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Lichtenfels
Geschäftsaufgabe

Fränkischer Bastelladen muss schließen: Lebenstraum zerplatzt - Corona mit schuld

Das Hobby zum Beruf machen, der eigene Boss sein - diese Vision hatte sich Uta Sperber mit ihrem Bastelladen in Lichtenfels erfüllt. Nun schließt der Laden.
 
Utas Bastelladen im Räumungsverkauf: Noch in diesem Jahr wird das Lichtenfelser Geschäft schließen.Foto: Bettina Dirauf
Utas Bastelladen im Räumungsverkauf: Noch in diesem Jahr wird das Lichtenfelser Geschäft schließen.Foto: Bettina Dirauf
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Der Traum vom eigenen Geschäft ist für Uta Sperber vor nunmehr 16 Jahren wahr geworden. Die gelernte Bäckereiverkäuferin war bereits jahrelang im Einzelhandel tätig, bevor sie den Wunsch entwickelte, ihr eigener Boss zu werden. Mit ihrer damals zweijährigen Tochter Beruf und Familie zu vereinbaren, war eine echte Herausforderung.

Eine Lösung musste her. Also entschied sich die begnadete Bastlerin dazu, ihr Hobby zum Beruf zu machen und einen Bastelladen zu eröffnen. Das erste Geschäft öffnete 2004 in der Heinemannstraße seine Türen. Zwei Jahre später, kurz vor der Geburt ihres zweiten Kindes, erfolgte dann der Umzug in die Bamberger Straße, wo Utas Bastelladen bis heute zu finden ist. Zu finden war, muss es richtig heißen, denn 16 Jahre nach der Eröffnung muss das Geschäft schließen. Auch, aber nicht nur wegen der Corona-Pandemie.

Seit Wirtschaftskrise: Online-Handel trug den Laden mit

Leicht hatte es Uta Sperber mit ihrem kleinen Geschäft all die Jahre nie. Die Weltfinanz- und Eurokrise 2008 und 2009 und deren Auswirkungen auf die Realwirtschaft gingen auch an Utas Bastelladen nicht spurlos vorbei. Während dieser Zeit entdeckte Uta Sperber das Internet als potenziellen Absatzmarkt für sich und eröffnete einen kleinen Onlineshop für Bastelwaren. Von da an trug der Online-Handel den Laden mit und warf sogar mehr Ertrag ab als das Geschäft selbst. Durch ihren "Bastelshoponline" hatte Sperber also eine zusätzliche Einnahmequelle und konnte gleichzeitig ihre Flexibilität als Mutter und Geschäftsfrau sicherstellen.

Wenn in der Vorweihnachtszeit ganz besonders viel Arbeit anfiel, dann half beim abendlichen Verpacken der Bestellungen die ganze Familie mit: "Da war der Hausgang dann immer vollgestanden mit Versandtaschen. Mann und Kinder haben sortiert und ich hab' eingepackt", erinnert sich Uta Sperber.

Neben der internationalen Wirtschaftskrise erschwerten Discounter mit ihren Billigwaren immer mehr das Geschäft. Mit deren Preisen kann Uta Sperber nicht mithalten. Große Discounter kaufen die Produkte massenhaft und zu dementsprechend günstigeren Preisen ein. "Die verkaufen ihre Waren billiger, als ich die einkaufe. Da kann ich nicht mithalten", klagt Uta Sperber.

Laden muss schließen: Corona besiegelt das Aus

Hinzu komme die Mentalität der modernen Wegwerfgesellschaft, schnell, viel und billig einzukaufen. Vielen Menschen sei nicht bewusst, dass ein Einkauf bei einem Einzelhändler zwar ein paar Euro teurer ist, dafür aber mehr Qualität und bessere Beratung mit sich bringe. Auch werde durch den Kauf von langlebigen Produkten nicht nur die regionale Wirtschaft gestärkt, sondern auch für mehr Nachhaltigkeit gesorgt.

