Die Michelaare Kerwa 2020 dürfte allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben. 1910 fand das Kirchweihfest zum ersten Mal auf dem Anger statt. Zuvor gab es kleinere Vergnügungen an verschiedenen Orten innerhalb der Korbmachergemeinde, oft in direkter Nachbarschaft zu einzelnen Gaststätten. Im Zeichen von Corona verzichtete man aufgrund der schwierigen Verhältnisse auf den Festbetrieb auf dem Anger. Die 201. Michelauer Kirchweih wurde damit wieder zu einer reinen Gaststättenkirchweih.

Zutritt nur mit Mundschutz und Reservierung hieß es nicht nur beim Gasthof "Goldene Krone" in der Ortsmitte. Im Innenhof feiert man zum Auftakt bei freiem Eintritt mit Goller & Götz einen unterhaltsamen Abend. Während der zunehmende Mond am blauschwarzen Himmel stand, durften sich sich die Gäste als "Englishman in New York" fühlen. Auch die Songs von Simon & Garfunkel sorgten für eine verträumte Stimmung. Andere Gaststätten setzten auf die Attraktivität ihrer Speisekarte.

Besondere Attraktion: Biertisch mit Motor

Ein besonders originelles Kirchweihvergnügen leisteten sich einige Bewohner der Hüllreuthstraße. Mit einem motorisierten Biertisch starteten sie am Kirchweihsamstag zu einer Rundfahrt durch Michelau. Bei einer Reisegeschwindigkeit von sechs Stundenkilometern hatten der Fahrer und sechs Gäste am Biertisch Platz genommen. Fetzige Marschmusik begleitete den Start in der Hüllreuthstraße und die einzige Dame an Bord war auserwählt, mit Handzeichen die jeweilige Fahrtrichtung anzugeben. Angetrieben wurde das originelle Gefährt vom Motor eines ehemaligen Rasentraktors, der allerdings bereits nach rund 300 Metern an der Einbiegung in die Neuenseer Straße kurzzeitig seinen Geist aufgab. Eine besondere Herausforderung für den Fahrer und sein Team, das noch an Ort und Stelle den rollenden Biertisch wieder flott bekam, um dann bevorzugt auf Nebenstrecken die Fahrt durch den Ort fortzusetzen.

Auch der Kirchweihgottesdienst am Sonntag unterschied sich von denen der Vorjahre. Geplant war eigentlich ein Gottesdienst im Freien, im Kirchhof am Dekanat. Doch kurz bevor um 10 Uhr das Läuten der Glocken zu hören war, setzte der erste Regenschauer ein. Kurzerhand wurde der Gottesdienst in die Johanneskirche verlegt.

Mensch und Krankheit

Dekanin Stefanie Ott-Frühwald hielt die Festpredigt. Ausgehend von der Heilung des Blinden setzte sie sich mit der Sichtweise von uns Menschen auf Krankheiten und Behinderung auseinander. "Wir neigen dazu zu fragen, wo liegt die Ursache, wer hat schuld. Womit habe ich das verdient? Warum trifft es gerade mich?" Und doch bleibe die Erkenntnis: Mein Leben und meine Gesundheit kann ich nicht garantieren - auch wenn ich mich noch so gesund ernähre, noch so sorgsam mit meiner Gesundheit umgehe. Das führe uns die Corona-Pandemie sehr deutlich vor Augen. "Doch Jesus sieht, was die anderen nicht sehen: Jesus sieht den Menschen an, den er vor sich hat. Er wendet sich dem Blindgeborenen zu: Es sollen die Werke Gottes an ihm offenbar werden. ,Ich bin das Licht der Welt‘, verkündet Jesus, und der Blinde erhält sein Augenlicht zurück. Für diesen anderen Blick steht auch die Kirche", schloss die Dekanin.