Ein Bauernhähnchen mit durchaus mal drei Kilo, direkt aus dem Stall und ohne Umwege auf den Teller. Glückliche Hühner, glückliche Erzeuger und glückliche Verbraucher. Demjenigen, der weiß, wo sein Sonntagsbraten aufgewachsen ist, schmeckt es doppelt so gut. Hans Kolb aus Krögelstein hat allerdings eine Befürchtung: Dass ländliche Idylle, die heute immer noch vielerorts Realität ist, vom "Vorschriftenwahn" zerstört wird.
Er bezeichnet es als "absoluten Schmarrn", was er als Auflage für den Verkauf seiner Hühner bekommen hat.

Dem Nebenerwerbslandwirt wurde verboten, seine Hühner weiter bei einem befreundeten Schlachter töten zu lassen. Er müsse, so das Landratsamt Bayreuth, ab sofort zu einem EU-zertifizierten Schlachthof fahren.
Der Unterschied besteht insbesondere darin, dass im EU-zertifizierten Betrieb ein Veterinärmediziner das Fleisch nach der Schlachtung kontrolliert.
Hört sich lästig, aber nicht besonders dramatisch an, könnte man meinen.

Doch für Hans Kolb und viele seiner Kollegen ist die Situation durchaus mehr als nur etwas unangenehm. "In Oberfranken gibt es keinen EU-zertifizierten Schlachthof für Hühner, das heißt, wir müssen nach Amberg-Sulzbach in die Oberpfalz fahren." Da Hans Kolb immer nur rund hundert Hühner auf einmal großzieht und schlachtet, schlagen die Mehrkosten für den Transport natürlich umso deutlicher zu Buche. Schließlich muss jedes Mal extra ein Transporter und ein Kühlanhänger geliehen werden.

Doch was für Hans Kolb mindestens genauso entscheidend ist wie der Kostenfaktor, ist die Sorge um sein Federvieh: "Die Hühner müssen über Stunden in den Transporter eingezwängt werden. Das geht mit meiner Philosophie überhaupt nicht zusammen."

Denn die Hühner im Hause Kolb hatten bis zum Transport ein gutes Leben, so, wie man es sich aus dem Bilderbuch vorstellt: Sie haben viel Platz, bekommen gutes Futter und werden von der ganzen Familie versorgt und betreut.

Hohe Standards

Hans Kolb ist im Bioland-Verband und hat an seine eigene Tierhaltung hohe Standards gesetzt, zum Teil deutlich höhere, als er müsste. Doch damit könnte bald Schluss sein. "Wir verkaufen die Hühner derzeit zu zehn Euro das Kilo. Qualität hat einfach ihren Preis, aber wenn die Kosten noch weiter steigen, dann weiß ich nicht, bis wann sich das überhaupt noch lohnt."

Die jetzige Regelung ist eigentlich nicht neu, doch bisher haben die Kolbs ein Schlupfloch in der Gesetzgebung genommen. Das besagt, so bestätigte das Landratsamt auf Nachfrage der Bayerischen Rundschau, dass eine Ausnahmeregelung von der EU-Schlachtung unter bestimmten Voraussetzungen gegeben ist, nämlich bei der "direkte(n) Abgabe kleiner Mengen von Fleisch von Geflügel, das im eigenem landwirtschaftlichen Betrieb geschlachtet worden ist". Will heißen: Wer zu Hause einen Schlachtraum einrichtet, darf kleine Mengen (bis 10.000 Hühner!) auch direkt an den Endverbraucher verkaufen.

Bisher war es möglich, den externen Schlachter für eine beschränkte Zeit als Subunternehmer anzustellen und somit den Schlachtbetrieb als "im eigenen Betrieb" zu kennzeichnen. Das ist nach Insiderkreisen zwar gängige Praxis bei Kleinstbetrieben, nach Stellungnahme des Landratsamts Bayreuth aber verboten.

Bald in Kulmbach?

Eine verzwickte Situation für Hans Kolb und seine Kollegen. Diesmal ist er nach Amberg-Sulzbach gefahren, um seine Hühner schlachten zu lassen, die nächsten sind in einigen Wochen soweit. Doch ob er sich danach noch einmal Tiere für den Verkauf zulegt, weiß er noch nicht. Die Lösung liegt in einem EU-zertifizierten Schlachthof in der Region, zum Beispiel in Kulmbach. Gespräche dazu sollen bereits laufen. Für Kolb und viele seiner Kollegen und vor allem für viele Verbraucher, die Wert auf gesunde Lebensmittel und Fleisch aus artgerechter Haltung legen, wäre das ein Segen.