Hoch über dem Staffelsteiner Land, genau gesagt zwischen Bad Staffelstein und Horsdorf, befindet sich ein wahres Idyll. Weinstöcke soweit das Auge reicht und eine beschauliche Hütte umrankt von Weinblättern. Der anstrengende Aufstieg bei über 30 Grad ist bei dem Anblick schnell vergessen. Der schattige Platz in der Weinlaube lädt zum Verweilen ein und der Blick über den Weinberg in das Staffelsteiner Land hinunter ist ein Traum.
Dieses Idyll gehört Jürgen Schneidawind aus Horsdorf. Er ist der einzige, offiziell gemeldete Weinbauer im Landkreis Lichtenfels. "Das ist der östlichste Weinberg Frankens", erklärt Schneidawind.


Ein Paradies für den Wein

Im letzten Jahrhundert war das Staffelsteiner Land rund um das Kloster Banz und den Staffelberg eine typische Wein-Anbauregion. Doch schlechtes Wetter und die Reblaus setzten dem ein Ende. Erst 1951 entstanden wieder Weinberge. Drei an der Zahl. Einer davon gehörte dem Vater von Jürgen Schneidawind.

Anfang der 80er Jahre haben Vater und Sohn ihren Weinberg nochmal komplett neu angelegt. Die anderen beiden gab es schon gar nicht mehr. "Wir mussten die Gänge breiter machen, damit man die Stöcke besser bearbeiten kann", erklärt Schneidawind. Nach dem Tod seines Vaters musste er nicht lange überlegen: "Es war das größte Hobby meines Vaters und ich wollte es einfach weitermachen." Über 30 Jahre baut Jürgen Schneidawind nun schon seinen eigenen Müller Thurgau an. Doch zwischen den vielen weißen Trauben stechen auch ein paar rote hervor. "Ich habe mir ein paar Stöcke für einen Domina zugelegt. Einfach mal zum ausprobieren."


Hobby ist ein Fulltimejob

Das Wein anbauen ist eigentlich ein Fulltimejob. "Für mich ist das ein reines Hobby. Sonst würde sich die Arbeit und der Aufwand nicht rentieren." Hauptberuflich arbeitet er im Schichtdienst bei einer Firma in Schney. Die Freizeit muss da immer gut organisiert werden.

Bereits im Februar muss Jürgen Schneidawind die Stöcke zurückschneiden. Wenn sie dann austreiben, muss er sich um die Bodenbearbeitung und das Spritzen kümmern. "Man muss ständig dabei bleiben und beobachten", sagt er. Die letzten beiden Jahre kämpfte der Hobby-Winzer mit dem Mehltau. Der Pilz zerstörte seine ganze Arbeit. Zwei Jahre Totalausfall. "Doch dieses Jahr scheine ich es im Griff zu haben. Es sieht gut aus", freut sich Schneidawind. Über die Jahre hat er sich sein Wissen erweitert. Und manchmal half da nur ausprobieren. Frei nach dem Motto: Aus Fehlern lernt man.

Bis zur Ernte Ende September gibt es für den Schichtarbeiter noch einiges zu tun: Beim entblättern muss er darauf achten, dass die Trauben nicht zu viel aber auch nicht zu wenig Sonne abbekommen. "Das muss man je nach Wetterlage ausprobieren."


Angst vor wochenlangem Regen

Bei der Weinlese unterstützen Familie und Freunde den Hobby-Winzer. "Hoffentlich hält das Wetter einigermaßen bis dahin", meint Schneidawind. Die Trockenheit mache dem Wein nichts aus. "Es kann zwar sein, dass die Trauben kleiner sind und ich weniger Wein bekomme. Doch die Qualität ist wahrscheinlich besser und das ist mir wichtiger als die Masse", sagt er. Eine wochenlange Regenperiode könnte die Arbeit jedoch bis zur Ernte noch zerstören. Und das bleibt allen Winzern hoffentlich erspart.

Nach der Lese ist jedoch noch lange nicht Schluss: Denn auch den Wein macht der Horsdorfer bei sich zu Hause selbst. Pressen, Gären, in Holzfässer und später in Flaschen abfüllen. Das alles im heimischen Keller.
Das angenehmste kommt dann zum Schluss: Den Wein gemeinsam mit Familie und Freunden genießen. Am liebsten in der idyllischen Weinlaube weit über dem Staffelsteiner Land. Bevor es im Frühjahr wieder von vorne los geht.