167,7 - das ist der Sieben-Tage-Inzidenz-Wert vom Mittwoch, 9. Dezember, im Landkreis Lichtenfels. Es ist der bisher höchste Wert in diesem Dezember - und auch der höchste seit Mitte November. Damals, im Vormonat, hoffte man noch, mit den bisherigen, deutlich leichteren Lockdown-Maßnahmen als im Frühjahr durch den Winter zu kommen.

Mit dieser Zahl steht der Landkreis Lichtenfels in Oberfranken bei weitem nicht an der Spitze, was sich zu Beginn der zweiten Welle noch anders dargestellt hatte. Damals bildete der Landkreis Lichtenfels mit Inzidenz-Werten von teilweise über 200 den Spitzenreiter in Oberfranken. Wer einen Blick auf unsere täglich erscheinende Corona-Übersichtsseite wirft, der sieht: Aktueller Spitzenreiter ist in Oberfranken die Stadt Hof - mit einem Inzidenzwert von weit über 300, am besten sieht es im Landkreis Bamberg aus mit einer Inzidenz von spürbar unter 100.

Steht man also im Landkreis Lichtenfels, auch relativ gesehen, nun wieder besser da? Nein, auch hier bewegen sich die Zahlen seit einem Rückgang auf eine Inzidenz von knapp unter 100 Mitte der letzten Novemberwoche wieder nach oben und pendeln um einen Wert von 140. Es ist eher so, dass man sich an diese weiterhin zu hohen Zahlen gewöhnt hat, vor allem mit Blick auf Regionen, in denen Corona sich noch heftiger ausbreitet.

Eine große Aufgabe

Denn es gibt eine Zahl, die in Erinnerung ruft, wie angespannt die Lage ist. Fragt man Andreas Grosch, Sprecher am Landratsamt, wie viele Personen am Landratsamt damit befasst sind, die Folgen der Pandemie einzudämmen, Abstriche zu machen oder Kontaktpersonen zu ermitteln, erhält man eine überraschende Antwort: "Das sind in verschiedenen Bereichen zusammengerechnet 50 Prozent der rund 300 Mitarbeiter, die wir haben." Dazu kommen noch externe Kräfte wie etwa in der Abstrichstelle in Burgkunstadt.

Kräftig aufgestockt

Im Gesundheitsamt, in dem 16 Personen (einschließlich von drei Ärztinnen) arbeiten, wurde das Team um 19 weitere Personen aufgestockt, also mehr als verdoppelt. Allein zur Ermittlung von Kontaktpersonen zog man vom Stammpersonal 21 Leute aus anderen Abteilungen ab, sie werden verstärkt durch 13 Soldaten der Bundeswehr, vier Polizisten sowie vier Mitarbeiter anderer Behörden.

Dazu kommen weitere Mitarbeiter, unter anderem sind im Bereich Öffentliche Sicherheit und Ordnung, Personal, Beschaffung, EDV, Kämmerei, Hausmeister, Kreisbauamt, Mitarbeiter der zwei Hotlines stark mit den Folgen der Corona-Pandemie befasst.

Was auffällt, sind die starken Schwankungen der Zahlen bei Neuinfektionen. Das hat zwei Ursachen: Vor allem an Tagen wie Sonntag, Montag oder Dienstag liegen sie geringer, da am Wochenende weniger abgestrichen wird und teilweise auch die Labore nicht arbeiten. Von Mittwoch bis Samstag kommen die Befunde dann geballt.

Zudem werden Kontaktpersonen nach den Quarantäne-Tagen konsequent abgestrichen, auch das führt dazu, dass an einigen Tagen höhere Infiziertenzahlen auftreten. Ein gutes Beispiel war die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Weismain. Nachdem dort ein Fall aufgetreten war, kamen wenige Tage später 15 neue hinzu. Besonders hohe Einzelwerte gab es am Freitag, 27. November, mit 45 und am Samstag, 2. Dezember, mit 34 Fällen. Dies lag aber nicht daran, dass es einen einzigen großen Corona-Hotspot im Landkreis gab. "Das Ausbruchsgeschehen ist weiter komplex", sagt Grosch. Doch zum Glück blieben in der zweiten Welle Altenheime überwiegend verschont. Allein im Lichtenfelser Pflegeheim des BRK kam es zu einer schwierigen Situation.

14 Schulen betroffen

Doch an 14 Lichtenfelser Schulen mussten teilweise bis zu sieben Klassen in Quarantäne gehen, auch acht Gruppen von Kindertagesstätten waren betroffen. Weshalb auch hier ein Schwerpunkt bei Abstrichen lag: "Wir haben allein an den Schulen 1000 Personen getestet", sagt Andreas Grosch.