Die Stadt Kulmbach braucht bezahlbaren Wohnraum - nicht nur für Einheimische, sondern auch für die Studenten der neuen Fakultät für Lebenswissenschaften der Universität Bayreuth, die zum Start des Wintersemesters mit 150 bis 180 Studenten rechnet. Kulmbach erstes Wohnheim, das auf dem früheren VfB-Gelände in Metzdorf errichtet worden ist, ist bereits voll belegt. "Alle 51 Wohnungen sind vergeben. Wir haben immer wieder Nachfragen, müssen jungen Leuten, die auf der Suche nach einer Bleibe sind, aber eine Absage erteilen", sagt der Bayreuther Wolfgang Döring, der die Anlage gebaut hat und betreibt.

Der Aufruft zeigt Wirkung

"Die Unterbringung der Studierenden bleibt weiter schwierig", hat die Uni vor wenigen Tagen erklärt und Privatleute aufgerufen, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Die Resonanz war gut. "Allein an der Fakultät sind mehr als 50 Mietangebote für Wohnungen und Häuser in Stadt und Landkreis Kulmbach eingegangen. Insgesamt waren es sogar deutlich mehr Angebote, da sich viele potenzielle Vermieter direkt an das Studentenwerk Oberfranken gewandt haben", sagt Pressesprecherin Anja-Maria Meister. Das Mietangebot werde auf der Webseite des Studentenwerks täglich aktualisiert. Die Uni erreichten aktuell viele Anfragen von Studierenden, die noch eine Bleibe suchten und die auf den privaten Wohnungsmarkt verwiesen würden. Einige Studierende seien schon fündig geworden, auch Wohngemeinschaften seien gegründet worden, so Meister. Besonders gesucht würden Zimmer, Wohnungen und Häuser in der Stadt beziehungsweise in Campusnähe, "denn der Landkreis Kulmbach wird derzeit nur unzureichend vom Semesterticket abgedeckt, und die Studierenden müssen für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel daher selbst aufkommen."

Alternative Bayreuth

Dass nicht alle Studenten in Kulmbach fündig werden, glaubt Josef Tost, der Geschäftsführer des Studentenwerks Oberfranken ist. Auch weil die Mietpreisforderungen teils doch recht hoch seien, sagt Tost, nach dessen Worten mancher Kulmbacher Student schon in einem Bayreuther Wohnheim untergekommen ist.

324 Euro für 23 Quadratmeter

324 Euro einschließlich Nebenkosten verlangt Wolfgang Döring für die 23 Quadratmeter großen Appartements in Metzdorf. Ein Preis, den wohl auch all die bezahlen müssen, die in ein Wohnheim einziehen, das das Studentenwerk in Kulmbach plant. Das ist von seinem Vorhaben abgerückt, einen Neubau auf dem anvisierten Campus-Areal auf dem Güterbahnhofsareal zu schaffen. Ob der Campus dort je errichtet wird? "Es werden derzeit ja provisorische Lösungen geschaffen. Oftmals wird aus Provisorien eine Dauerlösung", weiß Tost, der für sein Vorhaben jetzt ein anderes innerstädtisches Areal im Visier hat. Das Grundstück befinde sich in zentraler, exponierter Lage und sei im Besitz der Stadt, mit der er nach Standortoptionen gesucht habe, sagt Tost, der nicht verraten will, wo es sich befindet, aber feststellt: "Wenn sich das Projekt realisieren ließe, wäre das städtebaulich für Kulmbach ein Gewinn."

Bedeckt hält sich auch die Kommune. " Wir sind froh, dass das Studentenwerk gewillt ist, ein Studentenwohnheim zu errichten, und begleiten dieses Projekt selbstverständlich mit größtmöglicher Unterstützung", betont Pressesprecher Jonas Gleich.

Hinter dem Parkhaus

Wie die Bayerische Rundschau erfahren hat, sollen die Pläne auf dem mehrere Tausend Quadratmeter großen Hanggrundstück realisiert werden, das sich im Anschluss an das Parkhaus in der Basteigasse befindet. Im Oktober will Josef Tost die Planungen dem Stadtrat vorstellen. "Wir haben schon die mündliche Förderzusage des Bauministeriums. Wenn alles klappt, soll das Wohnheim 2024 bezugsfertig sein." Dass sich der Stadtrat dagegen ausspricht, glaubt er nicht. "Es muss ja das Interesse der Stadt sein, dass die Studenten in Kulmbach wohnen." Zumal sich in Bayreuth Alternativen ergäben, denn dort werde parallel ein weiteres Studentenwohnheim gebaut.

Die Uni begrüßt das Vorhaben. "Die Idee, die Studenten zentral innenstadtnah unterzubringen, halten wir für genau richtig", sagt Kanzlerin Nicole Kaiser. Langfristig rechnet die Uni in Kulmbach mit vielen Hundert Studenten - die Nachfrage nach Wohnraum wird dadurch in den kommenden Jahren kontinuierlich steigen.

70 bis 80 Wohneinheiten

70 bis 80 Wohneinheiten mit einer Größe von rund 20 Quadratmetern sollen in der Basteigasse entstehen. "Es wird kein Riesenbauwerk werden", sagt Josef Tost, nach dessen Worten der Bedarf an gefördertem Wohnraum für Studenten dann auch gedeckt wäre. Geförderten Wohnraum, den es in Metzdorf schon gibt. Dort halten sich hartnäckig die Gerüchte, dass Wolfgang Döring neben dem bereits bestehenden Wohnheim ein weiteres errichten will. "Ich spiele mit dem Gedanken, auch wenn es staatlich nicht mehr gefördert würde, weil ich den Bedarf sehe", sagt Döring, der mitteilt, dass die Stadt einem Interessenten für das noch unbebaute Grundstück ein Vorkaufsrecht eingeräumt hat. Sollte der andere Investor von einer Bebauung Abstand nehmen, würde er das zweite Bauvorhaben gerne in Angriff nehmen.

Sowohl Wolfgang Döring als auch Josef Tost sind im übrigen überzeugt, dass alle Studenten für das Wintersemester eine Bleibe finden. Wenn nicht im Raum Kulmbach, dann eben in Bayreuth, sagt Döring, nach dessen Worten sich aber auch in der Wagnerstadt die Wohnsituation wegen Corona zugespitzt hat.

Weil viele Studenten pandemiebedingt nicht in der Regelstudienzeit hätten abschließen können, seien deren Wohnungen nicht frei geworden. Diese würden jetzt für Studienanfänger fehlen.