Was war denn das? Ein Klangfeder-Konzert? Ein kleiner Aufstand gegen den derzeit stillstehenden Kulturbetrieb? Oder ein Dankeschön an einen ausklingenden Sommer? Das Geschehen in der Schuhfabrik war so ziemlich alles zusammen. Bericht von einem Samstagabend, von spiellaunigen Musikern und einer sich bewährt habenden Stätte.

Erster Auftritt seit Dezember

Schuhfabrik. Das klingt nach Leder und Leim und Kittelschürze. Vorbei, vergangen, geblieben ist der Name. Wer jetzt nach diesem Wochenende Open-Air und Burgkunstadt in einem Satz unterzubringen versucht, wird an dieser dem Feuerwehrhaus gegenüberliegenden renovierten Stätte nicht vorbeidenken können. 120 Besucher kamen dorthin, nahmen Platz unter freiem Himmel, vor sich die Bühne, zwischen sich Corona-Maßnahmen und bei sich Erwartungsfreude und Hunger nach Erleben eines Vorprogramms und einer Hauptattraktion. Mit ordentlich Dezibel, mit Melodieführung, mit durch Nebelschwaden in den Nachthimmel aufsteigenden Gitarrenklängen.

Gartenlichter leuchteten, aus dem späten Nachmittag wurde dunkle Nacht und Klangfeder lieferten ein ordentliches Konzert ab. Es gibt da diesen einen Moment der Verzückung. Dann, wenn Marco Hofmann auf seiner einer Gibson "Les Paul" nachempfundenen Gitarre nahezu ansatzlos in die Höhe steigt und einen Song seines Bandleaders Langer zu phrasieren beginnt. Es war der erste Auftritt, den die Band seit Dezember gemeinsam hinlegte und ja, das erklärt auch Momente der Irritation, nämlich die zwei-, dreimal hörbaren klanglichen Missgriffe bei Harmonien in der Nähe zwischen dem Zusammenspiel von Tasten und Saiten. Aber man fing sich schnell, funktionierte als Band und glättete gemeinsam.

Vor allem aber lieferte man Songs ab, die schon so etwas wie lokale Klassiker sind und bei denen man es dem Publikum anmerkte, dass es zu ihnen Verbindung spürte und suchte. Da wäre beispielsweise der "Wellentanz" gewesen, da wäre aber auch die aus Langers Projekt "Jules Vernes Abenteuer" stammende Gute-Laune-Nummer "Ella Konfetti" gewesen. Als es darum ging, sie anzukündigen, sah man dem Standardsänger dieses Stücks, Andi Herold, die Lust auf Ausbruch förmlich an. Er peitschte das Publikum auf, er stachelte zum Mitsingen an und hatte Erfolg. Dieser Song war ein Höhepunkt des Abends, aber es geschah noch etwas.

Denn wenn Drummer Herold auf der Bühne singt und Ella beschwört, muss sein Schlagzeugpart ersetzt werden. Das geschieht durch einen der beiden Daniels, die für Ton und Licht verantwortlich sind. Und so setzte sich Daniel Petterich ans Naturschlagzeug und drummte furios, rief seine diesbezüglich bis dato beste Leistung ab.

Die "Fraa" war platt

Doch was dann kommen sollte, war eine musikalische Verbeugung, gewidmet einer Person im Publikum. Einer ahnungslosen. Udo Langer komponierte und textete den Song vor Zeiten und mögen die Beatles auch ihre Lovely Rita haben, Burgkunstadt hat jetzt auch eine Rita. Rita Deuerling, Wirtin der Gastwirtschaft "Zur Fraa" wurde als ortsansässiges Original erfasst, in Noten gesetzt, besungen, bereimt und darf nun wissen, dass "ohne sie mancher Rausch nicht Erfüllung" ging und ihre Schaschlik-, und Currywurstfertigkeiten sie zu Langers Traumfrau machte. Mit alledem rechnete die Seniorin nicht, war herzhaft platt und erhielt von allen Seiten Applaus. "Die Kapelle bekommt Freibier", so ihre Antwort auf das Geschehen.

Es waren Momente wie dieser, der die Grenzen angenehm verschwimmen ließ. War es ein Konzert? War es ein unter Beachtung aller nötigen Coronamaßnahmen erfolgte liebenswerte Rebellion gegen derzeitige Konzertflaute? Oder war es die Sache mit dem Sommer? Es war wohl alles und es wird noch lange in Erinnerung bleiben.