Hinterm Kreisel und dann der fünfte Feldweg links: Revier 36, irgendwo bei Ebensfeld. Eine junge Frau steigt aus ihrem Auto, entnimmt dem Kofferraum ein Vehikel und zieht dieses alsbald hinter sich her in die Natur. Sie schaut, schreitet Distanzen ab, blickt um sich und manchmal rümpft sie die Nase. Es ist Samstag und sie wird für ein paar Stunden in der Flur unterwegs sein um Markierungen vorzunehmen. Dann ist die Lichtenfelserin Christiane Acker ganz bei sich, trägt auf ihre Weise zur Aufwertung ihrer neuen Heimat bei und verschwendet keinen Gedanken an ihre Krebserkrankung.

Der siebte Termin in ihrem Revier führt sie auf den Mühlenwanderweg. Auch. Hier, entlang dieser Strecke, kreuzen sich mehrere Wanderwege. Die Nummer 9 weist den Mühlenwanderweg aus, er wird weiter oben, rechts von Kutzenberg und quer zu Prächting, vom Jakobsweg gekreuzt werden.
Aber wer weiß das schon so genau? Nicht schön für eine Region, die für sich in Anspruch nimmt, Wanderregion zu sein. Um diesen Missstand zu beheben, kooperieren das Landratsamt und Schettler Consulting, eine Kommanditgesewllschaft (KG), die sich auf Fragen zur Infrastruktur für Freizeit und Tourismus spezialisiert hat.

Wenn Christiane Acker Utensilien für ihre Arbeit als Wanderwegswart bestellt, so werden ihr diese per Post zugesendet. Wegekarten, Leim, Heckenschere, Astsäge, Pinsel - Werkzeuge für eine ehrenamtliche Aufgabe. Einlesen muss sich die Pharmazeutisch-technische Assistentin, die derzeit zur Gesundung ein Ruhejahr einlegt, auch. "Sieben grüne Regeln" hat die Schettler Consulting KG für die Wanderwegswarte ausgegeben. 60 von ihnen soll es im Landkreis geben, verteilt auf 45 Reviere.

Kein einheitliches Revier-Gebilde

Seit dem 9. August 2013 ist sie in dem ihr zugewiesenen Revier unterwegs. Es stellt dabei kein einheitliches Gebilde dar, sondern wird von Äckern, Feldern, Straßen, Ortschaften oder Rinnsalen durchzogen. Immerhin: Zwischen Ebensfeld, Ober- und Unterbrunn und Zapfendorf macht Christiane Acker viele Schönheiten der Natur aus. Nach einer sinnvollen Tätigkeit während ihres beruflichen Pausierens hat sie gesucht, erzählt sie. Dann stieß sie auf den Hinweis, wonach Wanderwegwarte gesucht würden. "Man spart sich das Fitness-Studio. Ich kann meiner Leidenschaft fürs Wandern nachgehen, neue Wege entdecken, interessante Menschen kennen lernen und dabei etwas Gutes tun", fasst die humorvolle Frau ihr Tun zusammen. Die Lande um den Main bezeichnet die ursprünglich aus Thüringen stammende als Heimat. Auch ihr zuliebe mache sie sich auf den Weg.

Alle 200 Meter, so eine Empfehlung der KG, sollten Markierungen angebracht werden. Gut sichtbar und frontal zum Weg, sodass sie dem Wanderer stets ins Auge fallen, ganz egal in welcher Richtung er gerade unterwegs ist. Die linke Seite kommt auf dieser Teilstrecke des Reviers 36 kaum in Betracht. Wiesen, Äcker und Maisfelder taugen nicht als Hintergrund für anzuleimende Markierungsabzeichen. Die rechte Seite des Pfades, der nach Süden führt, umso eher. Waldbestand. Was dort sonst noch wächst, ist der 36-Jährigen vertraut. Schlehen, Weißdorn, Disteln, Nesseln - ihr Kenntnisstand in Botanik ist hoch.

Im Winter ist Pause

Ihre Hosen sind lang. Selbstschutz. In ihrem Vehikel, einem Einkaufswagen auf zwei Rädern, führt sie allerlei mit sich. In einer Seitentasche ist ein Behältnis mit Wasser, in das die Abzeichen zum Aufweichen getunkt werden, damit sie sich leichter abziehen lassen. Auch Leim hat sie schon angerührt. Er ist eine kleine Schwachstelle, denn da er erst bei 15 Grad abbindet, wird ihr Streckengehen über die Wintermonate wohl ruhen. "Ich muss daher schauen, dass ich bei schönem Wetter fertig werde", resümiert sie. Auch ein Wagnersmesser und eine Drahtbürste führt Christiane Acker mit sich. Sie muss die Rinde der Bäume erst an den Stellen glätten, an denen sie Vermerke anbringt. "Alle 200 Meter muss ich spätestens ein Zeichen setzen. Wenn die Wanderwege durch einen Ort führen alle 25 bis 50 Meter aufgrund der Kreuzungsbereiche", erklärt sie.

Über 3000 Meter Höhe sei sie schon gegangen. "An der Wand entlang", wie Christiane Acker noch präzisierend zu ihrem Vorleben als aktive Bergwanderin, auch im Hochgebirge, ergänzt. "Die Allgäuer und Lechtaler Alpen durchquert und die Alpenkette überquert", sind ihre Erfolge.

"Ich habe das damals gebraucht, um meine Grenzen austesten zu können", fügt die junge Frau noch an. Sie kann Tempo vorlegen. Durchaus und immer noch. Trotzdem hat sie sich ein zeitintensives Ehrenamt gesucht. Ein Kilometer Strecke kann durchaus eineinhalb Stunden in Anspruch nehmen, weshalb ihr Tagwerk "nie über 2,5 Kilometer" hinausgehen soll. Die für Markierungen passenden Bäume wollen nämlich erst gefunden sein. Und sind sie es, muss womöglich noch ein Freischnitt für freie Sicht erledigt werden. Auf unwegsamem Gelände. Christiane Acker darf entscheiden, wo sie den Sägeschnitt ansetzt und auch dafür hat sich die 36-Jährige engagiert eingelesen. Um Bäume nicht mehr als nötig zu schädigen.

Anekdotisches weiß sie auch zu erzählen. "Einer wollte beim Landratsamt anfragen, ob das seine Richtigkeit hat", erzählt sie. Der Mann muss sich daran gestört haben, dass sie an Bäumen sägt und leimt. Derzeit, so sagt sie, lege sie in ihrem Computer ein Archiv an. Sie will, im Falle eines Falles, Nachweise gegenüber dem Amt darüber erbringen, wo sie schon war und welche Strecken noch offen sind. Das wird ihr selbst helfen, denn sie trägt auch in Zukunft Verantwortung für die Wanderwege. Ehrenamtlich.

Die Markierungen von heute können im kommenden Jahr schon wieder verblasst und zugewuchert sein. Dann begeht Christiane Acker wieder ihr Revier 36. Ehrenamtlich.