Wo ist denn bitte der Unterschied?

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Meine Mutter ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Etwa ihre Sturheit: Es gibt nichts, wovon man sie überzeugen könnte, wenn sie anderer Meinung ist - und die kann noch so falsch sein.

Ein Beispiel: Sie sagt, sie gehe in die Bücherei, meint aber eigentlich die Buchhandlung. Allerdings, und das ist das eigentlich Bemerkenswerte, sagt sie auch, sie gehe in die Bücherei, wenn sie wirklich dorthin geht - und nicht etwa in den Buchladen. Das sei ihr egal, schließlich gebe es in beiden Bücher. Wo, bitte, sei da der Unterschied?
Da wir weder mit Klagen überschüttet werden, weil sie im Laden die Bücher einfach so mitnimmt, noch ein Flügel in der Bücherei nach uns benannt ist, weil sie dort immer für die Bücher bezahlt, gehe ich davon aus, dass ihr der Unterschied wohl bewusst ist. Allein, es ist ihr egal. Von Wortbedeutungen lässt sie sich nicht einschüchtern.
Und auch der Versuch, ihr die Sache mit einem Beispiel vor Augen zu führen, scheitert. 1#googleAds#100x100 Was, wenn sie einmal entführt würde und, bevor ihr der Kidnapper das Handy aus der Hand schlägt, gerade noch sagen könne, sie werde in einer Bücherei gefangen gehalten? Keiner würde auf die Idee kommen, sie daraufhin in einem Buchladen zu suchen.
Sie reagiert nur mit einem Schulterzucken: Dafür habe sie jetzt keine Zeit. Sie habe es eilig, die Bücherei macht gleich zu.