Gerhard Reile konnte sich noch gut an die erste Besichtigung des ehemaligen Schulhauses in Redwitz erinnern. "Es war wirklich eine "sehr alte Dame", umschrieb das Vorstandsmitglied der Regens Wagner Stiftung Dillingen den baulichen Zustand des Gebäudes. Doch davon war gestern bei der Einweihung des neuen Wohnheims für behinderte Menschen nichts mehr zu sehen. Dafür war die Freude über den gelungenen Umbau bei den Verantwortlichen, bei Architekten, Firmen, Mitarbeitern, Bewohnern und bei den vielen Gästen umso größer.

Mit der alten Schule stand mitten im Ort ein stattliches Gebäude über viele Jahre leer. Bis Regens Wagner im Landkreis ein Gebäude für die Errichtung einer Außenwohngruppe suchte. "In Redwitz fanden wir gute Voraussetzungen für einen neuen Standort", berichtet Sabine Schubert, Gesamtleiterin von Regens Wagner Burgkunstadt.

Bürgermeister Christian Mrosek zeigte sich glücklich darüber, dass ein ehemaliger Leerstand in der Gemeinde jetzt dauerhaft bewohnt wird. "Es ist schön zu sehen, wie schnell und gut sich alle Bewohner und ihre Betreuer in Redwitz eingelebt haben und an unseren Gemeindeleben teilhaben", würdigte der Bürgermeister.

Im Haus Johanna leben 13 Bewohner auf drei Etagen. Die vier Wohngemeinschaften versorgen sich selbst, kaufen ihre Lebensmittel selbstständig ein und bereiten ihre Mahlzeiten gemeinsam zu. Für Bewohnerin Lena Feik ist es die erste Wohnung nach ihrem Auszug aus dem Elternhaus. Ihre Schwester Jule hat ihr zum Einzug einen Sessel geschenkt. "Einen grünen Sessel", ergänzt die 24-Jährige. Bei der farblichen Gestaltung der Wände durften die Bewohner Wünsche äußern. Lena Feik hat die Farbe rot gewählt. "Rot ist die Farbe der Liebe", sagt sie und lacht. Auf ihrem Fensterbrett steht eine Sammlung Schneekugeln, Plüschtiere und liebenswerte Dekorationen machen den Raum heimelig. Lena Feik ist sichtlich glücklich in ihrem neuen kleinen Reich.

Im Vorfeld des Einzugs erhielten Interessierte eine Infobroschüre über das Wohnen in der alten Schule. Bei Interesse konnten sie sich bewerben, berichtet Stephanie Pfadenhauer, Bereichsleiterin der Außenwohngruppe Redwitz. "Natürlich waren mehr Bewerbungen als Plätze vorhanden. Deshalb musste einigen eine Ansage erteilt werden. Künftige Bewohner und Mitarbeiter waren von Beginn der Baumaßnahme an eingebunden. Beispielsweise bei Baustellenbesichtigungen und beim Besuch des Richtfestes. Auch sei von Anfang an der Kontakt in die Gemeinde hinein sehr wichtig gewesen. Deshalb besuchten die künftigen Bewohner bereits im letzten Jahr viele Festlichkeiten in Redwitz.

Die Kosten für den Umbau der alten Schule in ein Wohnheim bezifferte Gerhard Reile auf 2,2 Millionen Euro. Daran beteiligte sich die Oberfrankenstiftung mit einem Darlehen von 400.000 Euro, die Bayerische Landesstiftung mit 190.000 Euro, die Aktion Mensch mit 110.000 Euro und die Gemeinde Redwitz mit 70.000 Euro. Den Löwenanteil in Höhe von 1,43 Millionen Euro brachte die Regens-Wagner-Stiftung Dillingen aus Eigenmitteln auf.

Den kirchlichen Segen spendete der evangelische Pfarrer Till Roth und Dekan Michael Schüpferling. Sie erinnerten daran, dass es an jeden einzelnen liegt, ob die Diktatur der Leistungsgesellschaft gelte oder ob sich jeder in die Gesellschaft einbringen könne. Miteinander Lebensräume zu gestalten, sei das Fundament einer guten Bürgerschaft.