Wenn es etwas gibt auf Gut Hummendorf, das jetzt schon perfekt ist, dann ist das der Blick nach Südosten: Unverbautes Grün im Tal der Unteren Steinach, am Horizont hinter mächtigen Bäumen der Turm der Pfarrkirche St. Oswald. Ein Idyll!

Wer sich umdreht, findet sich in einer alles andere als idyllischen Szenerie wieder: zwei alte Gebäude, einst herrschaftlich-großzügig, nun heruntergekommen. Die Wände brüchig, das Dachgebälk morsch, die Fenster vermauert, die Wände feucht. Der endgültige Verfall von Gut Hummendorf scheint kaum mehr aufzuhalten.

Charlotte und Janosch Asen wollen es dennoch probieren. Trotz der noch unübersehbaren Fülle notwendiger Sanierungsarbeiten, trotz der kaum kalkulierbaren Kosten, trotz der Ungewissheit, ob ihr Projekt einst erfolgreich sein wird.

Charlotte und Janosch Asen sind Optimisten. Erst vor wenigen Wochen haben sie der Familie der Freiherrn zu Guttenberg die Gebäude samt einem Hektar Land abgekauft, die - darauf lässt der Zustand schließen - wohl lange keiner haben wollte. "Wir wollen ein Kulturzentrum einrichten, einen Raum für Veranstaltungen, Kunst und Kultur, ein Café und einen Regionalladen." Einen Garten wollen sie anlegen und das Haupthaus wollen sie renovieren, vielleicht irgendwann in ferner Zukunft, sogar einmal dort wohnen.

Heizen mit dem Bio-Meiler

Bis dahin gibt es viel zu tun. Derzeit gibt es auf den Anwesen im Steinachtal weder Wasser noch Strom und schon gar kein Internet. Auch eine Heizung muss erst noch gebaut werden. Da schwebt den Asens etwas Besonderes vor. "Wir denken an einen Bio-Meiler", sagt Charlotte Asen. Das ist eine Art großer Komposthaufen, durch den Schläuche geführt werden. Das Wasser in den Schläuchen wird durch die Verrottungswärme erhitzt und kann zum Heizen genutzt werden. Innovativ, nachhaltig. So, wie alles andere auch werden soll: Nachhaltig. Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten, Speisen und Getränke im Café aus regionaler Produktion, im Laden Waren von heimischen Herstellern.

Die Scheune, ein großer, stützenloser Raum, ist schon ausgeräumt. Hier sollen Café, Veranstaltungsraum und Laden einziehen. Was die künftigen Betreiber beruhigt: Das Dach scheint in jüngster Vergangenheit einmal renoviert worden zu sein; die gewaltigen Dachbalken machen einen stabilen Eindruck. Die großen Tore schließen leidlich gut. Es hat also noch ein bisschen Zeit, bis die Holzflüge durch solche mit viel Glas ersetzt werden.

Anders das Wohnhaus. Da ist nichts dicht, nichts ganz. Aus Gründen, die keiner kennt, liegt die Türschwelle niedriger als der Fahrweg: Bei Regen wird es feucht im Flur. Das riecht man. Auch in den angrenzenden Räumen, die einmal zu Lagern werden sollen. Hier finden sich die Reste einer Wasserinstallation - unbrauchbar, wie so vieles.

Ein paar Stufen geht es die Treppen hinauf, dann kommt der Aha-Effekt: Vor etlichen Tagen hat Janosch Asen im Treppenhaus eine schmucklose Holzverschalung entfernen wollen - und zu seiner Überraschung darüber eine Stuckdecke gefunden. In welchem Zustand sie ist und ob sie erhalten werden kann, weiß noch keiner genau.

Stuck und Kamin

Bei der Decke im Raum nebenan ist die Sache leider klarer. Das Holzgerüst, das den in Blau und Rosé gehaltenen Stuck trägt, fault. So, wie Teile der Dielen und mancher Fensterrahmen. Noch aber ist zu ahnen, dass man es hier mit einem einst repräsentablen Raum zu tun hat, mit breiten Türen und einem großen Kamin in der Ecke.

Das ausladende rote Sofa, das der Zimmerflucht, wiewohl eine einzige Baustelle, eine besondere Note verleiht, ist freilich neueren Datums. Das haben Charlotte und Janosch Asen hier erstmal abgestellt.

So, wie sie in anderen Räumen andere Möbel abgestellt haben: Wirtshausstühle und Caféhaus-Tische, Blumenhocker mit dem Charme der Nierentisch-Ära und dazwischen Körbe mit Geschirr: Blumenmuster, Goldrand.

