Zu einer Protestaktion kam es vor der Gemeinderatssitzung in Mainleus. Die zur Beschlussfassung anstehende Ausstattung der Klassenzimmer an der Grund- und Mittelschule mit WLAN hatte die Bürgerinitiative "Weniger Funk - glücklich und gesund" auf den Plan gerufen. Mit Plakaten, die Aufschriften wie "Digitalisierung ja - Krebsrisiko nein!" oder "LAN-Kabel in Schulen - Schützt unsere Kinder!" trugen, suchten die Funkgegner das Gespräch mit den Gemeinderäten.

Kabel verhindert Strahlung

In mehrseitigen Schreiben wiesen die Gegner auf Kopfwehwellen, Schlafstörungen und Burnout-Epidemien hin. Man wolle die Digitalisierung nicht aufhalten, doch die könne auch mit LAN-Anschlüssen vonstatten gehen. Wenn die einzelnen Gerät mit einem Kabel angebunden würden, könnte die umstrittene Strahlung vermieden werden. "Wir wollen kein WLAN in den Klassenzimmern", sagte Marco Oettinghaus. Oliver Friedrich befürchtete sogar, dass "die Konzerne" über die Technik Zugang zum Bildungssystem erhalten würden.

Konkret hatte die Grund- und Mittelschule 25 so genannte Access-Points für die Klassenzimmer beantragt. Diese verbessern die WLAN-Anbindung. Die Schüler können mit Tablets und Smartphones im Unterricht arbeiten. Die Anbindung erfolge über Kabel an das lokale Netz. Die Nutzung sei ausschließlich für Unterrichtszwecke gestattet, erklärte Bürgermeister Robert Bosch (CSU).

Schulleiterin Doris Hörath teilte auf Nachfrage mit, dass man der Gemeinde einen Ausstattungswunsch mitgeteilt habe. "Wir haben erläutert, was wir brauchen und wie wir uns das Arbeiten mit digitalen Medien vorstellen." Die Anschaffung der Access Points wird durch den "Digitalpakt Schule" gefördert.

"Wichtiger Schlüssel"

Ronny Thater, geschäftsleitender Beamter des Marktes Mainleus, betonte, dass die Gemeinde auf den Ausstattungswunsch der Schule reagiert habe. Aktuell stünden auch Leihgeräte für Schüler und 20 Lehrerdienstgeräte zur Verfügung. Thater sprach von einem "wichtigen Schlüssel zur Teilhabe an der digitalen Welt". Gerade Corona habe gezeigt, welche Chancen die Digitalisierung mit sich bringt, brach Robert Bosch eine Lanze für die Wünsche der Schule.

Erich Schiffelholz (ABL) regte an, zu prüfen, ob auch kabelgebundene Anschlüsse möglich seien. Markus Oppelt (FW) betonte, dass das Kultusministerium keine Anweisung formuliert habe, dass die Anbindung explizit über WLAN erfolgen müsse. "Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt, die Strahlung zu minimieren." Oppelt forderte, ein Ingenieurbüro klären zu lassen, ob auch eine kabelgebundene Lösung möglich wäre. "Was machen wir, wenn wir eines Tages feststellen, dass die Grenzwerte doch nicht ausgereicht haben?", fragte er.

"Wir hängen sowieso hinterher"

Auch Brigitte Lauterbach (ABL) zeigte sich skeptisch: "Die Verbindung mit Kabeln ist doch oft schneller und stabiler. Das ist kein Nachteil für eine Digitalisierung", sagte Lauterbach.

Detlef Weißmann (SPD) betonte, dass man eine Standortanalyse machen und darin die Strahlungsgrenzen genau regeln sollte. Christian Schneider (CSU) berief sich dagegen auf den aktuellen Stand der Wissenschaft. Steffen Hühnlein (CSU) brach eine Lanze für die Lehrer.

"Ich kenne viele Schulen, an denen WLAN schon läuft. Wir hängen sowieso hinterher. Ich kenne kein Tablet mit LAN-Anschluss und auch kein Smartphone. Die Pädagogik hat sich doch weiterentwickelt, man kann nicht zu jedem Schüler ein zwei Meter langes LAN-Kabel legen", sagte Hühnlein.

"Ständige latente Andeutungen, dass der Gemeinderat etwas entscheiden würde, was gesundheitlich problematisch wäre, weise ich zurück. Es gibt Grenzwerte, es gibt Erkenntnisse der Strahlenschutzkommission und es gibt wissenschaftliche Fakten. Auf die berufen wir uns", beendete Bürgermeister Bosch die Debatte. Am Ende stimmten vier Gemeinderäte gegen die Beschaffung der Accesss Points.

Der Ausstattungswunsch der Mainleuser Schule ist übrigens nicht ungewöhnlich. In vielen Kulmbacher Schulen sind solche Access Points schon vorhanden.

Neue Standesbeamtin

Sonja Kutnar wurde zur Standesbeamtin des Marktes Mainleus bestellt.

Michael Marx (SPD) wird künftig nicht mehr das Amt des Fraktionssprechers ausüben. Seine Nachfolgerin ist Andrea Pfadenhauer-Wagner. Stellvertretender Fraktionssprecher der SPD ist Jürgen Karg.

Kampf gegen Flächenverbrauch

Das Gremium fasste einen Selbstbindungsbeschluss zur vorrangigen Innenentwicklung der Gemeinde. Damit will man mithelfen, den Flächenverbrauch im Freistaat deutlich zu senken. Bürgermeister Robert Bosch betonte, dass attraktive Ortskerne auch die Lebensqualität heben, eine Zersiedelung solle vermieden werden solle. Konkrete Ideen und Projekte werden noch ausgearbeitet.

Andrea Pfadenhauer-Wagner wurde zur Kommandantin der Feuerwehr Wüstenbuchau-Bechtelsreuth gewählt, ihr Stellvertreter ist Peter Oppelt. Die Marktgemeinderäte erteilten hierzu ihr Einvernehmen.