Beate Gürtler steht vor ihrem Haus in Draisdorf. Um sie herum liegen Schuttberge, es riecht modrig und verbrannt. Das Dach des ehemaligen Bauernhauses ist verrußt. Nur noch verkohlte Balken lassen ein Dach erahnen.
"Es tut sehr weh, das alles so zu sehen", sagt Beate Gürtler und setzt sich auf einen Stuhl im ehemaligen Garten und blickt auf das zerstörte Haus. Statt ländlicher Idylle herrscht hier das Chaos eines verheerenden Brandes.
Noch vor zweieinhalb Wochen lebte sie mit ihrer Familie in dem denkmalgeschützten, ehemaligen Bauernhaus. Beinahe 200 Jahre ist es alt, 30 Jahre davon wohnten Beate und Marcus Gürtler in dem Haus - ein Zufluchtsort für die ganze Familie.

Doch nun sind die Fenster gesplittert, das Dach ist abgebrannt, Rußgeruch liegt in der Luft - das Haus ist unbewohnbar. Warnschilder an der Tür verbieten den Zutritt. "Wir müssen nach vorne blicken, aber es ist schwer, wenn die Perspektiven fehlen", sagt Gürtler und atmet tief durch. Sie bezeichnet sich selbst als "realistisch". Doch auch ihre Emotionen verbirgt sie nicht. "Eigentlich will ich gar nicht mehr hierher kommen."
Das Erinnern an die schreckliche Nacht fällt ihr schwer. "Vieles weiß ich auch gar nicht mehr. Meine Familie und ich standen unter Schock", sagt sie und beginnt, zu erzählen.

In der Nacht des Brandes


Mitten in der Nacht vom 17. April ist die 43-Jährige vom lauten Klopfen und Schreien aufgeschreckt. Die Nachbarin, die zwei Häuser weiter wohnt, trat die Tür ein. "Es brennt! Es brennt!" Beate Gürtler war schockiert. "Erst wollte ich ein paar Sachen retten, doch dann war mir mein Leben wichtiger", erzählt sie. Ein Nachbar rief die Feuerwehr, und alles ging ganz schnell.
Im Haus waren in dieser Nacht fünf Menschen: Beate Gürtler und ihr Mann Marcus, ihre Tochter mit Enkelkind, der 17-jährige Sohn Marcel und der Freund der älteren Tochter. "Ich bin unendlich froh, dass wir alle überlebt haben", sagt sie.

Aus sicherer Entfernung beobachtete die Familie, wie die Flammen das Haus zerstörten. "Die Scheune hat komplett gebrannt. Ich kann gar nicht sagen, wo es schlimmer war", versucht sich Beate Gürtler zu erinnern. Vermutlich ist der Brand in der angrenzenden Scheune ausgebrochen. Die Ursache ist noch unklar. Derzeit wird von der Kriminalpolizei Coburg ein Brandgutachten erstellt.

In den vergangenen Tagen hat die Familie versucht, Gegenstände aus dem verkohlten Haus zu retten. "Es wird einem erst später bewusst, was einem alles wichtig war", sagt Gürtler. Sie vermisst fünf Steiff-Tiere, die sie seit ihrer Kindheit gesammelt hat. Sie lagerten auf dem Dachboden. Auch die Fotos der Familie sind für immer verloren.
"Als ich das erste Mal nach dem Brand die Treppen hoch bin, wurde mir schlecht. Alles war schwarz, verkohlt. Es war furchtbar", erzählt Tochter Kerstin und schluckt. Der Schmerz sitzt sichtlich tief. "Was nicht vom Feuer zerstört worden ist, hat das Wasser kaputt gemacht", sagt Mutter Beate und streichelt Hund Lucy.

Zu dritt in einem Zimmer


"Ich bin sehr froh, dass wir sie noch haben", sagt Gürtler. Doch der elf Jahre alte Terrier-Mix wird gerade zum Problem, denn die Gürtlers sind auf Wohnungssuche. Derzeit lebt sie mit ihrem Mann und Sohn Marcel bei ihrer Schwester. Die Gürtlers suchen eine Wohnung für sich und ihren Hund Lucy nahe Draisdorf.
"Wir werden das Haus abreißen müssen. Doch dann wollen wir wieder auf diesem Grundstück bauen. Es ist doch unser Zuhause", sagt sie und hofft, dass sie schnell eine Übergangslösung finden.