Lockdown in der Gastronomie - zum zweiten Mal in diesem Jahr müssen die Gaststätten ihre Gäste aussperren, Essen gibt's nur zum Abholen oder im Lieferservice. Für viele kleine und große Betriebe geht es inzwischen ums Überleben, sagt Stephan Ertl, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands. "Es geht um viele Arbeitsplätze und für viele an die Substanz. Es stellt sich für immer mehr Gastronomen die Frage: Können wir diese Zeit überbrücken?"

Gaststätten mit treuen Stammkunden, die sich jetzt Essen abholen oder liefern lassen, die können es eventuell durch die Krise schaffen", sagt Ertl, "aber auch das nur, wenn staatliche Unterstützung gewährleistet wird, um wenigstens die Fixkosten abdecken zu können."

Schlüssige Begründung fehlt

Dass es Maßnahmen gegen die explodierenden Infektionszahlen geben muss, das steht für den Sprecher der Gastronomie und Hotellerie im Landkreis außer Frage. "Aber mir fehlt eine schlüssige Begründung. Bei uns gibt es definitiv kein erhöhtes Risiko sich anzustecken. Mir ist kein Fall bekannt, wo sich jemand beim Essen im Wirtshaus oder beim Übernachten in einem Hotel infiziert hätte."

Er selbst hätte nächste Woche 30 von 42 Betten in seinem Haus belegt gehabt, jetzt ist fast alles storniert. "Ausgerechnet in der Herbstferienwoche."

Ende Mai voller Freude, dass er mit seinem Team wieder starten durfte, fühlt sich auch Alexander Schütz, Inhaber des Restaurants "Ursprung" in Wartenfels, jetzt erneut ausgebremst. "Der Frust ist schon groß, auch wenn ich in die Gesicherter meiner Mitarbeiter schaue, die wieder in Kurzarbeit müssen."

Ohne Hilfe hagelt es Insolvenzen

Alexander Schütz zeigt grundsätzlich Verständnis für die Entscheidung der Regierung, aber eines ist ihm wichtig: "Dass die Betriebe, die jetzt die Last tragen müssen, einen finanziellen Ausgleich bekommen". Sonst fürchtet Schütz schlimme Konsequenzen für seine Branche: "Dann wird es Insolvenzen hageln. Wir gehen aktuell alle auf dem Zahnfleisch, halten uns über Wasser mit dem, was uns zur Verfügung steht. Aber das ist nicht viel."

Kein Verständnis für den erneuten Lockdown hat Ulrike Berger, Inhaberin des Kulmbacher Hotels Kronprinz. "Das ist inakzeptabel. Wir arbeiten im Hotel unter höchsten Hygienestandards. Da gibt es kein erhöhtes Risiko." Zwar seien Geschäftsreisen noch erlaubt, aber wer die Möglichkeit habe, werde Besuche absagen oder verschieben. "Wer kommt denn drei oder vier Tage nach Kulmbach, wenn er hier nichts tun kann, außer zur Arbeit zu gehen und abends auf dem Zimmer eine Pizza zu essen? Die Leute können ja nicht mal irgendwo etwas essen gehen."

"Schwierig ist gar kein Ausdruck, um die Lage zu beschreiben", sagt Volker Pausch, der Wirt der Kulmbacher Traditionsgaststätte "Zum Petz". Er setzt seine Hoffnung nun auf den Straßenverkauf, den er im Gegensatz zum ersten Lockdown jetzt nicht nur am Wochenende, sondern auch unter der Woche anbieten will. Er hat bereits festgestellt: "Die Leute holen schon wieder verstärkt ab." Doch die nächsten Wochen würden dennoch nicht leicht.

Die Meldungen über die steigenden Coronazahlen hätten schon in den vergangenen Tagen Auswirkungen auf die Gäste gezeigt, hat der Wirt beobachtet. "Die Leute haben Angst und wollen sich nicht mehr mit anderen zusammensetzen." Mehr noch: Alle Reservierungen in der Woche seien abgesagt worden. Für ihn ist klar: "Der November wird miserabel."

Winfrid Fritsch, der Chef des "Fränkischen Hofs" in Mainleus, ist der Meinung, die erneute Schließung von Gastwirtschaften hätte es nicht gebraucht. "Wir haben über die Hälfte der Tische raus, die Abstände sind groß." Es seien Glaswände eingezogen, Gästelisten geführt worden. Auch auf die Einhaltung der Hygienebestimmungen habe man großen Wert gelegt. "Mir ist kein Fall bekannt, bei dem eine Gaststätte einen positiven Gast hatte."

Auch Fritsch will in den nächsten Wochen wieder einen Außer-Haus-Verkauf anbieten, um Umsatzeinbrüche abzufangen. Einen Monat überbrücken "ginge gerade noch. Aber wenn die das verlängern..." Von dem Übernachtungsverbot ist der "Fränkische Hof" nicht betroffen. "Wir haben größtenteils Monteure." Beim ersten Lockdown sei die Nachfrage sogar gestiegen, nachdem anderenorts Hotels geschlossen hatten.

Hoffnung auf finanzielle Hilfen

Herbert Friedrich, Inhaber des gleichnamigen Landgasthofs in Trebgast, ist nicht glücklich über die Entscheidung der Politik. "Es ist hart, dass es wiederum die Gastronomie trifft. Wir waren diejenigen, die im Frühjahr schon als Erste betroffen waren und als Letzte wieder aufmachen durften. Andererseits sage ich: Sollten die unbürokratisch zugesagten Hilfen wie angekündigt tatsächlich bei uns eingehen, würde uns das immerhin über die schwierige Phase helfen." Der November sei nicht der umsatzstärkste Monat. Dennoch müsse er seine sechs Mitarbeiter erneut in Kurzarbeit schicken. "Für diese Menschen wird es auch nicht leicht. Und man sollte zudem berücksichtigen, dass bei uns weitere Lieferanten hinten dranhängen, unter anderem von Brauereien."

Selbst Sterneköche bleiben nicht verschont. Der Lockdown kommt zur Unzeit, sagt Alexander Herrmann, Inhaber des "Posthotels" in Wirberg. "Man muss berücksichtigen, dass Gastronomie als Dienstleistung ein wirtschaftliches Konstrukt ist, das sehr labil sein kann. Wir leben in erster Linie von Deckungsbeiträgen, das heißt: Es gibt Tage, an denen wir geöffnet haben und wissen: Wir werden heute kein Plus erwirtschaften. Es macht in Summe, wenn alles gut läuft, das gute Ergebnis am Monats- oder Jahresende. Manchmal muss man mehrere Monate oder auch einmal ein halbes Jahr überblicken."

Der Lockdown jetzt im November mit den Auswirkungen auf den Dezember sei deswegen verheerend, so Herrmann, "weil klar, ist dass Weihnachtsfeiern etc. nicht mehr stattfinden werden. Der Dezember aber ist in meiner Branche klassischerweise ein Monat, den ich brauche, um über das Gesamtjahr hinweg mögliche Verluste entweder aufzufangen oder aber um fürs neue Jahr gut gerüstet vorzubauen. Wenn wir jetzt im November alles runterfahren, dann bekommen wir im Dezember diesen nötigen Schwung nicht mehr hin." Die Reserven seien bereits weitgehend aufgebraucht, so dass die Branche von keinem Polster mehr zehren könne.