An der Straße in einem winzigen Ort im Landkreis steht ein Schrank. Ein offener Schrank, eine schöne, solide Handwerksarbeit. Die Einlegeböden fehlen. An der Rückwand hängt ein Zettel: "zum mitnehmen". 24 Stunden später ist der Schrank verschwunden.

So kann das Recycling gebrauchter Möbel funktionieren. Der Normalfall freilich ist das nicht. In manchen Orten landen ausgediente Möbelstücke in einem Gebrauchtwaren-Laden. Im Raum Kulmbach landen sie leider viel zu oft auf dem Sperrmüll.

Das war einmal anders. Da gab es in Kulmbach die Integra, ein Unternehmen, das Gebrauchtwaren unterschiedlichster Art, vor allem aber Möbel, die nicht mehr benötigt wurden, sammelte, bei Bedarf aufarbeitete und zu günstigen Preisen zum Verkauf anbot. Mittlerweile ist die Integra Geschichte: Im September 2017 schloss die Einrichtung.

Ein Konzept für ein Nachfolgeprojekt gibt es wohl. Allein die Umsetzung ist bisher gescheitert. Obwohl sich immer mehr Menschen dringend eine solche Einrichtung wünschen: Das Bewusstsein für nachhaltiges Handeln wächst in der Bevölkerung.

In Kulmbacher Nachbarorten gibt es vielerlei Initiativen, die auf verwerten statt wegwerfen setzen. In Bayreuth beispielsweise hat sich vor einigen Jahren das "Kaufhaus Regenbogen" etabliert, in dem Möbel aufbereitet und verkauft werden. Schöner Nebeneffekt des Projekts: Arbeitslose, Schwerbehinderte und sozial benachteiligte Menschen erhalten hier die Chance, wieder im Arbeitsleben Fuß zu fassen.

In eine ähnliche Richtung gehen zwei sogenannte Umsonst-Läden: Der in Coburg hat bereits geöffnet, der in Bayreuth steht kurz vor der Eröffnung. Träger sind in beiden Fällen die örtlichen Transition-Bewegungen. Das Prinzip: Kleidung oder Gebrauchtwaren, die nicht mehr benötigt werden, können dort abgegeben werden. Im Gegenzug darf sich jedermann dort für den persönlichen Bedarf bedienen.

Konzept liegt vor

Die Bayerische Rundschau hatte im September letzten Jahres das Thema Gebrauchtwarenmarkt aufgegriffen. Damals berichteten wir, dass es zwar ein Konzept für eine Integra-Nachfolge gibt, das vom Kreisverband des Roten Kreuzes und vom Diakonieverbund Kulmbach erarbeitet worden ist. Die Umsetzung, so erfuhren wir, scheitere aber vor allem daran, dass es keine geeigneten Räume gebe.

In der Bürgerversammlung der Stadt Kulmbach Ende Oktober kam das Thema dann erneut zur Sprache. Eine Kulmbacherin wies darauf hin, dass so ein Markt für Kulmbach dringend nötig sei. Oberbürgermeister Henry Schramm sagte damals zu, das Gespräch mit dem Landkreis in dieser Angelegenheit zu suchen.

Das sei mittlerweile geschehen, wie Simon Ries, Sprecher der Stadt Kulmbach, mitteilt. Darüber hinaus habe es auch noch einmal Gespräche mit dem Bayerischen Roten Kreuz gegeben. "Die Gebäudesuche läuft intensiv und wird von uns durch die Wirtschaftsförderung unterstützt - leider ist wohl bislang nicht das Passende dabei gewesen", so Ries. "Wir von der Stadt würden eine solche Einrichtung jedenfalls ausdrücklich begrüßen."

Geförderte Arbeitsplätze

Ähnlich äußert sich Detlef Zenk, Fachbereichsleiter im Sachgebiet Abfallwirtschaft am Landratsamt Kulmbach. "Wir haben ein großes Interesse daran, dass so etwas aufgebaut wird." Das zentrale Problem sei die Suche nach einer geeigneten Immobilie. "Sobald etwas entsprechendes gefunden ist, können wir besprechen, wie wir das aufziehen."

Dass die Finanzierung eine ganz wesentliche Rolle spielt, machen sowohl Diakonie-Geschäftsführer Karl-Heinz Kuch, als auch Jürgen Dippold, Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes, deutlich. Was Dippold zufolge bei einem solchen Projekt wichtig ist: "Wir wollend den Beschäftigten in einem solchen Projekt Tariflöhne zahlen."

In einem neuen Projekt soll es - wie schon bei der Integra - ebenfalls geförderte Arbeitsplätze geben, so dass hier Menschen, die sich auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt schwer tun, wieder in den Arbeitsprozess eingegliedert werden können.

Auch Dippold bezeichnet aber als das aktuell größte Problem die Suche nach einer geeigneten Verkaufshalle (siehe auch Infobox). Die Wirtschaftsförderung der Stadt Kulmbach habe bereits einige Immobilien angeboten. Bislang sei aber nichts Geeignetes dabei gewesen. "Der Markt ist überschaubar."

Dennoch: Dippold ist zuversichtlich. Was die Suche nach einem Verkaufsraum betrifft. Und auch, was die Nachfrage nach einem Gebrauchtwarenmarkt angeht: "Die Frequenz in unserem Sozialladen in der Fischergasse in Kulmbach ist gut. Immer mehr Menschen kaufen nachhaltig - da läuft so ein Gebrauchtwarenmarkt sicher auch."

Halle gesucht

Anforderungen Eine Halle für einen Gebrauchtwarenmarkt sollte ungefähr 400 Quadratmeter Verkaufsfläche bieten. Zusätzlich wären 200 Quadratmeter Lagerfläche sowie Flächen für Büro, WC und Nebenräume nötig. Die Halle sollte ebenerdig zugänglich sein und von Lastwagen beziehungsweise von Fahrzeugen mit Hänger anzufahren sein. Außerdem werden Parkplätze benötigt. Die Initiatoren wünschen sich zudem eine zentrale Lage, eventuell sogar mit Stadtbus-Anbindung.

Informationen Wer eine solche Halle zur Verfügung stellen könnte, kann mit dem Kreisverband Kulmbach des Roten Kreuzes, Telefon 09221/97450, Mail info@brk-kulmbach.de, Kontakt aufnehmen.