Lange vor Erfindung olympischer Spiele bestellte der Mensch bereits Felder. Die bepflanzte der Bauer zum Beispiel mit Weizen. Das war das Feld der Ähre. Später blieben Soldaten auch in einem Feld, aber in dem der Ehre (oder überlebten im Feld-Lazarett). Es gibt heute Kraft- und Energiefelder, Gesichtsfelder und Feld linien. Sie sehen: Das Thema ist ein weites Feld, wie Günter Grass (mit SS) schrieb.

Jetzt aber sind wir ein Feld vorgerückt: Olympia sei Dank, hat das Feld sich dasselbige zurückerkämpft in den Köpfen der TV-Zuschauer. Und man merkt schnell: Der Sport ist durchsetzt mit einem bemerkenswert unsinnigen Duktus.

Beim Langlauf etwa trennt sich während eines Wettkampfs irgendwann die Spreu vom genannten Weizen. Der Führende wird gejagt oder auch mal gehetzt von den anderen - der Reporter orakelt dann vom Hauptfeld oder, wenn es richtig ernst wird, vom Verfolgerfeld. Beim Militär gibt es extra einen Dienstgrad, der das Hauptfeld befehligt: den Webel. Und auch im Massensprint führt immer irgendeiner das Hauptfeld an (der Anführer wechselt nur öfter als der Spieß beim Bund).

So weit, so verständlich. Nun aber schleicht sich eine Kategorie ein, die ich mir bei aller Liebe für den Sport nicht erklären kann: Die heißt Vorfeld. Mir ist das aus der deutschen Grammatik geläufig. Im Satzbau steht das Hauptwort oft im Vorfeld, also vorne. Auf dem Flughafen gibt es neben dem Rollfeld auch ein Vorfeld; dafür ist der Vorfeld-Lotse zuständig. Damit dort nix vorfällt.

Bei Olympia gibt es dieses Vorfeld ebenfalls - nur nicht räumlich, sondern zeitlich definiert. "Sie war im Vorfeld der Spiele in bestechender Form", teilt mir Kommentator Bernd Schmelzer über eine Rennläuferin mit. Es existiert also ein "Vorfeld der Spiele". Das muss riesig sein, so oft wie es erwähnt wird, mindestens groß wie ein Fußballfeld (der ehemalige DFB-Präsident hieß deshalb wohl Mayer-Vorfelder).

Es feldet überall: Im Irak war dank Rumsfeld was im Feld-Busch; bei den Eagles spielte Don Felder Gitarre (den bitte nicht verwechseln mit dem Dornfelder oder dem Feldliner vom Winzerhang). Im Steilhang der Abfahrt wurde im Vorfeld spekuliert, ob die Strecke nicht zu schwer sei - nicht dass da einer hinfällt! Mir verschlägt es im Nachfeld nicht den Außenski, sondern die Sprache.