"In der Anfangszeit von Baseball ging's nicht um Kohle, sondern um Ideen", sagt Richard Kermas. In seiner Heimatstadt Mannheim lernte er diese Sportart nach dem Zweiten Weltkrieg kennen, die damals von amerikanischen Soldaten nach Deutschland gebracht wurde.

"Die Amerikaner wollten die deutschen Jugendlichen nach dem Krieg beschäftigen, denn sie befürchteten, dass diese zu Werwölfen werden." Die Organisation Werwolf war eine nationalsozialistische Gliederung zum Aufbau einer Untergrundbewegung am Ende des Krieges. Um die jungen Deutschen sinnvoll zu beschäftigen, erinnert sich der 84-Jährige, überlegten sich die Amerikaner, wie das am besten zu machen sei. Über die "German Youth Activities" (GYA) offerierten sie Volley- und Basketballtraining sowie Baseball für die Jungs und Softball für die Mädchen. Es bildeten sich Jugendbaseballmannschaften, die zugleich die Möglichkeit boten, Englisch zu lernen. Als 1948 die Währungsreform kam, unterstützten die Amerikaner die Baseballclubs nicht mehr automatisch. Von zwölf Mannschaften in Deutschland blieben nur fünf übrig.

Ganz neu war die Sportart in Deutschland nicht, fährt Richard Kermas fort. Schon vor dem Krieg wurde hierzulande Schlagball gespielt, dessen Regeln jenen des Baseballs entsprechen. In der Anfangszeit, in den 1950ern, spielte er aktiv Baseball, einmal durfte er sogar als Nationalspieler dabei sein: "Deutschland gegen Belgien - wir haben 14:13 gewonnen."

Dass es sich um eine Amateursportart handelte, war Richard Kermas sehr wichtig. So spielte er nicht nur aktiv Baseball, sondern stellte sich auch 1964 zur Verfügung, als die "Amateur Baseball Föderation Deutschland" (ABFD) einen neuen Präsidenten wählte.

Vier Mannschaften waren zu jener Zeit noch übrig: Mannheim, München, Stuttgart und Frankfurt. Diese Teams konnten weiterhin die vorhandenen Sportplätze der amerikanischen Garnisonen nutzen: Spangdahlem, Bitburg, Ramstein, Landstuhl...

Als Präsident baute er eine Organisation auf, um die Infrastruktur für diese Sportart zu verbessern. Er sicherte sich durch seine Kontakte die Unterstützung von Politikern und amerikanischen Militärs. In Mannheim, sagt er, "hatten wir zwar ein Gelände, aber es war noch kein Spielfeld da". Ein hoher US-Offizier half unbürokratisch weiter und versprach ihm, alles zur Verfügung zu stellen, was gebraucht wurde. Der Landmaschinenhersteller John Deere konnte zudem als Sponsor für die Spielfeld-Einrichtung gewonnen werden.

"Mit vier, fünf Mannschaften konnten wir keinen Blumentopf gewinnen; deshalb integrierten wir Afro-Amerikaner." Bald spielten viele farbige Amerikaner in den deutschen Teams, "denn die wurden in der Army systematisch abgeblockt".

Von 1967 bis 1982 leitete Richard Kermas den Deutschen Baseballverband als Präsident. Diese Arbeit leistete er in all den Jahren ehrenamtlich. Wegen seiner Weltgewandtheit, seiner vielen Kontakte und seiner Sprachkenntnisse (Englisch und Französisch) wurde er zusätzlich zum Vizepräsidenten des Europäischen Verbandes gewählt.

Von Staffelstein aus (wohin er 1972 zog) half er, die Kräfte zu bündeln, um Baseball zur olympischen Disziplin zu erheben. "In jedem europäischen Land mussten wir die Sportart nachweisen, um olympisch werden zu können." Es gelang, Baseball in 21 Ländern zu etablieren - und somit der Durchbruch, die Teilnahme bei Olympischen Spielen. In dieser Funktion war Richard Kermas zu jener Zeit in der ganzen Welt unterwegs, um diese Sportart voranzubringen. Mit breitem Lächeln berichtet er: "Drei Präsidenten habe ich die Hand geschüttelt: Lyndon B. Johnson, Fidel Castro und Anastasio Somoza."

Dass Baseball heute in Deutschland nur eine Randsportart ist, nimmt er gelassen. Das Spiel mit seinen komplizierten Regeln ist außer in den USA vor allem in Asien, Südafrika und Südamerika beliebt. Was sich in der Szene tut, interessiert ihn noch immer. Als letzter Zeitzeuge wird er einen Vortrag beim Bamberger Rotary-Club über die Anfänge des Baseballs in Deutschland halten. Von all seinen über die Jahrzehnte gesammelten Trophäen, Bildern, Dokumenten und Utensilien trennte er sich schon vor Jahren. Diese Dinge schenkte er dem Baseballmuseum in Mannheim.