etwas Rücksicht auf sie zu nehmen, sich leiser zu verhalten. Was sich dann abspielte, ist schwer zu ergründen. Dass sich etwas abspielte, ist hingegen unstrittig. "Ich bin gewürgt worden", so die Angeklagte. "Es war so fest, dass ich keine Luft gekriegt habe und mich wehren musste - darauf bestehe ich auch! Das hat er zuzugeben", so die 25-Jährige im Hinblick auf ihren 38-jährigen Ex-Freund.
Zweimal habe dieser sie durch die Wohnung geboxt, dann habe sie die Polizei verständigt und, als sie sich nicht weiter zu helfen wusste, zugeschlagen. Den ausgeschlagenen Schneidezahn kommentierte sie auch damit, dass ihr Ex-Freund "von Grund auf schlechte Zähne" hätte, es einer sonderlichen Gewalteinwirkung insofern gar nicht bedurft habe.
"Der Schneidezahn war weg", erinnerte sich das Opfer. "Ich habe ihn auch nie mehr gefunden." Die Pizza, so der Mann, habe er darum nicht bestellt, weil er sich nicht sicher gewesen sei, ob sie von der jungen Frau auch bezahlt werden konnte. Er räumte ein, stark alkoholisiert gewesen zu sein: Es kam die Marke zwei Promille ins Gespräch. Ansonsten musste er zugeben, gehörige Erinnerungslücken zu diesem Abend zu haben.
Die junge Frau, eine zierliche Person und zweifache Mutter, musste hingegen einräumen, schon mehrfach wegen Körperverletzungsvorwürfen mit dem Gesetz in Konflikt geraten zu sein. Hafterfahren ist sie zudem. Ein Zeuge des Geschehens sollte sich nur als vermeintlicher Zeuge herausstellen. Der Mann, eben jener, mit dem der 38-Jährige feierte, gab an, den Streit, der sich im Inneren der Wohnung zugetragen habe, nicht weiter mitbekommen zu haben.
Staatsanwalt Timm Hain fasste den Sachverhalt so zusammen: "Wir haben einen Zeugen, der nichts sah, ein Opfer, das sich an nichts erinnert und eine Angeklagte, die von Notwehr spricht." Dass es zu einer Notwehrhandlung gekommen sein könnte, sei somit nicht auszuschließen.
Somit beantragte auch der Staatsanwalt selbst einen Freispruch für die 25-Jährige. Den erteilte Richter Stefan Hoffmann letztlich auch.