"Eintönig klingt hell das Glöckchen", schallt es am Samstagabend im mächtigen Falsettgesang durch die Pfarrkirche St. Maria, St. Petrus und Paulus. Mit seiner Stimme durchflutet Jaroslaw Melnik das altehrwürdige Gotteshaus bis in seine letzten Winkel, begleitet von einem atmosphärischen Summen, für das die Frauen und Männer des Gesangvereins Danndorf sorgen.

Die 250 begeisterten Besucher in der ausverkauften Kirche erleben eine russisch-fränkische Verbrüderung, in der sich Herzlichkeit, Respekt und Weltoffenheit widerspiegeln. Im Duett intonieren die beiden Singgemeinschaften den Klassiker "Ich bete an die Macht der Liebe" und liegen auch hier auf einer Wellenlänge.

Vor lauter Freude umarmen sich die beiden Chorleiter Wladimir Koslowskiy und Anja Richter.
Als dann auch noch bei dem Wiegenlied "Guten Abend, gut Nacht" das Publikum voller Inbrunst mit einstimmt, scherzt Koslowskiy: "In diesem Gotteshaus befinden sich fünf Chöre."

Eine regionale Singgemeinschaft, die mit einem überregional bekannten Ensemble gemeinsam singt, das erlebt man nicht alle Tage. Wie es dazu gekommen war, das reißt Vorsitzende Elke Sanders in ihrer Begrüßung kurz und im Gespräch mit dieser Zeitung ausführlich an.

Rückblende: Es kommt nicht alle Tag vor, dass man Post von einem weltberühmten Chor erhält. Noch dazu von einem, in dem einst Ivan Rebroff mit seiner mächtigen, vier Oktaven umfassenden Stimme sang. Das widerfuhr Sanders. "Als ich den Vertrag unterschrieben hatte, dachte ich mir: "Oh Gott, auf was haben wir uns da eingelassen?"

Doch die Bedenken erwiesen sich als unbegründet. Chorleiterin Anja Richter, deren Naturell Sanders als dynamisch beschreibt, machte den Sänger und Sängerinnen Mut: "Jawoll, das schaffen wir." Und die Vorsitzende ergänzt: "Wir merkten, dass wir nur gewinnen können. Von Probe zu Probe wurden wir immer besser."

Das bevorstehende Konzert mit dem Kosakenchor wirkte sich zudem auf die Disziplin der Aktiven aus. Keiner wollte sich nachsagen lassen, er hätte nicht mitgezogen. "Die Proben waren immer gut besucht", erinnert sich Sanders mit Freude. Die Vorsitzende hebt zudem den Synergieeffekt hervor, der sich durch das gemeinsame Konzert für beide Seiten ergibt: "Durch unser Mitwirken sorgen wir dafür, dass mehr Besucher zum Konzert der Uralkosaken kommen. Zudem hoffen wir, neue Sänger für unseren Chor zu gewinnen. Bei den Männern haben wir mit einer leichten Überalterung zu kämpfen."

Was treibt die Uralkosaken an, immer wieder den Kontakt zu anderen Chören zu suchen? "Wir lieben das freundschaftliche und herzliche Miteinander, das sich dabei ergibt", sagt Koslowskiy. Für den Chor hat er nur lobende Worte übrig: "Eine zauberhafte Dirigentin, die ihr Fach versteht und eine ebenso tolle Sängerschar."
Das stellen die 27 Aktiven aus Danndorf und Umgebung, bei denen auch der Gärtenrother Pfarrer Raimund Pretzer mitsingt, an diesem Abend eindrucksvoll unter Beweis.

Karin Bär und ihre Tochter Alexandra sind mit ihrem glockenhellen Soprangesang das Sahnehäubchen auf die exzellent interpretierte Weise "Wenn ich ein Glöcklein wär", die Balsam für die Seele der Zuhörer ist. Kurt Nagel aus dem Mainleuser Ortsteil Ziegelhütte entlockt der Kirchenorgel majestätische Klänge.

Ebensolche erklingen auch aus den Kehlen der Uralkosaken. Der kehlige Obertongesang, den die Musiker bei einem Mönchsgebet aus dem 14. Jahrhundert anstimmen, versprüht einen Hauch von Mystik. Dieser zeugt nicht nur vom großen Klang- und Lungenvolumen der Sänger, sondern jagt den Zuhörern kalte Schauer über den Rücken. Als zum Abschluss das wohl bekannteste russische Volkslied "Kalinka" durch die Kirche hallt, singt jeder mit.