Vor der Turnhalle stehen zwölf Männer Spalier. Es ist eine zufällig zusammengewürfelte Gemeinschaft. In gebührendem Abstand warten die Männer - zwei davon tragen Mund-Nasen-Schutz - auf Einlass. In der Halle tagt bereits der Ebensfelder Gemeinderat. Der nichtöffentliche Teil wurde diesmal vorangestellt, was bis dato unüblich war.

Doch schon nach wenigen Minuten werden die zwölf Männer eingelassen, denn sie sind als Gäste zum öffentlichen Teil der Sitzung zugelassen. Sie nehmen diesmal nicht auf der Tribüne Platz, sondern finden zusammen mit den Ortssprechern ihre Plätze am hinteren Hallenrand. In der Halle sitzen die Gemeinderäte in weitem Abstand voneinander. Einziger Tagesordnungspunkt dieser letzten Sitzung der sechsjährigen Legislaturperiode: Die Verabschiedung von zwei Frauen und sechs Männern, die dem neuen Gemeinderat nicht mehr angehören werden, der sich am 5. Mai zu seiner konstituierenden Sitzung treffen wird.

Bürgermeister Bernhard Storath (CSU) äußert zunächst seine Enttäuschung über den würdelosen Abschied in Zeiten der Corona-Krise, doch die Situation lasse ein anderes Procedere als diese formlose Verabschiedung nicht zu. Die ausscheidenden Rätinnen und Räte lobt er: "Es war immer unsere und euere Aufgabe, etwas auf den Weg zu bringen - und das haben wir nicht schlecht gemacht." Auf die Arbeit der vergangenen Jahre zurückblickend resümiert Storath: "Wir haben 80 Prozent, vielleicht sogar über 90 Prozent der Beschlüsse einstimmig gefasst."

Rückblick auf das Geleistete

In seinem Rückblick streift Storath einige der herausragenden Projekte, die den Marktgemeinderat in der vergangenen Legislaturperiode und darüber hinaus beschäftigten. Auf den Lärmschutzwall an der A 73, die Dorferneuerungen in Kümmel und Kleukheim, den Straßenbau zwischen Messenfeld und Ummersberg geht er ein sowie auf die Anschaffung neuer Feuerwehrfahrzeuge und den Bau des Ebensfelder Feuerwehrhauses. Das Gelände der 2016 abgerissenen Tankstelle Kiesler sei an die Regens-Wagner-Stiftung verkauft und werde heuer noch bebaut. Der Bau der ICE-Trasse mitten durch Ebensfeld belastete die Bürger in den vergangenen Jahren sehr. Juristisch sei der Trassenbau noch nicht abgeschlossen: "Wir sind immer noch im Rechtsstreit mit der Bahn."

In Betrieb genommen worden sei einer der ersten Waldkindergärten im Landkreis, fährt Storath fort. Der Breitbandausbau sei eine Konstante der vergangenen Jahre: Die Einwohner von Neudorf, Messenfeld und Sträublingshof würden demnächst von der Gemeinde angeschrieben und darüber informiert, dass die Telekom kostenlos Glasfaserkabel bis ins Haus lege, wenn das gewünscht werde.

Würdige Feier wird nachgeholt

"Die Bussi-Gesellschaft war noch nie mein's", leitet der Bürgermeister zur Verabschiedung der acht Ratsmitglieder über. Trotzdem verspreche er, den Abschied mit einer würdigen und herzlichen Feier nachzuholen, wenn die Corona-Krise das zulasse. Als kleines Zeichen der Anerkennung erhalten die Scheidenden jeweils ein Glaskrüglein zum Abschied.

Seit 24 Jahren gehörte Herbert Hennemann (CSU dem Gemeinderat an. Er leistete wertvolle Arbeit, und sein "väterlicher Rat", so Bernhard Storath, sei immer sehr wichtig gewesen.

Ebenfalls 24 Jahre gehörte Hauke Petersen (CSU) dem Gremium an, seit 2008 war er Zweiter Bürgermeister. "Wir haben gemeinsam das Handwerk des Marktgemeinderats von der Pike auf gelernt", sagt Storath über Petersen, der kürzlich 60 Jahre alt wurde.

2003 bis 2020 gehörte Peter Schober (FW) dem Gemeinderat an. Mit einigen persönlichen Worten dankt Storath dem ausscheidenden Rat, den er schon seit der 1. Klasse kenne.

2004 war Claudia Jung (CSU) für einen vorzeitig ausscheidenden Rat ins Gremium nachgerückt. "Sie hatte das Wohl der Gemeinde immer im Blick", urteilt der Bürgermeister.

Jeweils eine Amtsperiode (2014 bis 2020) gehörten Markus Knipper (CSU), Roswitha Wich (FW), Kurt Hammer (SPD) und Axel Hümmer (FW) dem Gemeinderat an. Storath lobt die "wohl überlegten Meinungsäußerungen" von Markus Knipper, das "konstruktiv gute Verhältnis im Gemeinderat" mit Roswitha Wich, die "ausgleichende Art" von Kurt Hammer sowie den "breiten beruflichen Hintergrund", den Axel Hümmer in die Gemeinderatsarbeit einbrachte.

Hauke Petersen sagt in seinen Abschiedsworten: "Die ersten sechs Jahre war's etwas schärfer im Ton - aber dann ging das." Unterm Strich: "Es hat wirklich Spaß gemacht." Claudia Jung dankt für das politische Miteinander. Axel Hümmer resümiert: "Schön, wenn man als junger Mensch merkt, wie stark man aufs Geschehen in seiner Heimatgemeinde einwirken kann." Peter Schober verabschiedet sich so: "Ich war oft nicht einer Meinung mit meinem Sport- und Schulkollegen Bernhard Storath - aber dazu braucht man ja eine Opposition. Ich geh' mit einem guten Gewissen, weil ich weiß, dass gute Leute nachkommen."

Die Verabschiedung der Ortssprecher, so Bürgermeister Storath, finde zu einem späteren Zeitpunkt statt. Zwar seien diese Personen offiziell ab 1. Mai nicht mehr im Amt, doch sie fungieren zunächst kommissarisch weiter als Ansprechpartner für die Bürger, bis die Nachfolger benannt sind.

In nichtöffentlicher Sitzung wurde die Installation von LED-Leuchten im Gemeindegebiet auf den Weg gebracht.

Im Marktgemeinderat kurz notiert

Bürgermeister Bernhard Storath (CSU) gab in der Marktgemeinderatssitzung am Dienstag einen kurzen Sachstandsbericht über die Sanierung des Birkacher "Haus der Bäuerin". Das Projekt, das den Marktgemeinderat seit Jahren beschäftigte, wurde zum 31. März mit einem Kostenstand von 1,3 Millionen Euro abgeschlossen. Der Eigenanteil der Gemeinde belaufe sich nach Storaths Worten auf 464 000 Euro. Der Löwenanteil werde jedoch über staatliche Förderprogramme gedeckt. "Da sind wir nochmal mit einem blauen Auge davongekommen", kommentierte der Bürgermeister. Er freute sich jedoch sehr, dass mit der Sanierung dieses Dorfgemeinschaftshauses - in dem sich ein Veranstaltungssaal und die Unterkunft der Feuerwehr befinden - etwas geschaffen wurde, das für die nächsten 50 Jahre Bestand hat.