Hinter Marc Friedrich liegen nervenaufreibende Tage: Der 48-Jährige sitzt seit einem Unfall vor 26 Jahren im Rollstuhl. Trotz seiner Querschnittslähmung kann er Auto fahren. Er wohnt in einer kleinen Sackgasse der Auwaldsiedlung in Bad Staffelstein (Kreis Lichtenfels). Dort durfte er in Absprache mit dem einstigen Bürgermeister sowie dem Ordnungsamt laut eigener Aussage seit seiner erlittenen Behinderung mit seinem Wagen parken. "Über 20 Jahre gab es keine Probleme", berichtet Friedrich inFranken.de - bis vor wenigen Tagen. 

Am Freitag (15. Oktober 2021) habe er an seinem Auto auf einmal einen Strafzettel vorgefunden. Die Polizei habe ihn darin aufgefordert, nicht mehr an seinem langjährigen Platz zu parken, berichtet er. Der Grund: Der bisherige Parkplatz liegt auf einem Gehweg. "Dort gilt seit jeher ein eingeschränktes Halteverbot", erklärt Friedrich. Dennoch habe er hier über zwei Jahrzehnte stets problemlos parken können. "Jetzt muss ich oben auf der Straße parken", kritisiert er am Montag (19. Oktober 2021). Das Problem: Dort, am Äußeren Frankenring, herrscht wesentlich mehr Verkehr - was für den Rollstuhlfahrer durchaus gefährlich ist. 

Bad Staffelstein: 49-Jähriger musste Rollstuhl "bei fließendem Verkehr" zusammenbauen

"Er muss jetzt auf der Straße bei fließendem Verkehr seinen Rollstuhl zusammenbauen", erklärt Friedrichs Bekannter Klaus Wendel am Montag. In einem emotionalen Facebook-Post äußerte er zuvor seinen Unmut über die neuerlichen Umstände seines Freundes. "Da rauschen jetzt Autos, 40-Tonner und Busse an mir vorbei", beklagt auch Friedrich selbst. "De facto ist das eine Behinderung. Das ist russisches Roulette!" Hinzu komme nun ein Umweg von mehr als 100 Metern. 

Mehrere Rücksprache-Versuche mit der zuständigen Polizei seien für ihn letztlich ohne Aussicht auf Besserung seiner Lage geblieben. "Die Polizei hat mir gesagt, dass es nicht erlaubt ist, dort zu stehen", sagt Friedrich. Der Mitte der 1990er-Jahre getroffenen Vereinbarung sei indes keine Bedeutung beigemessen worden, hält der Bad Staffelsteiner fest.

Das Absurde: Noch am gleichen Wochenende bekommt Friedrich laut seiner Schilderung unerwarteten Besuch: "Zivilpolizisten haben bei mir wegen meinem Auto auf dem Frankenring geklingelt", erzählt er inFranken.de. Der Grund: Bei der Polizei seien "etliche Beschwerden" eingegangen, weil Friedrichs Wagen auf der Fahrbahn geparkt habe. Als er den Beamten erklärt habe, dass er auf der Umgehungsstraße nur auf Hinweis der Polizei parke, seien die Polizisten wieder von dannen gezogen.  

Unverhofftes Happy End: Stadt wandelt Grünfläche in Parkplatz um 

Dennoch kommt es für den leidgeprüften Bad Staffelsteiner alsbald zum unverhofften Happy End: Auf Anraten eines Stadtrats stellt Friedrich noch am Freitag einen Antrag auf Erteilung eines behindertengerechten und personalisierten Parkplatzes. Die sei in den 26 Jahren zuvor bislang nicht nötig gewesen, da man seinerzeit auf eine unbürokratische Lösung gesetzt habe. 

Am Dienstag (19. Oktober 2021) nun die gute Nachricht: Bei einem Ortstermin mit der Stadt Bad Staffelstein wurde offenbar eine alle Seiten zufriedenstellende Lösung gefunden. Vertreter von Stadt, Stadtrat, Ordnungsamt und Polizei schlugen Friedrich demnach vor, gegenüber von Friedrichs Anwesen eine städtische Grünfläche in einen Parkplatz umzubauen - auf Kosten der Stadt. "Das ist sensationell", schreibt der 48-Jährige auf Facebook. "Ich freue mich richtig!" 

Die Arbeiten hierfür seien bereits am Dienstag in Gang gesetzt worden, berichtet Friedrich inFranken.de merklich erleichtert.

Ebenfalls interessant: Im etwa zehn Kilometer von Lichtenfels entfernten Lettenreuth entstehen rund 30 neue Bauplätze. Schon im Herbst 2022 soll der Hausbau dort möglich sein.