Theater muss die Menschen im Innersten berühren. Es muss unterhaltsam sein, aber auch inhaltliche Tiefe bieten. Mit dieser Philosophie hat es Wolfgang Krebs weit gebracht. Der in Frankfurt am Main geborene Schauspieler und Regisseur hat 2012 das Thurnauer Schlosstheater gegründet, an dem er als Intendant, Schauspieler und Regisseur arbeitet und das vom Start weg großen Erfolg hatte. Die Bayerische Rundschau hat mit dem 56-Jährigen über die Leidenschaft für die Bühne und bevorstehende Projekte gesprochen - und darüber, wie man Menschen fürs Theater begeistert.

Wie kommt es, dass ein Frankfurter Schauspieler im Kulmbacher Land Fuß gefasst hat?
Wolfgang Krebs: Ich war nach meiner Ausbildung in Frankfurt und Paris viele Jahre mit verschiedensten Projekten und Engagements in Deutschland und Europa unterwegs, war künstlerischer Leiter des Schauspielstudios
München und habe die Schauspielschule Regensburg mitgegründet und geleitet. Über eine Regiearbeit kam ich zur Landesbühne Oberfranken und hatte hier verschiedene weitere Theaterprojekte. Wenn man 25 Jahre Tournee gemacht hat, dann reicht's irgendwann. In Thurnau habe ich einen tollen Platz für ein Theater gefunden. Das kann man nicht planen, das hat sich einfach so ergeben. Dazu kommt, dass ich eine wunderbare Frau kennengelernt und geheiratet habe. Da möchte ich jetzt nicht mehr weg.

Das Schlosstheater hatte von Anfang an großen Erfolg. Das ist nicht selbstverständlich ...
Es gibt glücklicherweise ein recht großes Publikum, das anspruchsvolles, auch intellektuelles, Theater liebt. Wir waren selbst positiv überrascht, dass unsere Vorstellungen so gut besucht sind und die Kreise sich immer mehr weiten. Es kommen inzwischen Zuschauer aus ganz Franken und der Oberpfalz, sie fahren eine Stunde und mehr mit dem Auto, um uns zu sehen. Das ist natürlich großartig.

Von nichts kommt nichts. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Die Leute schätzen es, dass da Profis auf der Bühne stehen und Regie führen, es aber trotzdem Theater zum Anfassen ist, nahbar, nicht so riesig. Die Zuschauer haben das Gefühl, Teil unserer Theaterfamilie zu sein. Wichtig ist in jedem Fall, einen eigenen Stil zu entwickeln, eine klare Linie zu verfolgen, Qualität zu bieten. Dann kommen die Zuschauer automatisch. Dazu kommt natürlich noch, dass Thurnau sehr schön ist und sich zu einem richtigen Künstlerort entwickelt hat. Dass passt gut.

Gibt es einen festen Stamm an Akteuren?
Ja, aber es kommen auch immer wieder neue dazu. In der Regel sind es freischaffende Schauspieler, die eigene Produktionen machen oder an anderen Theatern arbeiten.

Schauspieler oder Regisseur - welche Rolle ist Ihnen lieber?
Das kommt auf die Produktion an. Es gibt Produktionen, bei denen bin ich sehr gerne Regisseur, wie zuletzt bei "Oskar und die Dame in Rosa". Das war eine sehr schöne, sensible und wunderbare Arbeit als Regisseur. Aber ich spiele auch sehr gerne das eine oder andere Stück.

Was macht den Reiz aus, beides tun zu können?
Das ist ein bisschen wie beim Fußball: Es gibt viele Spieler, die werden irgendwann Trainer, weil sie wissen, wie's geht. Und die besseren Trainer sind die, die früher selbst Fußballer waren. Beim Schauspiel ist das ganz ähnlich.

Haben Sie eine Lieblingsrolle oder ein Lieblingsstück?
Nein. Jede Rolle ist eine Lieblingsrolle, und jedes Stück ist ein Lieblingsstück. Sonst hätte ich es ja nicht ausgesucht.

Wie muss ein Projekt sein, damit Sie es spannend finden und sagen: Das will ich machen?
Ich muss das Stück lesen, und es muss mich auf den ersten zehn Seiten fesseln. Sonst ist es nichts für mich. Aber nicht nur das Stück selbst, sondern auch das Thema muss mich begeistern: Was will ich mit diesem Stück aussagen? Warum spiele ich es in der heutigen Zeit? Es ist das Wichtigste, dass man neben dem Unterhaltenden auch etwas Kritisches bieten kann. Schließlich ist das der Grund, warum die Leute ins Theater gehen. Es geht um die Auseinandersetzung mit Themen, die uns betreffen.

