Feuerwehren, THW oder Wasserwacht, alle machen mit bei den kurzen Videos im Internet. "Cold Water Challenge" (zu deutsch: Kalt-Wasser-Herausforderung) heißen diese Filmchen, in der sich die ehrenamtlichen Helfer in einer humorvollen Weise mit kaltem Wasser übergießen, bespritzen oder hineinspringen. Fast aus jeder Gemeinde im Landkreis Lichtenfels gibt es inzwischen ein oder sogar mehrere Videos. Seit einigen Wochen stehen diese Videos in der Kritik. Dazu hieß es Mitte Juni in einer Stellungnahme des Landesfeuerwehrverbandes Bayern: "Leider wurde aus dieser positiven Grundidee nun oftmals eine Art Wettkampf mit zum Teil bedenklichen Aktionen."

Kein Versicherungsschutz
Auch die kommunale Unfallversicherung Bayern - über die Feuerwehrleute während der Einsätze versichert sind - hat sich mit dem Thema beschäftigt: "Für die Teilnehmer an solchen Aktionen besteht grundsätzlich kein gesetzlicher Unfallversicherungsschutz." Wenn Feuerwehrleute bei einer solchen Aktion mitmachen, dann als Privatpersonen. Sowohl Landesverband als auch die kommunale Unfallversicherung sorgen sich in ihren jeweiligen Stellungnahmen auch um das Bild der Wehren in der Öffentlichkeit.

Material, Image und Versicherung
Es gibt drei Hauptkritikpunkte des vermeintlich harmlosen Spaßes: das Nutzen von kommunalem Eigentum zum Spaß, der fehlende Versicherungsschutz der Feuerwehrler während der Aktionen und ein verzerrtes Bild der Wehren in der Öffentlichkeit als Spaß- und Saufgemeinschaft. Damit hat sich auch Kreisbrandrat Timm Vogler beschäftigt: "Es war ein Selbstläufer, den einige Kommunen inzwischen verboten haben."

Die Videos funktionieren wie ein Kettenbrief. Nach den Regeln muss die Feuerwehr, die das Video dreht und auf Youtube hochlädt, drei andere Wehren, THW oder ähnliche Helfer nominieren. 48 Stunden haben die Nominierten Zeit nachzuziehen. Wenn nicht, dann kommt der Herausforderer zum Grillfest vorbei.

Im Lichtenfelser Landkreis habe es solche Verbote nicht gegeben. Es müsse jede Wehr und die jeweilige Kommune selbst entscheiden, ob sie mitmacht. Die Grundidee, durch die Videos auf die Ebene der Jugendlichen zu gehen, um so potenziellen Nachwuchs zu begeistern, findet der Kreisbrandrat gut. "Nur Maßkrüge auf dem Tisch haben in solchen Videos nichts verloren", betont Vogler. Solche Filme würden der Feuerwehr einen Sauf-Charakter zuschreiben und das Bild in der Öffentlichkeit verzehren. So wenig wie heute werde seit 30 Jahren nicht mehr getrunken, sagt Vogler.



Die Ursprungsidee der Videos, eine Spendenaktion für den Paulinchen Verein (Initiative für brandverletzte Kinder), spiele bei den Videos keine Rolle mehr, so der Kreisbrandrat. Vor einem solchen Video sollten die Wehren den Geräteeinsatz vorher mit der jeweiligen Kommune abstimmen. Von Videos, in denen die Ehrenämtler über die Strenge schlagen oder sich und Material in Gefahr gebracht hätten, ist dem Kreisbrandrat nichts bekannt. "Bei uns im Landkreis ist es im Rahmen geblieben", sagt Vogler und verweist, als positives Beispiel, auf das Video der Wolfsdorfer Wehr.

Keine Nominierung aus Wolfsdorf
Für Kommandant Alexander Heller war es selbstverständlich, die Herausforderung der Kameraden anzunehmen: "Es ist eine riesen Gaudi. Da muss man mitmachen." Er habe sich vorher über die Rechtslage informiert. Am Samstag, 14. Juni, kam die Nominierung, am Sonntag haben die Wolfsdorfer den Film gedreht, aber mit dem online stellen habe man bis Montag gewartet, falls noch ein offizielles Verbot gekommen wäre.

Denn der Bamberger Landkreis habe ein solches ausgesprochen, so Heller. "Wir haben das Video gemacht, weil wir gerne Spaß haben und eine gute Gemeinschaft sind." Bisher seien ihm keine negativen Reaktion zu Ohr gekommen. Er sieht, in den Regeln der "Cold Water Challenge", auch eine Gefahr: "Jeder will sich übertreffen, dann kann es gefährlich werden." Deshalb hat die Wolfsdorfer Feuerwehr keine Nominierung ausgesprochen.