Dass eine Ortsumgehung für Stadtsteinach gebaut werden soll, ist beschlossene Sache. Doch wann sie kommen wird, das kann noch niemand genau sagen. In fünf Jahren? Oder erst in zehn? Oder noch später? So lange sollten die Bürger sich nicht mit Lärm und gefährlichen Situationen abfinden müssen, meinten die Bürgerinitiative Pro Stadtsteinach und der Bund Naturschutz und stellten Mitte November einen von Knud Espig unterschriebenen Antrag an den Stadtsteinacher Stadtrat, sich für Sofortmaßnahmen stark zu machen.

Espig, auch Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat, wollte, dass das Gremium sich folgende Forderungen für die Ortsdurchfahrt zu eigen macht, und hatte dafür sogar eine namentliche Abstimmung verlangt: Tempo 30, Flüsterasphalt, Durchfahrtsverbote für Transit-Lkw, eine Maut für die B 303 und eine Beschilderung von Gefahrenstellen standen auf der Liste.
Seine Ratskollegen aller Fraktionen sowie auch Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD) stuften diese Wunschliste als nicht realisierbar ein und lehnten nach heftiger Debatte ab.

Statt dessen einigte man sich auf Vorschlag von Andy Sesselmann von den Freien Wählern darauf, einen Vertreter des Staatlichen Bauamts einzuladen und im Gespräch auszuloten, was die Behörde für machbar hält und was nicht. Am Donnerstag trafen sich Vertreter der Fraktionen, Bürgermeister Wolfrum und Bauoberrat Siegfried Beck vom Staatlichen Bauamt Bayreuth im Rathaus.

Viel Neues oder gar eine Lösung der prekären Verkehrssituation ergab dieses Gespräch allerdings nicht. Bürgermeister Wolfrum hatte nichts anderes erwartet: "Herr Beck hat eindeutig dargelegt, dass die von Pro Stadtsteinach genannten Vorschläge rechtlich nicht umsetzbar sind." Den Stadtsteinachern bleibe nichts anderes übrig, als auf den Bau der Umgehung zu warten. Wann das sein wird, sei noch nicht abzusehen. Da müsse man den weiteren Verlauf des Verfahrens abwarten.


"Erst mal sachkundig machen"

Mehr ins Detail geht Klaus Witzgall (CSU) auf Nachfrage der BR. Er hatte schon in der Stadtratssitzung die Forderungen von Pro Stadtsteinach scharf kritisiert und als völlig unrealistisch bezeichnet. Das Gespräch mit Siegfried Beck habe seine Einschätzung bestätigt. "Die Bemautung von Bundesstraßen ist Sache des Bundesgesetzgebers. Da kann es keine Extra-Regelung für Stadtsteinach geben." Deutlich geworden sei auch, dass man den so genannten Transitverkehr nicht aus dem Ort verbannen könne, so Witzgall. "Eine Bundesstraße dient nun einmal der überörtlichen Erschließung." Für Tempo 30 gebe es ebenfalls keine Grundlage. "Auch wenn's eng zugeht: Es sind Gehsteige vorhanden, die Fahrbahn ist ausreichend breit und nicht kaputt."

Bauoberrat Beck legte dem Gremium dar, dass das Bauamt bei verkehrsregelnden Maßnahmen ohnehin der falsche Ansprechpartner ist. Hier sei das Landratsamt zuständig, das dann wiederum Polizei und Straßenbaulastträger einbeziehen müsste. Man werde diesen Weg aber angesichts der Sach lage sicher nicht gehen, meint Witzgall. Er ärgert sich über die Forderungen von Pro Stadtsteinach: "Man sollte sich erst mal sachkundig machen, bevor man den Stadtrat mit einem solchen Antrag befasst."

Die Stadtsteinacher Verkehrsprobleme lösen könne nur die Umgehung. "Wir können nur eins tun: uns dafür einsetzen, dass der Bereich Stadtsteinach so schnell wie möglich gemacht wird." Auf die geplante Gesamtlösung Stadtsteinach-Zaubach werde man wohl zehn bis 15 Jahre warten müssen. "Schneller könnte es gehen, wenn man Zaubach in der Planung abtrennt. Nur dort sind Widerstände zu erwarten, und die größeren Probleme haben wir schließlich im Ortskern von Stadtsteinach."


"Das hätten wir längst gemacht"

Auch für Andy Sesselmann hat das Gespräch die Notwendigkeit der Umgehung nochmals bestätigt. Die Forderungen, die der Debatte zugrunde lagen, sieht er sehr kritisch: "Die von Pro Stadtsteinach vertretenen Ideen dürfte ein erwachsener Mensch nicht haben. Wenn Erleichterungen möglich wären, hätten wir das doch längst gemacht."

Knud Espig bedauert, dass die Vorschläge als unrealistisch eingestuft wurden. Pro Stadtsteinach wolle etwas für die Bürger tun und kreative Ansätze entwickeln, wie Probleme gelöst werden könnten. Von der Idee, den Schwerlastverkehr umzuleiten, will er sich noch nicht endgültig verabschieden: "Es gab vor etwa zwei Jahren einmal eine Erhebung, wer durch Stadtsteinach fährt, wo die Leute herkommen und wo sie hinwollen." Die Ergebnisse sollten noch einmal überprüft werden, um festzustellen, wie hoch der Anteil durchfahrender Lkw ist. Ändern werde dies an den Tatsachen aber wohl nichts.


Eine gute Nachricht zum Schluss

Trotzdem gibt es am Ende eine gute Nachricht, die den Anliegern zumindest eine kleine Verbesserung in Sachen Lärmschutz verspricht: Das Bauamt hat im Herbst die Asphaltdecke vom Heimatmuseum bis zur Einmündung Wehrstraße erneuert. Schon 2015 soll auch eine Oberflächensanierung von der Ortsmitte in Richtung Ampelanlage beginnen. "Das bringt uns einen Schritt weiter", freut sich Knud Espig: "Wir sind dankbar für jede kleine Verbesserung."