Die Kälte mache ihm nichts aus, sagt Wolfgang Hüttner, als er bei einer Temperatur von einem Grad unter Null aus der Haustür tritt. "Früher lag der Schnee auch so hoch und wir sind gewandert", meint er und deutet dabei auf Kniehöhe.

Draußen zu sein gehört für Wolfgang Hüttner zum Alltag. Seit 1984 hat er als Wanderführer für den Staffelsteiner Kur- und Tourismus-Service mit verschiedenen Gruppen die umliegende Landschaft durchquert. Nun, 36 Jahre später, soll damit Schluss sein. Mehrere Stiche am Bein von einer Tigermücke im vergangenen Jahr schränken ihn beim Laufen ein. "Ich schaffe nur noch wenige Kilometer am Stück", bedauert der 73-Jährige.

Gelernt hat Hüttner den Beruf des Schuhmachers, später durchlief er eine Umschulung zum Schreiner. Die Wanderungen fanden nebenher statt. Naturverbunden sei er immer schon gewesen, das Wissen über Flora und Fauna habe er sich im Laufe der Jahre selbst angeeignet. Hinzu kam noch, dass Onkel und Opa in Burgkunstadt, Hüttners Heimatstadt, als Flurwärter arbeiteten, erzählt er.

Botanik und Vogelstimmen

Dieses Interesse war dann ausschlaggebend für die Anfänge der Wandertouren. Ein ehemaliger Wanderführer fragte Wolfgang Hüttner Anfang der 1980er Jahre, ob er nicht eine Gruppe leiten wolle. "Du kennst die Gegend doch so gut, hat er gesagt", erinnert sich Hüttner. Aus anfangs drei Touren im Jahr wurden später zwölf bis 14, in manchen Jahren sogar an die 20.

Für Botanik und Vogelstimmen ist der Staffelsteiner inzwischen Experte. Seit rund 50 Jahren ist er zudem Mitglied beim Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV), seit 60 bereits im Gartenbauverein. Das aktive Erkunden der Pflanzenwelt konnte er außerdem mit einem weiteren Hobby verbinden. "Ich habe alles fotografiert, was man am Weg so antrifft", sagt Hüttner. Seltene Orchideensorten, Blumen in voller Blüte, Siebenschläfer in den Nistkästen - der Küchentisch in der Wohnung des Ehepaars ist schnell mit den Fotografien bedeckt. Aus der Sammlung zahlreicher Dias entstand dann wiederum später eine vierteilige Serie für die Volkshochschule, bei der der 73-Jährige zu den Aufnahmen referierte.

Neue Wege erschließen

Neben den Wanderungen mit wechselnden Teilnehmern hat Wolfgang Hüttner auch Wanderungen mit Vereinen geleitet oder mit den Kindergärten zusammengearbeitet. In ihrer Freizeit haben er und Ehefrau Monika sich immer neue Wege in der Region erschlossen. Im Frühjahr mussten sie diese sogar oft erst freischneiden. "Wir hatten immer unsere Tasche mit Werkzeug dabei", berichtet Wolfgang Hüttner.

Das Ehepaar hat im vergangenen Jahr goldene Hochzeit gefeiert. Mindestens so lange wandern die beiden schon gemeinsam. "Wir sind auch schon mit dem Kinderwagen die Wege abgefahren", sagt Monika Hüttner lachend. Auch bei den Wandergruppen war sie meist mit dabei. "Wenn er in seinem Element ist, kann man ihn schwer bremsen", sagt sie über den Enthusiasmus ihres Mannes.

Die Gegend um Bad Staffelstein empfinden beide als sehr abwechslungsreich. Die Kurstadt liege zwischen Bergen. Es gebe den Kontrast von Wald und weiter Flur und zu den nahe gelegenen größeren Städten Bamberg, Coburg oder Lichtenfels sei es auch nicht weit.

Rückmeldungen der Dankbarkeit

Wolfgang Hüttner blickt nun auf viele schöne Wander-Jahre Dankbarkeit zurück. Viele der Teilnehmenden seien immer wieder gekommen, sagt Hüttner. Das sei vergleichbar mit einer Familie, ergänzt Ehefrau Monika.

Unter den vielen Zielorten gibt es auch solche, die Wolfgang Hüttner besonders gerne besucht. Der Felsengarten bei Eichig gehöre dazu, der Staffelberg oder der Steinbruch bei Romansthal.

Im Urlaub fahren die Hüttners übrigens am liebsten dahin, wo sie auf neuen Wegen wandern können: Beispielsweise in den Bayerischen Wald oder nach Kitzbühel, zählt der Wanderführer auf. "Wir gehen gerne in die Berge."