Ob er eine Hyäne anbieten könne, wird Ross Campbell von einem älteren Herrn gefragt. Mit einer Hyäne kann er nicht dienen, doch bietet Campbell wahrlich Tierisches auf dem Brandplatz des Thurnauer Schloss an: Getöpferte Maikäfer und Schmetterlinge, auch einen Elefanten und Ziegenbock hat er an seinem Stand ausgestellt.
Campbell ist Amerikaner und wohnt in Berlin. Wie er nach Thurnau kommt? "Freunde haben mir das empfohlen", sagt der Keramikkünstler, der seine Werke seit Ende November auf dem großen Weihnachtsmarkt auf dem Gendarmenmarkt in der Bundeshauptstadt präsentiert, das Wochenende nun aber für einen dreitägigen Abstecher nach Oberfranken genutzt hat.


"Das ist etwas Besonderes"

Campbell feiert bei der 27. Ausgabe des Weihnachtstöpfermarktes seine Premiere - und ist vom Ambiente beeindruckt. Während in Berlin Holzschnitzer, Gürtler, Schneider und Kamm-Macher um die Gunst der Besucher buhlen, sich Handwerkskunst mit Showelementen und Animation vermischt, steht der Thurnauer Markt ganz im Zeichen der Keramikkunst. 57 ausgewählte Meisterbetriebe aus der ganzen Bundesrepublik sowie dem europäischen Ausland zeigen die ganze Vielfalt des in Mitteleuropa tradierten keramischen Schaffens, von der Gebrauchskeramik bis zum wertvollen Einzelstück, vom Rakubrand bis Porzellan, von Salzglasur bis Aschebrand. Wer Strickwaren oder Süßigkeiten sucht, sich von Weihnachtsmusik berieseln lassen will, der ist in Thurnau fehl am Platz. "Das ist schon was Besonderes", sagt Campbell.


"Ein Schlaraffenland"

Der Töpfermarkt ist ein Spezialmarkt, der sich bundesweit einen Namen gemacht hat. Über 30 000 Besucher werden Jahr für Jahr gezählt. Und der Ansturm scheint noch größer zu werden. "Ich bin begeistert. Ich frage mich, warum wir nicht schon früher hierher gekommen sind", sagt Elisabeth Huber aus Weiden, die gestern erstmals in Thurnau war. Sie sei durch einen Fernsehbeitrag angelockt worden. Der Besuch habe sich gelohnt. "Für Freunde der Töpferkunst ist das ein Schlaraffenland", so die Oberpfälzerin.


Die Wende kam 2005

Es ist ein Lob, das die Organisatoren Andrea und Jörg Labuhn gerne hören werden. Jörg Labuhn hat in seiner Eröffnungsansprache gestern deutlich gemacht, dass es einer der renommiertesten Keramikfachmärkte der ganzen Republik ist. In den Anfangsjahren seien der Veranstaltung oft Steine in den Weg gelegt worden. Die Wende sei um 2005 erfolgt. Sowohl die Stiftung als auch der Markt Thurnau hätten heute längst erkannt, welche große Strahlkraft der Spezialmarkt habe. Sie würden diesen nach besten Kräften unterstützen. Dass der Markt zu den ganz großen Veranstaltungen im Landkreis Kulmbach zählt, machten auch Landrat Klaus Peter Söllner (FW) und Thurnaus Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU) deutlich.


Die Öffnungszeiten

Geöffnet ist der Töpfermarkt am Samstag von 11 bis 19 Uhr, am Sonntag von 11 bis 18 Uhr.