Seit Dienstag kommt das Wasser für all die, die das kühle Nass bis dato über den Zweckverband zur Wasserversorgung der Peestener Gruppe bezogen haben, aus anderen Tiefbrunnen. Es habe nach der Umstellung keine Klagen über fehlenden Druck oder Trübungen gegeben, sagte Kasendorfs Bürgermeister Bernd Steinhäuser. Steinhäuser ging mit seinen Amtskollegen Martin Bernreuther (Thurnau), Dieter Adam (Mainleus) sowie dem geschäftsführenden Beamten der Stadt Kulmbach, Uwe Angermann, gestern vor der Presse auf die Folgen ein, die die Auflösung des Verbandes mit sich bringt.

Riesige Investition

Versorgt wurden von der Peestener Gruppe Kasendorfer, Thurnauer und Mainleuser Ortsteile sowie die Orte Ameisloch und Rother Hügel, die zu Kulmbach gehören.
Wie Steinhäuser erläuterte, hätte der Verband aufgrund der Trinkwasserverordnung von 2003 eine Aufbereitungsanlage bauen müssen, um die geforderten Grenzwerte einhalten zu können. Zudem hätten die Brunnen saniert werden müssen. Auf inzwischen wohl fast eine Million Euro hätten sich Investitionskosten summiert. Diese hätten über Herstellungsbeiträge beziehungsweise die Wassergebühr finanziert werden müssen, so der Bürgermeister.

Nach Alternativen gesucht

Man habe nach Alternativen gesucht und sich kommunenübergreifend für die Auflösung des Zweckverbandes ausgesprochen. Die Folgen: Der Markt Kasendorf und der Markt Thurnau versorgen ihre Ortsteile, die bislang Wasser von der Peestener Gruppe erhalten haben, selbst. Kasendorf versorgt zudem die Mainleuser Ortsteile und den Kulmbacher Stadtteil Rother Hügel mit Wasser, Ameisloch wird von den Thurnauer Marktwerken bedient.

Da die Ortschaften künftig den jeweiligen Gebührensatzungen ihrer Gemeinden unterliegen, sind die finanziellen Konsequenzen für die Bürger unterschiedlich. In Kasendorf beträgt der Nettopreis für den Kubikmeter Wasser für alle Abnehmer künftig 1,53 Euro, in Thurnau 1,93 Euro und in Mainleus 2,05 Euro. In Kulmbach werden zurzeit 1,83 Euro verlangt.

Es kommen Forderungen

Da in Kasendorf für die Aufbereitung und den zweiten Brunnen der Wasserversorgung Mitte der 90er Jahre Beiträge erhoben wurden, die über den bisherigen Beiträgen der Peestener Gruppe lagen, wird der Markt laut Steinhäuser in den nächsten Jahren von den Grundstückseigentümern in Krumme Fohre, Heubsch, Döllnitz, Lopp, Peesten, Dörnhof und Rother Hügel den Differenzbetrag erheben. Für ein Einfamilienhaus werde der wohl zwischen 250 und 350 Euro liegen. Das wäre nur ein Drittel der Herstellungsbeiträge, die der Zweckverband hätte einfordern müssen, wären die teure Aufbereitungsanlage gebaut und die Brunnen saniert worden, betonte Steinhäuser.

Die richtige Entscheidung

Dass es die richtige Entscheidung war, den Verband aufzulösen, stellten auch Uwe Angermann von der Stadt Kulmbach sowie der Thurnauer Bürgermeister Martin Bernreuther und sein Mainleuser Amtskollege Dieter Adam fest. Laut Adam werden Appenberg, Gundersreuth, Neuenreuth und Proß jetzt über einen Wasserlieferungsvertrag mit Kasendorf versorgt. Der Rest der Gemeinde beziehe Wasser über die Fernwasserversorgung Oberfranken. Obwohl es sich um zwei getrennte Netze handelt, habe man beschlossen, die Wasserversorgung als eine Einheit zu sehen. Der Wasserpreis betrage einheitlich 2,05 Euro. Würden die Netze getrennt betrachtet, wäre der Preis für Orte, die bisher der Peestener Gruppe angehörten, auf bis zu drei Euro gestiegen.

Die Hutschdorfer Befürchtung

Im Thurnauer Ortsteil Hutschdorf hat der Anschluss an die Marktwerke für Unruhe gesorgt, da die Peestener Gruppe ein anderes Finanzierungssystem hatte.Wie Martin Bernreuther erläuterte, müsse für Gebührengerechtigkeit gesorgt werden. In Thurnau seien tatsächlich andere Beträge eingefordert worden als vom Zweckverband. Darüber, wie man eine Belastungsgleichheit für Alt- und Neuanschlüsse schaffen könne, müsse allerdings der jetzige Gemeinderat erst beraten. Das Thema sei in der Zeit vor seiner Amtsübernahme leider als nicht relevant erachtet worden, sagte der Bürgermeister.