Das endgültige Aus für Utas Bastelladen kam mit Corona. Mit der Absage der Feste und Feiern ging auch der Bedarf der Kunden an Bastelutensilien zurück. "Die Leute basteln zu den Festen", erklärt Uta Sperber, "Dekoration und Einladungskarten zu Kommunion, Hochzeiten, Geburtstagen, Konfirmation, Taufen. Nichts. Und nächstes Jahr wird es ja wahrscheinlich auch nicht besser."

Auch während des Lockdowns hätten die Menschen nicht mehr Zeit ins kreative Schaffen gesteckt. Uta Sperber berichtet von dem Gespräch mit einem Postboten. Er habe ihr von dem enormen Anstieg an Paketen erzählt, weil die Leute so viel bestellen. Uta Sperber merkte davon nichts: "Schließlich hatte ich keine Rasenmäher, kein Hundefutter und - ganz wichtig - kein Klopapier."

Trotz staatlicher Hilfen: Existenz gefährdet

Als die Ausgangsbeschränkungen gelockert wurden, suchten viele Kunden Gummis für Masken. Sperbers Vorrat war bald ausverkauft. Beim Nachbestellen kam dann die böse Überraschung: Die Preise waren um das Doppelte gestiegen, denn die Ware wurde nun aus China per Flugzeug importiert. Eine Nachbestellung der Maskengummis konnte sie sich nicht mehr leisten.

Natürlich gab sich Uta Sperber auch in dieser Krise nicht kampflos geschlagen und griff auf staatliche Förderprogramme zurück. Im Rahmen der Corona-Soforthilfen wurden ihr einmalig 4500 Euro für drei Monate zugestanden, mit denen sie Miete und Nebenkosten beglich. Die anschließenden Überbrückungshilfen dagegen standen ihrem Laden nicht zu. Ein Prozentpunkt trennte Uta Sperber von der Antragsberechtigung.

Unverständnis äußert Sperber darüber, dass große Unternehmen in Deutschland durch Milliarden an staatlicher Förderung am Leben gehalten werden. So viele Einzelhändler dagegen würden ihrem Schicksal überlassen. Unkomplizierte und höhere Finanzhilfen hätten zwar geholfen, aber "man kann den Staat ja nicht melken wie eine Kuh", sagt Sperber.

Sperber muss sich neuen Job suchen: "Hat gleich geklappt"

Der Lockdown dagegen hätte in ihren Augen vermieden werden müssen. Kleine Geschäfte wie ihres hätten ein entsprechendes Hygienekonzept ohne Probleme umsetzen können. "Nur ein bis zwei Leute gleichzeitig im Laden, wäre gar kein Problem gewesen", meint Sperber. Ihre Forderung: Die Politik müsse stärker das Gespräch mit den normalen Bürgern suchen. Zudem ist Uta Sperber überzeugt davon, dass Aufklärung statt Panikmache vonseiten der Politik die Menschen dazu bringen würde, wieder mehr in Geschäfte zu gehen.

Ungewissheit und die Unplanbarkeit waren für Uta Sperber schließlich ausschlaggebend, ihr Geschäft aufzugeben. Ihre Stammkunden reagierten enttäuscht auf ihre Entscheidung, den Laden zu schließen. Schließlich waren über all die Jahre, zahlreiche Freundschaften entstanden.Doch auch für Uta Sperber war die Entscheidung hart: "Weil ich wirklich 16 Jahre lang den Laden aufgebaut und gehofft habe. Nach der Wirtschaftskrise dachte ich: Schlimmer geht es nicht mehr. Jetzt kann es nur besser werden. Und dann kam Corona."

Wie es nun weitergeht? Der Laden bleibt im November noch sporadisch geöffnet. Der Onlineshop wird so lange weiter betrieben, bis der Ladenbestand vollständig verkauft ist. Ob dann auch der Internetverkauf vollständig eingestellt wird, kann Uta Sperber noch nicht mit Sicherheit sagen. Sie müsse sich erst mit ihrem neuen Arbeitgeber absprechen. Denn einen neuen Job habe sie bereits: Als Verkäuferin in der Metzgereifiliale einer großen Supermarktkette. Der Übergang in den neuen Lebensabschnitt verlief ohne Probleme. Gleich bei der ersten Bewerbung habe es geklappt, verkündet Uta Sperber stolz.