Die Messlatte lag hoch. Im vergangenen Jahr hatte Baur-Chef Albert Klein beim Bilanzpressegespräch Rekordwerte vermeldet. Die Unternehmensgruppe hatte sowohl einen Rekordumsatz erwirtschaften können, als auch die Ergebnisziele deutlich übertroffen. Einer der Gründe für den Erfolg: "Unsere österreichische Tochter Unito entwickelt sich ausgezeichnet", hatte Klein berichtet.

Gestern, bei der Vorstellung der Bilanz über das Ende Februar abgelaufene Geschäftsjahr, konnte Klein tatsächlich ein weiteres Umsatzwachstum um 1,3 Prozent auf 817 Millionen Euro vermelden. Auch das Ergebnis sei nachhaltig und zufriedenstellend, sagte Klein.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung, der sich am 1. Juli in den Ruhestand verabschiedet, gab allerdings zu, dass die Ergebnisziele nicht ganz erreicht wurden. Über die Höhe des Gruppenergebnisses macht Baur grundsätzlich keine Angaben. Den Rückgang spiegelt aber die erwirtschaftete Umsatzrendite. Lag diese im Geschäftsjahr zuvor noch bei rund fünf Prozent, so sank sie zuletzt auf knapp über drei Prozent.

Niedrigere Renditen

"Wir sind nicht diejenigen, die sagen: Umsatz um jeden Preis", stellte Klein klar. "Ein beständiges nachhaltiges Ergebnis ist wichtiger. Und das ist uns gelungen." Klein verwies auch darauf, dass Baur innerhalb der Otto-Gruppe seine Position als zuverlässiger Umsatz- und Ergebnisträger bekräftigt habe. Schließlich sei das Wettbewerbsumfeld schwierig geworden. Die hohen Renditen wie früher seien im Handelsgeschäfts nicht mehr zu erreichen, die Margen seien zurückgegangen. "Amazon, Google und Facebook machen es mittelständischen Unternehmen wie uns zunehmend schwerer, im Handel zu bestehen", ergänzte Patrick Boos, Kleins Nachfolger an der Spitze der Geschäftsführung. Baur arbeite daher weiter daran, ein digitalisierteres und kundenorientierteres Unternehmen zu werden. So sei man etwa vor einigen Tagen eine Partnerschaft mit dem Bonussystemanbieter Payback eingegangen oder habe das Baur.de-Sortiment ausgeweitet. Laut Boos sind online inzwischen mehr als 600 000 Artikel verfügbar.

Nach zehn Jahren eine Schwächephase

Die Ursachen für den diesmal nur durchwachsenen Geschäftsverlauf liegen bei zwei Geschäftseinheiten, die hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind: Unito und BFS. Zehn Jahre lang ging der Weg der österreichischen Tochter steil nach oben. Laut Klein lag die durchschnittliche Wachstumsrate in diesem Zeitraum bei rund elf Prozent pro Jahr. "Das vergangene Geschäftsjahr hingegen brachte erstmals ein kleines Umsatzminus und ein Ergebnis, das unter dem gewohnt hohen Niveau blieb", berichtete Klein. Es seien bei Unito Werbegelder investiert worden, ebenso habe man auf Preissenkungen gesetzt. Aber die entsprechende Kundenwirkung sei ausgeblieben.

Klein, der nach dem Ausscheiden aus der Baur-Geschäftsführung noch rund ein Jahr für Unito als Aufsichtsratsvorsitzender verantwortlich sein wird, zeigte sich aber schon wieder zuversichtlich. Unito wird seine Ziele erreichen, der bisherige Verlauf der Frühjahr-/Sommersaison sei vielversprechend. "Sorgen müssen wir uns nicht machen", sagte er.

Baur.de behauptet sich

Auch die Dienstleistungssparte Baur Fulfillment Solutions (BFS) konnte trotz Umsatzplus "das gesteckte Ergebnisziel nicht erreichen". Was die Logistik angeht, so zeigte sich Klein erfreut, dass die Kunden von "About You" seit März direkt von Altenkunstadt aus beliefert werden. "Damit steigt die Gesamtausgangsmenge der Baur-Logistik am Standort Altenkunstadt auf 70 Millionen Teile im Jahr." In Sonnefeld (Landkreis Coburg) entstehe ab März 2020 ein Standort für Paketauslieferungen. "Wir wachsen dadurch in diesem Jahr um 100 Mitarbeiter", kündigte Olaf Röhr, der für Logistik zuständige Geschäftsführer, an. Ende Februar arbeiteten für die Baur-Gruppe 4201 Menschen, 132 mehr als ein Jahr zuvor.

Sehr zufrieden ist man bei Baur mit der Entwicklung des Online-Shops Baur.de. "Der Internet- und Versandhandel in Deutschland wuchs nominal um sechs Prozent. Unsere Online-Umsätze hingegen stiegen insgesamt um sieben Prozent", sagte Klein. Vor allem die Baur-App habe mit 80 Prozent Umsatzsteigerung hohen Zuwachs erzielt, die Umsätze über Stationär-PC seien dagegen um drei Prozent gesunken. "Wir haben unsere Printaktivitäten deutlich zurückgenommen, haben umgeschichtet von Print zu Online", sagte Klein. Eine Entwicklung, die bei Baur nicht überrascht.