Freitag ist jeden Tag. Fast jeden Tag und auf Tour. Karl Freitag ist Mitarbeiter des städtischen Bauhofs und kümmert sich um die Bäume und Sträucher, welche das Stadtbild schmücken. Acht Stunden ist er dafür unterwegs. Ein Plausch zu diesem und jenem rund um die Wasserversorgung städtischer Bäume.

200 bis 300 Liter pro Woche

Es ist Ende August und gegen 11 Uhr. Pünktlich zur Verabredung biegt Karl Freitag zum Treffpunkt Marktplatz ein. Ein Ziel, welches für gewöhnlich eh auf seiner Route liegt, wenn auch nicht um diese Uhrzeit. Hier stehen Linden, eingefasst in einer Art Kiesbett, und sind durstig. Ihr Durst liegt in heißen Zeiten bei jeweils 200 bis 300 Liter pro Woche.

Der Sommer hat noch einmal angezogen und der Regen ist in den vergangenen Jahren knapper geworden. Was den Tagesverbrauch an Wasser anbelangt, so benennt der Mann, der seit 41 Jahren diesem Beruf nachgeht, eine zunächst erstaunlich klingende Zahl. "Wenn ich Sträucher und Blumen gieße, komme ich auf 6000 bis 7000 Liter." Doch dafür ist Freitag auch täglich acht Stunden unterwegs, denn zu seinem Revier gehören der Marktplatz, Seubelsdorf, Ober- und Unterwallenstadt oder die Schney. So kommt er auf eine Strecke von 15 Kilometer.

Der Holder Turbo C 5000

Die Max Holder GmbH hat ihren Sitz in Reutlingen. Sie ist Spezialist auf dem Gebiet der Herstellung von Kommunalfahrzeugen. Auf beziehungsweise in einem solchen sitzt auch Freitag. Sein Holder Turbo C 5000 gehört vom Frühling an zum Stadtbild und fährt 25 Stundenkilometer und in Ausnahmefällen maximal 30. Von seinem Fahrersitz aus kann er über eine Düse vorbei am rechten Vorderlicht den Wasserspritzvorgang bedienen.

Das Wasser selbst kommt aus einem 1000 Liter fassenden Tank, den der Holder mit sich führt. Somit ist klar: Der Mann muss mehrmals zum Auftanken fahren. Das tut er an der Gartenabteilung des Bauhofs, die in unmittelbarer Nähe zum Bauhof liegt. Bis zu siebenmal macht Freitag hier am Tag Station und füllt auf.

Doch dabei erhebt sich eine Frage: Muss es denn Wasser aus der Leitung sein, würde Flusswasser denn nicht auch genügen? Eben nicht. "Weil die Pumpe dauernd kaputtginge, da sind ja Filter in der Pumpe und im Flusswasser ist Sand", weiß der Mann, dessen Job im Stadtgebiet einzig ist, denn weitere "Bewässerer" wie ihn gibt es nicht. Aber ließe sich das Haushalten mit oder Sparen am Wasser nicht womöglich auch über die Bepflanzung weniger durstiger Bäume und Sträucher bewerkstelligen?

Kakteen fürs Stadtbild?

Sobald diese Frage ausgesprochen ist, wird Freitag launig und er stellt eine berechtigte Gegenfrage: "Was wollen Sie denn pflanzen - Kakteen?" Jedenfalls sind ihm keine städtischen Überlegungen bekannt, wonach man zum Wassersparen genügsamere Baum- oder Straucharten pflanzen will.

Flüssigdünger. Ja, manchmal ist der im Tankwasser enthalten. Manchmal und bei besonderem Bedarf. Bei besonderem Bedarf, so Freitag, führe ihn seinen Holder Turbo C 5000 die städtische Route aber auch mal in die Außenbezirke, beispielsweise nach Isling. Bei Neupflanzungen ist so etwas der Fall, weil dann eine besondere Fürsorge besteht.

Einen Notstand in der Wasserversorgung der städtischen Bäume gibt es nicht, die Sommer sind zwar heiß und trocken geworden, aber die Bewässerung ist gewährleistet. Wie er das sagt, ist er schon ein wenig unruhig. Man merkt dem Mann an, dass er nun weiter möchte, seine Arbeit tun, Dienst verrichten und eben lieber schaffen als reden.

Von Frühling bis Ende September

Von Frühling und Pflanzzeit an bis Mitte oder Ende September ist er der bewässernde Kümmerer, ab dann folgen die herbstlichen Regenperioden, die Bäume regulieren ihren Wasserhaushalt selbst, Freitagsdienstfahrten werden weniger und schleichen sich bald ganz aus.

Einmal noch fährt der Mann zu einer Linde hin, begießt diese und nimmt dann Kurs in Richtung Osten, fährt an die Straße am Marktplatz und biegt nach links weg. Vielleicht zum nächsten Job in Richtung Schney, wer weiß.