Vor einem halben Jahrhundert ist in Kulmbach die Fachoberschule und Berufsoberschule (Fos/Bos) entstanden: im Keller des Beruflichen Schulzentrums, mit rudimentärer Ausstattung, ohne eigenes Gebäude, ohne Lehrer und ohne Schulbücher. Nicht einmal ein eigenes Telefon gab es. Heute hat die etablierte Einrichtung 400 Schüler in 20 Klassen.

Als das Schuljahr 1970 begann, war dies eine kleine Revolution im Schulwesen. Denn an vier Standorten in Oberfranken machten im September 1970 Fachoberschulen und Berufsoberschulen auf: in Bayreuth, Bamberg, Coburg und Hof. Kulmbach war nicht dabei. Dies wollte der CSU-Landtagsabgeordnete und spätere Landrat Herbert Hofmann nicht auf sich sitzen lassen und machte sich für einen fünften Standort stark: in seiner Heimatstadt. Mit einem Jahr Verspätung, im September 1971, konnten die ersten Schüler in Kulmbach diesen Weg zum Fachabitur und Abitur gehen.

Schlagzeilen in der Bayerischen Rundschau

Der Untersteinacher Lehrer Hermann Angermann (83) erinnert sich noch an jedes Detail, denn er war von Anfang an dabei. Die Voraussetzungen, unter denen die Fos an den Start ging, scheinen heute undenkbar. Denn die Schule hatte kein eigenes Gebäude, keine Lehrer und keine Schulbücher. Mit seinen unverblümten Aussagen in der Presse sorgte Gründungs-Schulleiter Hans Georg Raschpichler für Schlagzeilen in der Bayerischen Rundschau. Aber: Er bekam nach seiner öffentlichen Schelte dann tatsächlich 10.000 Mark für Lehr- und Lernmittel, damals war das viel Geld.

Raschpichler musste mit notdürftigster Ausstattung zurechtkommen. "Wir haben eine Schnur vom oberen Büro in der Berufsschule am Gebäude bis an unser Kellerfenster herunterhängen lassen. Und immer, wenn oben ein Anruf für die Fachoberschule kam, hat die Sekretärin gebimmelt. Bis wir oben ankamen, war das Gespräch oft schon weg", hatte der inzwischen schon verstorbene Gründungsschulleiter einmal erzählt.

Inge und das Klassenbuch

Den Siegeszug der Fos/Bos konnten diese Anfangsschwierigkeiten nicht aufhalten. "Ich habe von Anfang an gesagt, das wird was. Und die Schüler kamen", erinnert sich Angermann. Besonders stolz ist er auf ein Detail: Die Fos ist die Kulmbacher Schule, die die meisten Oberbürgermeister der Stadt hervorgebracht hat. Sowohl der heutige Bezirkstagspräsident Henry Schramm (CSU) als auch die Landtagsabgeordnete Inge Aures (SPD), beides ehemalige Kulmbacher Oberbürgermeister, besuchten die Fos. "Ich erinnere mich noch genau daran, dass die Inge das Klassenbuch geführt hat", so Angermann. Und auch Henry Schramm kennt er noch als Schüler. "Was uns an der Fos ausgezeichnet hat, war ein ausgezeichnetes Verhältnis zu den Schülern", sagt Angermann.

Eine Epoche später unterrichtete Folker Schmidt (68) an der Fos/Bos. Damals reiften die Pläne, dass die Schule ein eigenes Gebäude braucht, denn bislang wurde in den "Pavillons", manchmal auch Baracken genannt, unterrichtet. 1990 ging Raschpichler in den Ruhestand, Rudolf Stosch übernahm die Leitung. Es dauerte bis 1997, bis die Neubau-Planungen Realität wurden. Das Architekturbüro Elke Müller gewann den Architektenwettbewerb und verwirklichte den heutigen Bau mit einer Gesamtnutzfläche von 1473 Quadratmetern. Kostenpunkt: 8,594 Millionen Mark.

Große Freude auf's Wiedersehen

Bis heute kann sich Karl-Konrad Oehrlein (68) von "seiner" Fos/Bos nicht loseisen. "Ich bin immer noch Lehrer und unterrichte mit fünf Stunden Deutsch, Geschichte und Sozialkunde", sagt er. Inzwischen hat sich an der Schule viel verändert. Die Digitalisierung ist vorangeschritten, die Schule mit modernster Technik ausgestattet. Und: es gibt jetzt auch weibliche Lehrkräfte. Die altgedienten Lehrer freuen sich gemeinsam mit stellvertretendem Schulleiter Bertram Unger schon auf die Jubiläumsfeier. Denn bei dieser Gelegenheit soll es ein Wiedersehen mit den alten Schülern geben. Für das Jubiläum lassen die Lehrer die alte Band "Fossils" wieder auferstehen, sie proben schon fleißig.

Jetzt für's Fest anmelden

Die große Festveranstaltung zum Fos/Bos-Jubiläum findet am 9. Juli statt. Im Mittelpunkt stehen ein großes Come-Together aller Ehemaligen, eine Podiumsdiskussion mit den bekanntesten Absolventen sowie Workshops. Alle Ehemaligen können sich ab sofort auf der Alumni-Plattform registrieren (https://alumni-bsz-kulmbach.de/) und Karten für das Fest sichern.