"Mit Sempft?" Diese Frage ging Karin Battistella wohl Millionen Mal über die Lippen. Die Kulmbacherin hat jahrzehntelang Einheimische und Touristen gleichermaßen mit Bratwürsten und anderen Leckereien vom Grill verköstigt. Sie hat Schülern ein warmes Mittagessen angeboten - wahlweise eine Bratwurst, "a Boor" oder auch mal nur Stollen mit Ketchup oder Senf. Am 3. Dezember wird Karin Battistella 80 Jahre alt.

Das Geburtstagskind liebt seine Kulmbacher Bratwürste - nur echt im Anisstollen - noch immer heiß und innig. "Bei mir müssen sie ja schön hell sein, gerade nicht mehr roh. So schmecken sie mir am besten", verrät sie. Dass es auch an ihrem heutigen Jubeltag Bratwürste gibt, versteht sich von selbst. "Mich haben so oft die Leute gefragt, ob ich Bratwürste überhaupt noch sehen kann. Ja, wirklich", lacht sie.

Von der Mittelau in die Stadtmitte

"Bratwürste waren mir doch quasi in die Wiege gelegt", sagt Karin Battistella, wenn sie auf ihr Leben zurückblickt. Denn schon ihre Eltern - Henriette und Albin Enders - betrieben einen Bratwurststand. Der stand allerdings noch in der Mittelau und hatte Räder.

"Ich habe schon mit 14 bei Volksfesten mitgeholfen, Bratwürste zu braten", erzählt Karin Battistella. Nach ihrer Ausbildung zur Fleischereifachverkäuferin hat sie sich selbstständig gemacht. "Das war in einer Zeit, in der die Bratwurst noch 65 Pfennig kostete - und nicht immer steckte sie im Stollen."

Dann lernte sie im Urlaub ihren späteren Mann Carlo kennen. Er kam zu ihr nach Kulmbach, und Stück für Stück baute Karin Battistella das Geschäft ihrer Eltern aus. Sie kaufte den Stand des legendären Wienerles-Karl am Holzmarkt. "Wir haben den Wagen dann umgebaut, aber auch gleich Bratwürste verkauft", berichtet sie. Ihr Mann Carlo kümmerte sich mit viel italienischem Charme um die beiden Stände am Marktplatz, sie selbst managte die Bude am Holzmarkt.

Die ganze Familie half mit

"Erst fuhren ja noch Autos auf dem Marktplatz", erzählt Battistella. Seit der Umgestaltung des Marktplatzes gab es dann zwei fest installierte Bratwurststände direkt nebeneinander. "Das lag daran, dass es dort Bratwürste vom Lauterbach und vom Weiß gab. Die einen mochten die einen lieber, die anderen schworen auf die anderen", erinnert sich Karin Battistella.

Besonders stolz ist sie, dass die ganze Familie, einschließlich der vier Kinder Stefan, Alexander, Michaela und Patrizia immer mitgeholfen hat. "Wenn wir bei Festen immer alle aus dem Haus sind, hat mich das richtig glücklich gemacht", sagt sie.

Geschichten kann die heute 80-Jährige viele erzählen. So hat sie früher an den Wochenende im Bogengang des "Ratskellers" Bratwürste gebraten. "Das Bierfest war ja früher immer lustig. Man muss sich vorstellen - es gab nur Bratwürste, nichts anderes." Aber noch turbulenter sei es beim ersten Altstadtfest gewesen, als eigentlich nur zum Frühschoppen Bratwürste verkauft werden sollten. "Ich weiß noch genau, dass um 13 Uhr Schluss sein sollte. Doch die Leute standen Schlange. Der Metzger Weiß hat dann nachproduziert. Wir haben alle Brötchen aus ganz Kulmbach zusammengekauft - und es ging bis abends."

Barfuß im Wassereimer

Die Familie Battistella fehlte bei keinem Fest, sogar beim Autorennen in Presseck war sie mit von der Partie. "Eines der größten Erlebnisse war die Grenzöffnung. Alles war voller Trabis und wir hatten sogar sonntags offen. Die wollten alle unsere Roster probieren", lacht sie. "Ich stand manchmal barfuß mit den Füßen im kalten Wasser. Im Sommer konnte es ganz schön heiß werden", - zumal die Bratwürste anfangs noch auf Holzkohle gebraten wurden.

Bis heute hat Karin Battistella, inzwischen siebenfache Oma, nicht einen Tag bereut: "Ich habe die Bratwurstbraterei immer gerne gemacht. Und ich würde es wieder machen", sagt sie.

Seit 15 Jahren führt ihr ältester Sohn Stefan die Geschicke der Bratwurstdynastie weiter.