Ein bisschen lachen ist aber auch wichtig im Theater ...
Lachen öffnet die Seele. Wenn ich die Zuschauer durchs Lachen öffne, dann kann ich ihnen auch Wahrheiten erzählen. Eines der großen Vorbilder jedes Schauspielers ist Charlie Chaplin, der es meisterhaft verstanden hat, die Leute zum Lachen zu bringen und ihnen gleichzeitig Themen serviert hat, die in die Magengrube gehen. Das ist die große Kunst, denn in jeder Komödie steckt auch eine Tragödie. Sonst ist es zu flach, zu banal.

Sie sind enorm vielseitig - inhaltlich wie auch in der Art der Projekte: Kinderworkshops, Solostücke, szenische Lesungen, Lyrisches, Komödiantisches, Gesellschaftskritisches, Musikalisches, Krimis, Projekte mit Musikern, Regie an der Naturbühne, das eigene Schlosstheater ... Muss man als Künstler so vielfältig arbeiten, um sich behaupten zu können?
Man muss nicht, aber das ist einfach die Kreativität, die in mir sprudelt. Ich mache gerne ganz verschiedene Sachen. Zum Beispiel machen wir mit dem literarisch-musikalischen Trio jetzt schon die vierte Produktion, einen Wilhelm-Busch-Abend. Das ist etwas, das die Zuschauer mögen. Wir wollen das fortsetzen und uns jedes Jahr einen neuen Humoristen aussuchen.

Wenn es sich anbietet, arbeiten Sie auch mal mit Amateuren aus der Region zusammen.
Ab und zu sehr gerne, wenn es sich anbietet, vor allem bei größeren Produktionen. Wie haben das zum Beispiel bei "Romeo und Julia" gemacht, um die Bevölkerung mit einzubeziehen. Das hat auch gut funktioniert.

2017 haben Sie Ihr 30. Bühnenjubiläum. Wie wird das gefeiert?
Ich werde aus diesem Anlass ein Stück spielen zu einem Thema, das ich schon lange im Kopf habe. Es heißt "Was Don Quijote gerne verschwieg" und erzählt die Geschichte Don Quijotes aus der Sicht des Sancho Panza. Es wird ein Ein-Mann-Stück, begleitet von spanischer Musik. Premiere ist am 14. Januar.

Was steht demnächst sonst noch auf dem Programm?
Unsere neue Produktion ist "Venedig im Schnee", wieder eine französische Komödie. Das ist mein Geschmack, und es trifft auch den Geschmack des Publikums. Auch der französische Film ist ja zur Zeit sehr beliebt.

Was mögen Sie an den französischen Stücken?
Sie bieten viel Inhalt, Wortwitz, viel Stoff, mit dem man arbeiten kann und mit dem sich die Zuschauer auseinandersetzen können. So wie bei unserem Festspiel-Stück "Der Vorname". Viele sagen: "Das ist ja wie im richtigen Leben."

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Schlosstheaters?
Dass wir weiter produzieren, weiter Stücke spielen und weiter ein Publikum haben. Und in baldiger Zukunft eine eigene feste Spielstätte. Wir haben zwar schöne Räume: Wir können das Torwärterhaus nutzen und hatten dieses Jahr den Ahnensaal als Schlechtwetter-Alternative bei den Schlossfestspielen zur Verfügung. Aber im Torwärterhaus müssen wir immer alles wieder wegräumen, da wir dem Raum nicht allein nutzen, und ein fester Probenraum fehlt momentan auch. Aber da sind wir dran - mit Hochdruck. Wir brauchen da nur ein bisschen Geduld.

Es gibt ja auch einen Förderverein. Wie wichtig ist der für den Erfolg?
Wir sind dadurch gemeinnützig, können Sponsorengelder bekommen und Fördergelder beantragen. Der Verein hilft bei Produktionen, unterstützt tatkräftig die Schlossfestspiele. Die Leute helfen beim Auf- und Abbau, beim Ausschank, bereiten die Schnittchen vor. Das sind meine Engel. Ohne den Förderverein würden sich die Schlossfestspiele gar nicht stemmen lassen. Die Helfer leisten ehrenamtlich tolle Arbeit.