Vor gut einer Woche hat die Firma Concept Laser eine eigene Gesellschaft in den USA gegründet. Wenige Tage zuvor war sie als eines der wachstumsstärksten Unternehmen Bayerns vom Wirtschaftsministerium ausgezeichnet worden. Mit dem Know-how aus Lichtenfels entstehen Raketen- und Flugzeugtriebwerksteile, Zahnersatz und Knochenprothesen. Wo früher gefräst, gebohrt, gesägt und geschliffen - also Material abgetragen - werden musste, um aus einem Metallblock eine Form herauszuarbeiten, kann heute mittels Laser Metallpulver zum Schmelzen gebracht und so schichtweise ein gewünschtes Objekt hergestellt werden. Und dies quasi ohne Abfall und mit der Möglichkeit, gewundene Luftkanäle, Hohlräume oder strukturierte Oberflächen entstehen zu lassen, die in massives Metall nachträglich niemals mehr in dieser Art eingearbeitet werden könnten.

Kaum zu glauben, dass am Anfang dieser Erfindung ein Ferienjob stand.
Den hatte der aus dem Raum Bamberg stammende Frank Herzog nämlich im elterlichen Betrieb seiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau Kerstin, bei Werkzeugbau Hofmann im Lichtenfelser Stadtteil Schney, angenommen. Die beiden studierten Maschinenbau und tauschten sich natürlich über ihre Arbeit aus. Als Frank Herzog, der vorher bereits mit entsprechenden Forschungen begonnen hatte, in der Modellbauabteilung des Unternehmens den Wunsch äußerte, an seiner Idee weiterzuarbeiten, ließ man ihn gewähren. "Aus heutiger Sicht waren die ersten Ergebnisse eine Katastrophe", sagt der 42-Jährige mit einem Schmunzeln. Erst gemeinsam mit seiner Frau gelang der Durchbruch, durch den Einsatz kürzerer Laserwellen eine höhere Dichte bei den entstehenden Metallkörpern zu erzielen.

Die Entwicklung wurde patentiert. Die Geschäftsführer Günter und Robert Hofmann setzten weiter auf das junge Paar - mit der Maßgabe, nach eineinhalb Jahren eine funktionsfähige Maschine sehen zu wollen. "Es war ein absolutes Risiko für alle Beteiligten", betont Herzog. "Die Wahrscheinlichkeit, dass es nichts wird, war wesentlich höher als die, dass es etwas wird. Wir hätten von keiner Bank Kapital bekommen."

Aber im Unternehmen Hofmann investierte man viel Vertrauen und auch Geld. "Mit einer Million Euro war die Entwicklung nicht getan", resümiert Frank Herzog. Aus seiner Sicht war der Start gewagt und schön zugleich: "Die waren immer da, wenn wir sie gebraucht haben, aber sie haben uns nicht reingeredet." Das junge Team, zu dem sich mit spontaner Begeisterungsfähigkeit ein Freund und Studienkollege Herzogs als Konstrukteur sowie der heutige Fertigungsleiter (damals im Begriff, seine Diplomarbeit zu schreiben) hinzu gesellt hatten, war engagiert und motiviert, ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen. Unter dem Dach der Hofmann Innovation Group wurde die Concept Laser GmbH im Jahr 2000 gegründet. "Die Investition hat sich gelohnt", unterstreicht Frank Herzog, "jetzt sind wir ein sehr guter Kunde des Werkzeugbaus."


Verantwortung für 90 Mitarbeiter

Er und seine Frau sind aber vor allem Chef und Chefin für rund 90 Mitarbeiter, "Tendenz steigend", wie er anmerkt. Sein täglicher Rundgang durch die Abteilungen und die Mittagspause in der Kantine sind Garanten, dass er alle persönlich kennt. Es sei der Geschäftsführung immer wichtig gewesen, organisch zu wachsen und die Strukturen anzupassen, betont Herzog. Deshalb gebe es in dieser Firma auch "keine wilden Aktionen", sondern es gehe ruhig zu, weil jeder seine Aufgaben kennt.

Freilich wird das Geschäft in den größeren Dimensionen nicht einfacher. "Wir haben auch schon Rückschläge erlitten, eineinhalb Jahre um einen Auftrag gekämpft und ihn dann doch nicht bekommen", räumt er ein. Allerdings muss er heute nicht mehr mit dem Auto durch die Lande fahren, um bei Werkzeug- und Modellbauern die Vorteile der Lasertechnik gegenüber den etablierten Verfahren zu präsentieren.

Wenn man Frank Herzog fragt, was ihn am meisten stolz macht, ist es nicht der bayerische Löwe, der als Symbol des jüngst verliehenen Wirtschaftspreises hinter ihm im Regal steht. Auch nicht das Patent. Ihn macht am meisten stolz, wovon der Raum Lichtenfels profitiert: "Dass wir hier ein Hightech-Unternehmen von weltweitem Ruf etablieren konnten, bei dem so viele Menschen in Lohn und Brot stehen und wegen dem junge Akademiker auch wieder in die Region zurückkommen."