Fein gedeckte Tische, Zimmer, die das Gefühl vermitteln, willkommen zu sein und Menschen, die einen mit einem strahlenden Lächeln begrüßen und umsorgen - einfach Gast in einem guten Hotel sein. Das hat Marina Macheleid schon als Kind fasziniert. Deshalb hat sie sich nach dem Abitur auf dem Lichtenfelser Meranier-Gymnasium für eine Ausbildung zur Hotelfachfrau entschieden.

Heute, drei Jahre später, ist Marina Macheleid 20 Jahre alt und lächelt viel, wenn sie von ihrem Beruf erzählt. Seit knapp zwei Wochen hat sie einen Vertrag auf Kloster Banz und arbeitet dort an der Rezeption und im Service.
Ihre dreijährige Ausbildung hat Sie mit 1,0 abgeschlossen. Dafür hat sie nun von der Regierung von Oberfranken für "hervorragende Leistungen" eine Auszeichnung bekommen.


Dabei ist sie nach dem Abitur relativ spontan in den neuen Beruf gestartet: "Ich hatte vorher kein Praktikum oder Ähnliches gemacht." Beworben hatte sie sich in Hotels in Bamberg und Nürnberg. Den Tipp, es auch in Kloster Banz zu probieren, bekam Marina Macheleid von ihrer Mutter. "Ich war ziemlich froh, dass es in der Nähe von Lichtenfels geklappt hat."

Spätschicht macht ihr nichts aus

Theoretischen Unterricht und praktische Übungen hat die angehende Hotelfachfrau an der staatlichen Berufsschule II in Bamberg absolviert. Am meisten Spaß machen ihr der Service und die Arbeit an der Rezeption, auch die Spätschicht bis 23.30 Uhr sei kein Problem. Weniger schön sei das Etagemachen - Reinigen der Zimmer - gewesen. Anfangs fiel es ihr schwer, sich in Kloster Banz zu orientieren. Wir durften nicht alleine herumlaufen, damit wir uns nicht verlaufen, sagt Marina. Die sehr guten Prüfungsergebnisse seien ihr aber nicht in den Schoß gefallen: Zwei Monate lang habe sie fast jeden Tag acht Stunden gelernt und dafür extra Urlaub genommen.

Kaffee für die Minister

Arbeiten auf Kloster Banz, das der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung gehört, bedeute auch, mehrmals im Jahr prominenten Besuch aus Politik und Wirtschaft zu umsorgen. "Vor höheren Leuten habe ich keine Angst. Menschen sind Menschen", sagt die junge Hotelfachfrau und fügt an: Aber wenn man dem Seehofer einen Kaffee hinstelle, mache man sich schon Gedanken, was passiert, wenn man ihm etwas drüberkippt. "Aber der würde bestimmt ganz freundlich reagieren", sagt sie.

Auch der 1,0-Hotelfachfrau ist schon mal ein gastronomisches Unglück passiert: Marina Macheleid wollte einem Gast gerade einen Espresso hinstellen, als ein anderer Gast aufstand, sie anstieß und das Kaffeegetränk einer Dame am Tisch über die Bluse kippte. Da habe ich aber keine Schuld gehabt, sagt Marina. Murrenden Gästen begegnet sie bis zu einem gewissen Punkt mit ihrem einnehmenden Lächeln. In ganz heiklen Fällen, während der Ausbildung, seien die Kollegen zur Hilfe gekommen.

Privat musste sie im Laufe ihrer Ausbildung ein wenig zurückstecken. Das Volleyballspielen hat Marina aufgegeben. Noch wohnt sie bei ihren Eltern in Lichtenfels. Die seien stolz auf die Tochter. "Meine Mama freut sich manchmal mehr als ich selbst", erzählt Marina. Ihrem jüngeren Bruder, der gerade ins Berufsleben starten, rät sie: "Er soll sich ranhalten. Vielleicht ist eine solche Auszeichnung auch ein Anreiz."

Ein Jahr in die Schweiz

Noch ein Jahr werde sie in Kloster Banz arbeiten. Danach will die junge Frau mit den ambitionierten Zielen ein Jahr in der Hotellerie der Schweiz arbeiten, weil diese so einen guten Ruf habe. Als Türöffner soll ihr dabei die Auszeichnung der Regierung von Oberfranken dienen. Die ist in der Bewerbungsmappe von Marina mit guten Platzierungen von gastronomischen Städtemeisterschaften in bester Gesellschaft. Und nach der Schweiz? Vielleicht ein Studium im Eventmanagement oder gleich wieder arbeiten, sagt Marina. Langfristig träumt die 20-Jährige von einem eigenen Hotel. Wie es aussehen soll, das wisse sie noch nicht. Aber es soll wahrscheinlich nicht in Deutschland stehen, vielleicht in den USA.

Aber im kommenden Jahr steht auf Kloster Banz erstmal ein anderer Höhepunkt an. Marina hat ihren älteren Bruder überredet, hier zu heiraten. Und zwar auf den Mainterrassen, ihrem Lieblingsplatz in Kloster Banz. Dort während einer Hochzeit zu arbeiten, sei etwas Besonderes: "Es ist das Schönste, wenn Leute sich freuen."



Beruf Hotelfachmann

Zahlen Aktuell sind im Kammerbezirk der IHK für Oberfranken Bayreuth (ganz Oberfranken, außer Coburg) für den Beruf Hotelfachmann/frau 147 Ausbildungsverträge eingetragen. Im Bezirk Lichtenfels (Stadt und Landkreis) sind es 16 Ausbildungsverträge.