Edgar Hagel ist in "Bergich" aufgewachsen. Er hat sein Kindheits- und Heimatdorf ins Herz geschlossen. Seit Jahrzehnten sammelt er alle schriftlichen Quellen über Birkach, die ihm bekannt werden. Inzwischen ist der Monsignore und Oberstudiendirektor eines Bamberger Gymnasiums im Ruhestand. Der 74-Jährige hat nun Zeit, all das Gesammelte zu ordnen und zu einer Chronik zusammenzufügen.

"Es soll vor allem eine Bilderchronik werden", sagt er, "die durch kurze Texte ergänzt wird." Auf rund 150 Seiten konzipiert er das Buch. Als Veröffentlichungsdatum visiert er den Herbst 2021 an.

Schon als Student habe er sich für die Geschichte Birkachs stark interessiert, sagt Edgar Hagel. Den Grundstock hatte sein Vater gelegt, der viele Ereignisse der Dorfgeschichte festhielt. Edgar Hagel erbte nicht nur die Aufzeichnungen des Vaters, sondern auch dessen Enthusiasmus.

Mosaiksteinchen gesammelt

"Mein Birkacher Grundschullehrer Georg Felsecker begann um 1955/56 damit, eine Dorfchronik zu machen, er sammelte viel und schrieb auch viel auf", sagt Edgar Hagel. Diese Unterlagen erhielt er vom ehemaligen Bürgermeister Hans Hümmer; viele dieser Mosaiksteinchen möchte er in die neue Ortschronik einarbeiten.

Außerdem wertet Edgar Hagel zwei kleine alte Büchlein aus, die er zu treuen Händen bekam: "Protokolle des Gemeinderates" aus dem Jahr 1816 und die "Aufsicht über die Lehrer" von 1823 - Aufsichtführende waren damals die Pfarrer.

Die in deutscher Schreibschrift verfassten Büchlein sind gar nicht so leicht zu lesen, bekennt Edgar Hagel. Zwar habe er in der Schule noch Sütterlinschrift gelernt, doch das Entziffern sei sehr mühsam. Deshalb habe er Andreas Hagel (er ist bereits vor einigen Jahren verstorben) um Hilfe gebeten, der die Inhalte in lateinische Schrift übertrug - inzwischen wurden die Texte abgetippt, also digitalisiert.

"Wenn die Pandemie abebbt und es wieder möglich ist, möchte ich mich mit alten Birkachern mal treffen, um vielleicht noch weitere Details zur Ortsgeschichte herauszufinden und aufarbeiten", ergänzt Edgar Hagel. Was die Herausgabe der Chronik angeht, habe er bereits Kontakt zum Ortskulturring und zur Marktgemeinde Ebensfeld aufgenommen. Beide Partner tragen das Projekt finanziell mit.

"Ich habe schon immer viel gesammelt, auch Zeitungsausschnitte habe ich genug", fährt Hagel fort. Das Konzept für die Chronik sei fertig, inhaltlich sei genügend Material vorhanden. Dennoch könnte es ja sein, dass irgendwo in Birkach noch alte Akten, Ansichtskarten oder Fotoalben verborgen sind und der Entdeckung harren. Es wäre spannend, das einzupflegen.

Ob er bei seiner Arbeit auf etwas gestoßen ist, das ihm bisher unbekannt war? Es gebe einen wissenschaftlichen Artikel von Dr. Thomas Gunzelmann über die ersten greifbaren Spuren Birkachs, antwortet Edgar Hagel und fügt hinzu: "Ich hatte in der Schule noch gelernt, dass Birkach früher am Waldrand oberhalb von Unterbrunn, der Neuseser Wüstung, gelegen haben soll. Im Dreißigjährigen Krieg sei dieses Dorf zerstört worden. Daraufhin hätten es die Birkacher angeblich an einem neuen, 500 Meter weit entfernten Ort wieder aufgebaut." Thomas Gunzelmann vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege schreibe jedoch in einer Jahresschrift "Vom Main zum Jura", dass Birkach schon vor dem Jahr 1000 an seiner heutigen Stelle angelegt worden sei, sagt Hagel. Das lasse sich an der Anlage der ersten Häuser erkennen.

Johann Baptist Dietz (1879-1959), dem berühmtesten Sohn des Ortes, wird in der Chronik angemessen Platz eingeräumt. Von 1939 bis 1958 war Dietz katholischer Bischof von Fulda. Ein weiteres Schlaglicht soll auf die letzten Kriegstage 1945 geworfen werden. Obwohl Birkach von direkten Kriegseinwirkungen verschont blieb, brachte diese Zeit doch große Veränderungen für die Bürger. Edgar Hagel skizziert die Situation im April 1945, als alle wehrfähigen Männer zum Waffendienst eingezogen waren - aus Birkach über 30 - und die Feldarbeit den Frauen oblag. Auch die Ankunft der amerikanischen Truppen wird in der Chronik beleuchtet.