Seit einigen Tagen ist im ersten Stock des Landratsamtes vor dem großen Sitzungssaal eine Skulptur zu sehen, die als Gemeinschaftsarbeit des Altenkunstadter Hobby-Holzbildhauers Ernst Müller und des Asylbewerbers Elham Rahmani entstanden ist und das Thema Flucht symbolisieren soll.
Müller wurde durch einen Zeitungsbericht auf den afghanischen Flüchtling aufmerksam, in dem von dessen künstlerischen Ambitionen berichtet wurde. So formte er unter anderem aus alten Autoreifen verschiedene Figuren und Gegenstände oder aus Vinylschallplatten Uhren. Müller, der sich seit 20 Jahren mit der Bearbeitung von Holz beschäftigt und sich als Holzformer versteht und von Beruf Heilpädagoge ist, imponierten die Aktivitäten des Afghanen, so dass er sich mit ihm in Verbindung setzte und ihm eine Zusammenarbeit anbot.


Lindenholzstamm als Skulptur

Einig war man sich, dass man das Thema "Flucht" mittels einer Skulptur künstlerisch umsetzen wollte. Man traf sich regelmäßig in der Werkstatt von Müller und wählte als Ausgangsmaterial einen leicht zu bearbeitenden Lindenholzstamm. Die Skulptur ist in einzelne Themenfelder aufgeteilt, die sich schließlich zu einem Ganzen zusammenfügen. So ist im oberen Bereich der Umriss von Afghanistan im Kleinformat herausmodelliert, das im Übrigen flächenmäßig knapp doppelt so groß wie Deutschland ist.


Bomben als Fluchtgrund

Mit einem Bomben abwerfenden Flugzeug, zerstörten Häusern und einer in Mitleidenschaft gezogenen Natur will Rahmani die seit Jahrzehnten anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen in seiner Heimat und damit auch den Fluchtgrund versinnbildlichen.
Die andere Seite der Skulptur beschreibt die Flucht. So lässt ein tränendes Auge ein Tränenmeer entstehen, das schließlich verdunstet und sich oben in Form einer blauen Weltkugel gleichsam als Hoffnung niederschlägt.
Neben dem Tränenmeer sind flüchtende Menschen zu sehen, die Ernst Müller auch an seine eigene Familie erinnern, die während des Zweiten Weltkrieges aus dem damaligen Jugoslawien geflüchtet ist. Ein aus dem Stamm herausragender Ast wurde als dritte Intention in eine hilfesuchende Hand umgeformt.
Landrat Christian Meißner (CSU) war von der Symbolkraft der Skulptur sehr beeindruckt und dankte dem Asylbewerber Elham Rahmani und Ernst Müller für die gelungene Zusammenarbeit. Das Werk komme hier vor den beiden Sitzungssälen gut zur Geltung und könne in den nächsten Wochen besichtigt werden, unterstrich der Landrat.
Gleichzeitig stellt Ernst Müller vier eigene Werke in Form von Reliefs zum Thema Flucht im Landratsamt aus, deren Titel "Aleppo", "Bootsflüchtlinge", "Der Fliehende" und "Flucht durch ein Meer aus Tränen" bereits für sich aussagekräftig sind.