Die H.O. Schulze KG Lichtenfels schließt ihren Laden in der Lichtenfelser Straße. Damit verliert Burgkunstadt wieder ein traditionsreiches Fachgeschäft. Für viele, insbesondere natürlich die Schulkinder, war dieses Geschäft auch ein beliebter Treffpunkt.

Etwas wehmütig blicken bei solchen Nachrichten auch die älteren Mitbürger zurück, denn Vieles ist für immer aus dem Stadtbild verschwunden. Der beliebte Färbersbrunnen etwa, der einstmals noch offene Mühlbach, bei dem es sogar ein Zollhäuschen gab, an dem Brückenzoll erhoben wurde, und natürlich der Plan mit seiner bekannten Viehwaage.

Dabei waren vor allem die Kulmbacher Straße und die Lichenfelser Straße, die am Plan ineinander münden, Lebensadern der Schuhstadt. Die Umgehungsstraße war noch nicht vorhanden, und so dienten diese Ortsstraßen auch als wichtige Verbindung zwischen Lichtenfels und Kulmbach.

Heute ist es kaum noch vorstellbar, welch geschäftliche Lebendigkeit es im Innerortsbereich von Burgkunstadt gab. Erinnert sei nur an die Essig- und Likörfabrik Lindner, nicht weit davon entfernt befand sich das einstmalige Autohaus Zeitler, später auch ein Korbwarenfachgeschäft Thurnau, und es gab in diesem Umfeld fast ein halbes Dutzend Metzgereifachgeschäfte, mehrere Friseure sowie vom Milch- und Käseladen bis hin zum Lotto-Fachgeschäft so ziemlich alle Läden, die der Grundversorgung dienten. Bevor die Baur-"Hollerith"-Abteilung entstand, befand sich hier das gewerblich genutzte Anwesen Bäuerlein; der Schuhwarenladen, zwei große Bekleidungsgeschäfte, der Lebensmittelhandel, mehrere Elektro-, Radio-, Fernseh- und Fahrrad-Fachgeschäfte fehlten ebenso wenig wie der Textilhandel, die Uhrmachereien und gleich zwei Kinos, wobei vor allem bei den Kindern und Jugendlichen die Nachmittagsveranstaltungen am Sonntag beliebt waren. Mehrere Hotels, in der Bahnhofs- in der Kulmbacher- und der Lichenfelser Straße sowie im Weiherbach, empfingen ihre Gäste und konnten vor rund einem Jahrhundert, wie der "Fränkische Hof", schon darauf hinweisen: "Bäder im Hause", wodurch deutlich wurde, dass fließendes Wasser auch in der Gastronomie seinen Einzug gehalten hatte.

Cafés und Gaststätten

Mehrere Cafes, Kohlenhandlungen, Banken, Apotheken und eine Drogerie, Bäckereien, Haus- und Zahnärzte und Gärtnereien verliehen der "Unteren Stadt" ihre besondere Prägung. Auch in der Schuhherstellung hatte die Kulmbacher Straße ihren Stellenwert, lagen doch im heutigen Hotel "Drei Kronen" und im nahe liegenden sogenannten "Fischweberhaus" deren Ursprünge. Für die Schuhfabrikarbeiter - im Raum Burgkunstadt, Altenkunstadt und Woffendorf Hunderte von Beschäftigten - waren vor allem die Bahnhofs- und Kulmbacher Straße aus gastronomischer Sicht besonders günstig, und nur eines kurzen Weges bedurfte es zur "Loni" (Bahnhofshotel), oder über die spätere Bundesstraße, wo die Gampert-Wirtschaft die Gäste erwartete. Prägend dabei die Namen der Einkehrstätten wie "Royal", "Wellensittich" etc.

Die Kulmbacher Straße bot auch eine reiche Brauereivielfalt, und nachdem sich unweit des früheren Hotels Dumrauf die Brauerei-Gastwirtschaften Günther, Gick und Pfeuffer gleichsam gegenüber standen, hatte dieser Stadtbereich bald in der Bevölkerung einen eigenen Namen erlangt, nämlich das "Bermuda-Dreieck"...

Im Mühlbachwasser drehte sich munter das Wasserrad der einstigen Elbelschen Mühle, und über den Bachlauf führte ein kleiner Holzsteg, beides natürlich besonders beliebte Spielorte der Jugend. Mit Schul-, Büro- und Schreibwarenbedarf war Burgkunstadt stets gut ausgestattet, so am Aufgang zur Oberen Stadt mit dem Fachgeschäft Brönner, das vor allem in der Weihnachtszeit die Kinderherzen höher schlagen ließ, wenn die prächtige Eisenbahn im Schaufenster ihre Runden drehte, und im Schwarzen Graben mit dem Fachgeschäft Pfadenhauer. Dort, wo heute die Filiale der Sparkasse Coburg-Lichenfels steht, später wurde das Haus als Schuhgeschäft genutzt, befand sich ebenfalls eine Buchhandlung mit dem Namen Reinecke. Sie zog später in die Räumlichkeiten in der Kulmbacher Straße um, wo sich früher beispielsweise auch die DVSG befand, eine Niederlassung der Deutsche Vereinigung der Schuhmaschinen GmbH mit Sitz in Frankfurt.

Die Ankündigung des Räumungsverkaufs von H.O. Schulze ist vor allem für viele der heute schon Erwachsenen mit ein klein wenig Wehmut verbunden. Denn sie durften sich doch über viele Jahre hinweg ihre Schulsachen dort selbst abholen, und nachdem auch jede Menge Spielsachen mit verkauft wurden, nahm diese stets einige Zeit in Anspruch. Vor allem bei den Jungs standen die kleinen "Wiking-Autos" ganz oben auf der Beliebtheitsskala, ebenso wie die kleinen Flugzeug- und Schiffsmodelle, und boten nach der Schule jede Menge Spielmöglichkeiten. Kurzum, der Plan und sein Umfeld verändern sich wieder einmal. Erfreulicherweise kann der aufmerksame Besucher jedoch feststellen: Selbst wenn der geschäftliche Aderlass schon beträchtlich war, gibt es mitunter auch positive Entwicklungen zu sehen.