Solche alten Dinge sammeln sie derzeit überall zusammen. "Wir wollen auch bei der Einrichtung nachhaltig handeln. Außerdem haben die alten Sachen doch mehr Charme als was Neues."

Ist so ein Riesenprojekt denn überhaupt zu stemmen von zwei berufstätigen jungen Leuten mit zwei kleinen Kindern? Janosch und Charlotte sind zuversichtlich. Er, im Raum Kulmbach aufgewachsen, dann nach Berlin und wieder zurück in den Landkreis gezogen, und sie, aus dem Münsterland stammnd und nun auf dem Weg über Berlin ebenfalls in Oberfranken angekommen, wollen es Schritt für Schritt angehen.

Unterstützung willkommen

Der Bauantrag wird in Kürze formuliert, der Kontakt mit dem Denkmalschutz und einem erfahrenen Restaurator besteht schon. Im Internet hier und hier werden Interessenten über den Fortschritt der Arbeiten auf dem Laufenden gehalten.

Nun hoffen die Jung-Unternehmer auf Unterstützer. "Wir würden uns freuen, wenn sich Leute melden, die uns den einen oder anderen fachlichen Rat geben können", sagt Janosch Asen. "Und wir freuen uns über Leute, die einfach mal mit anpacken."

Wie lange die Sanierung dauern wird, können die frischgebackenen Schlossherren noch nicht sagen. Aber dass es so wird, wie der Blick nach Untersteinach jetzt schon ist, dessen sind sie sich sicher. Vielleicht nicht ganz so perfekt. Aber auf jeden Fall außergewöhnlich und höchst reizvoll.

Ein Ort mit langer Geschichte

Gut Hummendorf ist ein Ort mit langer Geschichte. Kreisheimatpfleger Harald Stark hat sie auf seiner Internetseite (www.starks-historische-spurensuche.de) niedergeschrieben.

In der Denkmalliste der Gemeinde Untersteinach ist das Gut demnach aufgeführt als "Freiherrlich von Guttenbergsches Gut, Ausbau und Ausstattung 1724 - 1729 unter Mitarbeit von Balthasar Neumann." Von der ehemaligen barocken Dreiseitanlage, mit Stallflügel im Westen und einer mit einem Mansardendach versehenen Scheune im Osten, die auf einer Fotografie von 1922 noch abgebildet werden konnte, ist allerdings nicht mehr viel zu sehen. Nur das Herrenhaus ist geblieben. Und das bietet, so Stark, einen mehr als traurigen Anblick: Die Fenster zugemauert, der Wappenstein verschwunden, der Putz bröckelnd.

600 Jahre alte Burggüter

Gut Hummendorf kann auf über 600 Jahre Geschichte zurückblicken. Es ist aus zwei vom Bamberger Bischof verliehenen Burggütern hervorgegangen, die um 1400 in den Händen der Herren von Wirsberg waren. Schon bald - zwischen 1436 und 1497 - erwarben die Guttenberger "das Burggut Hummendorf zwischen den beiden Steinach gelegen". In deren Besitz war es bis vor wenigen Wochen.

1633 wurde das bambergische Hummendorf von Söldnern des mit dem Schwedenkönig verbündeten Markgrafen Christian zu Brandenburg-Kulmbach niedergebrannt. Erst um 1700 wurde auf den Trümmern ein Neubau errichtet. - ein zweistöckiges Schlösslein mit Pferdestallung und Backofen, Ställen, Wagenschuppen und Brunnen.

Marquard Karl Ludwig von Guttenberg betrieb in den Jahren 1724 bis 1729 den weiteren Ausbau der Gebäude. Die Pläne dazu wurden keinem Geringeren als dem Würzburger Hofbaumeister Balthasar Neumann zur Überprüfung übersandt.

Nach Brand erneuert

Um 1925 wurde der Stallflügel im Westen nach einem Brand erneuert und auch die Scheune auf der Ostseite des Hofes ist - ihrem gegenwärtigen Aussehen nach - im 20. Jahrhundert neu erbaut worden. Der Stallflügel wurde vor etlichen Jahren abgebrochen. Auch einige Nebengebäude sind verschwunden. Zeitweise befand sich auf dem Gelände eine Hühnerfarm. Das Vorhaben, im Haupthaus Quartiere für Menschen aus Südostasien zu schaffen, um diese in der Landwirtschaft zu unterweisen, scheiterte. Heute steht das Anwesen leer.

In einem freilich irrt der Kreisheimatpfleger in seinem historischen Abriss: "Schon bald werden wohl auch die übrigen Gebäude des Gutes Hummendorf der Vergangenheit angehören", schreibt er. Charlotte und Janosch Asen werden alles daransetzen, das zu verhindern.