Sie sind da. Lichtenfels freut sich. Im Allgemeinen. Das war nicht immer so, wenn die Schwarzkutten mit dem Heavy-Metal-Geschmack drei Tage den Weltenbrand probten. Das nämlich bedeutet das nordische Wort Ragnarök. Mit einer nicht repräsentativen Umfrage begibt sich der Fränkische Tag zu den Anwohnern des Ragnarök-Festivals am Schützenplatz.

Doch, ein Holzzaun sei einmal aus der Nachbarschaft abmontiert und auf einer nahen Wiese verbrannt worden. Damals, vor vielen Jahren, als die weit verbreitete Meinung über die schwarz gekleideten Gäste aus ganz Deutschland und Teilen Europas noch nicht nahezu einhellig auf ein "Ach, die sind ganz in Ordnung" lautete. Die Bewohner der Schützenstraße, jener Straße, die direkt ans Festgelände grenzt, haben sich mit dem alljährlichen Festival arrangiert.

Anfänglich war das nicht so, denn der Weltenbrand wurde nicht selten in den Vorgärten der Anlieger gelöscht. Pinkelnderweise. Selbst ein Fahrrad habe mal in ihrem Teich gelegen, erinnert sich Hannelore Endres, die einen besonders schönen Vorgarten hat. Die Dame schmunzelt leicht, als sie davon erzählt, was nicht durch Heavy-Metal-Fans geschah, sondern durch Schützenfestbesucher. Vor Jahren erwischte sie junge Männer dabei, wie diese durch den Zaun hindurch in den Koi-Teich pinkelten. Weitpinkeln im Suff oder in fraglicher Ausgelassenheit jedenfalls. Aber zumindest das Ragnarök-Festival ist kultivierter geworden und Hannelore Endres gelassen. "Nachdem die in der Straße (Schützenstraße) nicht mehr parken dürfen, stört uns das alles gar nicht", erklärt sie. "Flaschen und Zeug" habe sie schon aus dem Teich gezogen, aber das passierte ihr öfter zu Schützenfestzeiten. Eine Anti-Pinkel-Folie hat sie für ihren Zaun. Für Schützenfestzeiten.

"Wenn die gekommen sind, habe ich Kaffee gemacht"

Carmen Lang wohnt seit zwei Jahren in der Schützenstraße. Auch ihr Vorgarten sei schon verunreinigt gewesen. Nicht zu Ragnarök, sondern zum Schützenfest. Die Hauswirtschafterin hat ein gutes Bild von den düster gekleideten Gästen. "Sie laufen durch (die Schützenstraße), kein Gegröle, kein nix. Ich führe meine Hunde aus, ich bin noch nie blöd angemacht worden."

Blöd angemacht würde wohl auch Alexander Fischer nicht werden. Schon darum, weil er in diesem Jahr für die Dauer des Festivals in Bamberg weilt. Der junge Handwerker hat eine gute Meinung von den Heavy-Metallern, belästigt fühlte er sich noch nicht, der Musiklärm sei auch nicht schlimm und im Grunde "sehen die wilder aus, als sie sind".

Seine Nachbarin, die namentlich nicht genannt sein will, wohnt ihm direkt gegenüber und hatte sogar Stammparker vor der Haustür. Die immer selben jungen Menschen, die studiert haben und die sie eigentlich gerne mal wieder sehen würde. "Wenn die gekommen sind, habe ich Kaffee gemacht", sagt die Rentnerin. In der Schützenstraße gebe es keine Gespräche darüber, ob es schlimm werden könnte. Das Ragnarök-Festival sei eigentlich kein Thema, so ist zu hören.

Security und blaue Müllsäcke

Der Weltenbrand wird an den Grenzen des Festivalgeländes enden, so ist aus Polizeikreisen zu hören. Der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Lichtenfels, Harald Göring, weiß von 60 Security-Mitarbeitern, die seitens der Konzertveranstaltung engagiert wurden. Seit 2009 gibt es nur eine "Schleuse" für den Zugang zum Festgelände und zudem wurde die Parksituation geregelt. Darüber hinaus räumen die Konzertbesucher schon seit Jahren den von ihnen verursachten Müll ziemlich peinlich genau selbst wieder auf. Gegen Ende des Festivals sind sie mit großen blauen Müllsäcken zu sehen.