Jürgen Kirschbaum ist ein Mann der kleinen Schritte. Jedes Jahr, sagt der Klinikleiter der Schön-Klinik in Bad Staffelstein, werde ein bisschen umgebaut.

Wo vormals ein drittes Schwimmbecken war, ist seit zwei Jahren ein Massagebereich, die Zimmer wurden moderner gestaltet, warmes Kirschbaum-Holz statt grüner Einheitslack. Komfort-Zimmer heißen sie, für eine Zuzahlung von 55 Euro pro Tag kann auch der Kassenpatient Hotelatmosphäre genießen.

Demnächst sind die Teppichböden im zweiten Stock an der Reihe, und die Radiologie soll aufgerüstet werden.
Was 1995 mit 57 Mitarbeitern begann, ist jetzt mit 560 Mitarbeitern und 330 Betten einer der größten Arbeitgeber der Region.

Was sich in den 20 Jahren seit der Gründung am meisten verändert habe, das sei die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Berufsgruppen im Klinikalltag, sagt Kirschbaum. Sprachtherapeuten, Wundmanager für Amputierte, Schmerz- und Musiktherapeuten - wird ein Patient eingeliefert, wird die Behandlung sofort mit allen betroffenen Fachbereichen abgestimmt.

Begonnen hatte 1995 alles mit der Orthopädie, ein Jahr später kam die Neurologie und vor zehn Jahren die Psychosomatik als eigene Abteilungen dazu.

Ulrike Peschak ist Oberärztin der Psychosomatischen Klinik. Im Schnitt hat sie 40 Patientinnen, die unter Essstörungen leiden und 60 Fälle von Depression - 100 Betten also, angefangen haben sie damals mit 20.

Dass die Zahl der Psychosomatischen Erkrankungen zugenommen hat, glaubt Peschak nicht, sie würden jetzt nur häufiger erkannt. Sechs bis acht Wochen bleiben Depressions-Patienten im Schnitt, Patienten mit Essstörungen mindestens acht Wochen. Meist in Intervallen - wer die Klinik verlässt, ist noch lange nicht gesund.

Peschak und ihr Team haben ein neues System entwickelt, die Patientinnen mit Essstörungen können sich jetzt bei der Essensausgabe ihre Portionen, von denen sie denken, das sei die richtige Menge, selbst nehmen. Es soll helfen, frühzeitig ein Gefühl für normale Portionsgrößen zu entwickeln, für die Zeit nach der Klinik.

Von Scheichs und Falken

In den 20 Jahren, sagt Stefan Middeldorf, Chefarzt der Orthopädie, habe er eine Kleinstadt in der Größe von Bamberg behandelt. Im Schnitt komme er auf 3000 Patienten im Jahr - stationär und ambulant. Zu ihm kommen der Bauarbeiter der vom Gerüst gefallen ist, der Elektriker, der von der Leiter und der Dachdecker, der vom Dach gestürzt ist.

Und seit einem halben Jahr auch Patienten aus Kuwait. Stolz sei er schon, sagt Middeldorf, dass der Ruf der Klinik vor allem in der Schmerztherapie so gut sei, dass Patienten mittlerweile um die halbe Welt flögen. Fünf Patienten aus Kuwait habe er derzeit, und das seien ganz normale Menschen, sagt Middeldorf, keine Scheichs mit Falken. Kultursensibilität ist dennoch angebracht: So wird beispielsweise das Schweinefleisch vom Speiseplan gestrichen und die Frau nicht mit Handschlag begrüßt.

Von Nerven und Gehversuchen

Es ist die mit Abstand größte Abteilung - über die Hälfte der insgesamt 160 Pflegekräfte sind in der Neurologie beschäftigt. Zwölf Betten hat die Intensivstation. Friedrich von Rosen ist Chefarzt der Neurologie und sagt: "Viele Patienten kommen beatmet an und verlassen zu Fuß die Klinik."

Der durchschnittliche Schlaganfall-Patient sei 66 Jahre alt. 200 beatmete Patienten habe er im Schnitt pro Jahr - vor 20 Jahren waren es weit weniger. Zum einen, sagt von Rosen, hatten die Akut-Kliniken damals noch längere Liegezeiten, und zum anderen hat sich die medizinische Versorgung verbessert.

Die neueste Errungenschaft der neurologischen Frühreha ist ein robotischer Gangtrainer. Eine Art überdimensioniertes Laufband mit Haltegurten und Fußpedalen.

Eingeschnallt in einen Fallschirmgurt und mit Riemen wie beim Fahrradpedal über den Füßen bewegt der Roboter die Beine des Patienten.

Ohne das Gerät würde der Patient derzeit nur mit Rollator laufen können, sagt von Rosen. 20 Minuten wird der Patient laufen, konstant mit 1,7 Stundenkilometern. Zum Vergleich: Um die Grünphase einer Fußgänger-Ampel zu schaffen, sind zwei Stundenkilometer das Minimum. Nach gut 15 Minuten zeigt der Bildschirm 782 Schritte an, der Patient beginnt langsam zu schwitzen, sein rechtes Knie zittert leicht. Es sind eben die kleinen Schritte, die den Weg zurück ins Leben ebnen.