Wenn es im Kreuz sticht - wer denkt sich schon etwas dabei? Eine falsche Bewegung, ein eingeklemmter Nerv. Nichts, was zu größerer Sorge Anlass gibt, oder? Das glaubte Ralf Pettella auch. Beim Stadtsteinacher Maschinenbautechniker zwickt es im Dezember 2018 zum ersten Mal, er bekommt Rückenschmerzen. Ungewohnt, das kannte er so nicht. Weil er zu diesem Zeitpunkt in den Niederlanden beschäftigt ist, geht er dort zum Arzt. Der verschreibt Medikamente und gibt Spritzen. "Es war alles wieder gut - leider nur für drei Monate", sagt Ralf Petella. Dann kommt der Schmerz unheimlich stark zurück - und plötzlich kann er nicht mehr laufen.

Von diesem Zeitpunkt an ist er unfähig zu arbeiten und steht quasi über Nacht ohne Einkünfte da. "Meine Frau, eine Jordanierin, meine achtjährige Tochter und ich, wir mussten ab da unser Leben von den Ersparnissen bestreiten." Fast acht Jahre lebte er im Heimatland seiner Ehefrau. 2020 kam er zurück nach Deutschland und ließ sich in Stadtsteinach nieder. Zuvor war er beruflich in der ganzen Welt unterwegs: Niederlande, Ägypten, Dubai, China, Pakistan, Großbritannien, Indonesien und Malaysia.

Die Odyssee beginnt

Krankheitsbedingt beginnt für den heute 58-Jährigen nun eine ganz andere Odyssee - mit einer ersten Hiobsbotschaft: Seine Schmerzen rühren von einem bösartigen Chordoma-Tumor an der Wirbelsäule. Die Wucherung hatte 2019 bereits beachtliche Größe erreicht und war nur schwer operabel. "Gott sei Dank wurde ich an die Uni-Klinik in Leiden verwiesen, wo ein Arzt auf diese Art von Tumor spezialisiert ist. Diese Krebsform ist überaus selten." In Zahlen ausgedrückt: Auf sieben Millionen Menschen weltweit kommt ein Fall.

Häufig ist der Tumor resistent gegen Chemo- und Strahlentherapie. Bei einer 16-stündigen Operation werden dem Stadtsteinacher im Juni 2019 drei Viertel der Wucherung entfernt - mehr geht nicht, denn sie sitzt genau da, wo sich der Spinalkanal in die einzelnen Nervenbahnen aufteilt. "Kein Arzt traut sich da ran, die Folge wäre mit großer Wahrscheinlichkeit eine Querschnittslähmung."

Ein kurzer Hoffnungsschimmer

Immerhin: Nach der ersten OP geht es dem 58-Jährigen den Umständen entsprechend gut, er kann sogar wieder kleinere Arbeiten verrichten. Wäre da nicht der vermaledeite Rest des Tumors, der wie eine Zeitbombe im Rücken tickt. Mittels Protonstrahlentherapie wird der Unruheherd bekämpft. Die Hoffnung währt wieder nur kurz. "Die Schmerzen wurden erneut stärker, und nach einer Untersuchung in der Uniklinik Erlangen musste ich eine Druckentlastung an der heiklen Stelle vornehmen lassen", berichtet Ralf Pettella konsterniert.

Es folgen weitere Eingriffe - in kurzer Folge - im Oktober 2020 sowie im März, Juni und August dieses Jahres. "Als ich danach wieder in Erlangen vorstellig wurde, sagte man mir, das Ende der Fahnenstange ist erreicht, sie können nicht mehr operieren, da die letzte Wunde schon nicht mehr vollkommen verheilt ist." Unterdessen hat sich der Krebs so aggressiv in die Nervenbahn gefressen, dass Ralf Pettella dauerhaft im Rollstuhl sitzen muss.

Nun zeichnet sich immerhin ein Lichtstrahl am Horizont ab: Der 58-Jährige erfuhr von einer neuen Studie in Heidelberg am dortigen Nationalen Zentrum für Tumorerkrankungen (NCT). "Die zuständigen Ärzte sagten mir sofort zu, dass ich an der Studie teilnehmen kann, wenn meine Proben dafür passend sind. Aufgrund der Seltenheit meines Tumors würden sie mich gerne in die übergreifende Masterstudie aufnehmen, aber dafür bräuchten sie frisches Tumormaterial, das nicht älter als ein oder zwei Tage sein darf." Seither hat er sich mehrfach in Heidelberg aufgehalten, der erste Behandlungszyklus ist gestartet, heute steht der nächste Termin an. Es besteht Hoffnung auf Besserung. Mal wieder. "Die Medikamente schlagen an."

Als Gutverdiener abgestürzt auf Hartz IV

Er könnte sich nun ganz auf seine Genesung konzentrieren - wären da nicht die übrigen ungeklärten Lebensumstände. Zurück in Deutschland, musste der Stadtsteinacher ALG II beantragen (in den Niederlanden hatte er zwischen März und Juni 2019 immerhin Sozialhilfe erhalten). "Wir sind mittlerweile auf Hartz-IV-Niveau angekommen", sagt er. Seine Frau pflegt ihn, ebenso seine Schwester. "Beide bekommen keinen Cent dafür, denn ich habe keinen Pflegegrad." Deswegen liegt er mit seiner Krankenversicherung, der DAK, im Clinch. "Die spielt nicht mit, aber die Pflegeeinstufung brauche ich unbedingt, nicht zuletzt, um meine Fahrtkosten und Aufwendungen erstattet zu bekommen. Bis heute aber war noch kein Arzt der DAK hier, um sich ein Bild von meinem Zustand zu machen."

Es fehlen ihm Monate

Die DAK hält dagegen: Ralf Pettella habe nicht genug in die Pflegekasse einbezahlt (siehe rechts). Der Knackpunkt ist eine Regelung, wonach er in den vergangenen zehn Jahren mindestens zwei Jahre pflegeversichert gewesen sein muss - doch ihm fehlen da einige Monate. Genauer gesagt: knapp 250 Tage.

Den Stadtsteinacher macht das wütend. "Es interessiert niemanden, dass ich im Rollstuhl sitze und vom Bauchnabel an abwärts nichts spüre. Aber für die Krankenkasse liegt kein Grund für einen Pflegegrad vor, sie beharrt auf diesen zwei Jahren."

Viele Jahre einbezahlt

Der 58-Jährige macht seinerseits die Gegenrechnung auf: Er hat von 1978 bis 2011 für dieses Land gearbeitet, 33 Jahre lang. "Ich habe diesem Land außerdem zwölf Jahre als Zeitsoldat gedient. Das alles zählt aber plötzlich nichts mehr. Warum und wofür habe ich dann bitteschön Sozialabgaben bezahlt? Gut, man kann mir vorwerfen, dass ich von 2012 bis 2019 mit meiner Frau in Jordanien gelebt und in dieser Zeit nichts in die Sozialsysteme eingezahlt habe. Aber das löscht alles andere einfach aus?"

Eigentlich hatte Ralf Pettella vorgehabt, einen Auftrag in Italien anzunehmen, noch ein paar Jahre zu arbeiten und sich dann mit seiner Frau in deren Heimat zur Ruhe zu setzen. Die Krankheit machte der Familie einen Strich durch die Lebensplanung. "Dafür kann niemand was. Aber dass ich jetzt mittellos bin, weil ich durch ein System falle, das ich sehr lange mitfinanziert habe, das verstehe ich beim besten Willen nicht."

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