Im kommenden Jahr steigt die Gebühr um weitere 20 Cent. Bereits im November hatte der Gemeinderat eine Erhöhung der Abwassergebühren um 29 Cent beschlossen. Damit kostet ab Januar der verbrauchte Kubikmeter Wasser 5,09 Euro und im kommenden Jahr 5,29 Euro, falls die Abwassergebühr nicht nochmal erhöht werden muss. "Das sind die tatsächlichen Kosten, die auf alle Verbraucher umgelegt werden müssen", sagt Bürgermeister Siegfried Beyer, denn die Wasser- und Abwasserversorgung darf weder Gewinn noch Verlust machen. Zur Pressecker Gruppe gehört Presseck mit allen Ortsteilen und ein Teil von Stadtsteinach um Schwand/Vorderreuth.

Abgerechnet und verwaltet wird das Pressecker Versorgungssystem durch die Südwasser AG in Naila. Das spart der Gemeinde einen Wassermeister plus eine Halbtagskraft sowie diverse Gerätschaften. Außerdem übernimmt Südwasser die Stromkosten für die Pumpen (40000 Euro pro Jahr) und die Instandsetzung von Leitungen bis 20 000 Euro im Jahr. Die Wasserleitungen im Versorgungsgebiet sind bereits 50 Jahre alt und die Rohre entsprechend anfällig geworden. 70 000 Euro musste der Zweckverband im vergangenen Jahr für die Reparatur von Wasserrohrbrüchen drauflegen; wohl genauso viel im folgenden Jahr, vermutet Kämmerer Frank Wunner. An Krediten wurden 55 000 Euro aufgenommen, denn mit dem Neubau der Fabrikstraße wurden auch die Leitungen darunter erneuert.

"Die neuen Materialien für die Wasserversorgung sind erheblich besser", sagt Bürgermeister Beyer. "Wir haben sie beim Anschluss von Wartenfels an die Pressecker Gruppe vergraben und dort keinerlei Probleme seit fast 15 Jahren. Das moderne Material ist flexibler und gleicht Veränderungen im Boden und Druckdifferenzen aus; AZ-Zement, den man in den 1960er Jahren verwendete, bricht." Warum baut man dann nicht das Rohrsystem neu? "Ein Meter kostet 250 Euro, wir haben insgesamt 80 Kilometer... Das kann man nicht auf die Verbraucher umlegen", sagt Kämmerer Wunner, "und es gibt für die Wasserversorgung auch keinerlei Zuschüsse", ergänzt Bürgermeister Beyer.

"Wasser haben wir genug", so Beyer, "aber es muss vom Brunnen bei Trottenreuth erst 10 Kilometer zum Hochbehälter am Knock hochgepumpt werden." Allein diese Rohre zu erneuern, würde 2,5 Millionen Euro kosten. "In der Stadt ist das einfacher", so der Bürgermeister. "Wenn man dort Rohre neu verlegt, dann wohnen darüber 100 Leute, auf die man die Kosten umlegen kann. Bei uns ist da nur Wald und Wiese." Ein weiterer struktureller Nachteil für die dünner besiedelten Flächengemeinden am Land.

Ungünstig ist auch die Topografie der Gemeinde. Auf der Ebene ist der Wassertransport einfach. Im Hügelland dagegen aufwändiger. "Vom Behälter für Braunersreuth zum Beispiel müssen wir wieder hoch nach Kunreuth pumpen. Das alles verursacht Mehrkosten, die allgemein umgelegt werden müssen," sagt Siegfried Beyer.


Der Verbrauch sinkt

Der Wasserpreis steigt, weil weniger Wasser verbraucht wird. Seit mehr als 20 Jahren sei der Wasserverbrauch unter anderem durch technologischen Wandel, aber auch einem bewussteren Umgang rückläufig, sagt die Statistik. Verbrauchte 1991 jeder Verbraucher im Schnitt 144 Liter pro Tag, seien es heute noch 121 Liter. Neue Wasch- und Spülmaschinen, selbst Toilettenspülungen sind auf weniger Verbrauch geeicht. Hinzu kommt der bewusstere Umgang mit Wasser. Und auch bei sinkender Bevölkerungszahl wird weniger Wasser gebraucht.

Der Gesamtverbrauch in Presseck sank in den vergangenen Jahren von 150 000 Kubikmeter auf 90 000. Ein weiterer Faktor ist auch der strukturelle Wandel in der Landwirtschaft, deutet Landwirt Siegfried Beyer an. Als er 2004 in seinem Betrieb die Schweinehaltung aufgab, sank sein Wasserverbrauch auf nur noch zehn Prozent.
Doch die Kosten für die Wasserverteilung bleiben gleich. Die Reparatur eines Wasserrohrbruchs kostet genauso viel, egal ob davon 10 oder 100 Haushalte betroffen sind. Mit sinkendem Wasserverbrauch steigt damit der Wasserpreis.