Es ist der zweite Ausfall, die zweite finanzielle Pleite hintereinander: Die Tatsache, dass der Weihnachtstöpfermarkt aufgrund der hohen Inzidenz erneut abgesagt werden musste, bringt viele Töpfer in wirtschaftliche Not. "Für uns ist das eine Katastrophe", sagt Andrea Labuhn, die den Markt zusammen mit ihrem Mann Jörg organisiert und die in diesem Jahr ihre Keramikkunst auch selbst ausgestellt hätte.

"Für uns ist das wirklich bitter"

Nicht nur heimische Töpfer trifft es hart. Auch viele Handwerker aus dem gesamten Bundesgebiet und dem europäischen Ausland, die gehofft hatten, auf einem der bedeutendsten Spezialmärkte Einnahmen zu generieren, die sie in einer Corona-bedingt ohnehin schwierigen Zeit dringend benötigt hätten. "Für uns ist das wirklich bitter", sagt Jörg Treiber aus Ettenheim in Baden-Württemberg, der seit zwei Jahrzehnten Stammgast in den Schlosshöfen ist. "Die Absage ist letztlich verständlich, weil die Kliniken überlaufen. Sie trifft uns aber hart", betont Treiber, der weiß, dass ein Großteil seiner Standgebühr, die er vorab entrichtet hat, futsch ist. Geld, mit dem die Vorbereitungen finanziert wurden. Treiber muss wie all seine Kollegen diese Kröte schlucken und hofft, dass die Veranstalterfamilie Labuhn auf keinen allzu hohen Kosten sitzenbleiben wird.

Ein Dilemma

"Für uns als Veranstalter ist es auch ein wirtschaftliches Fiasko, weil wir die von unseren Marktteilnehmern entrichteten Gebühren für Werbung und Versicherungen komplett investiert haben und sie ohne weiteres jetzt nicht zurückerstatten können", macht Andrea Labuhn das Dilemma aus ihrer Sicht deutlich. Man habe der Aussage der Staatsregierung vom 19. Oktober vertraut, dass Weihnachts- und Jahresspezialmärkte ohne nennenswerte Einschränkungen möglich seien. "Das war vor vier Wochen", sagt Andrea Labuhn, die betont, dass das Organisationsteam natürlich die besorgniserregende Entwicklung der Infektionszahlen aufmerksam verfolgt habe, sich über die Umsetzung von 3G, 2G, 2G+ sowie die Absperrung des Marktgeländes und Besucherobergrenzen immer wieder neue Gedanken gemacht habe. "Wir haben auch den Tennisclub Weiß-Blau ins Boot geholt, der uns zur Durchführung dieser Maßnahmen dankenswerterweise personell unterstützt hätte." Die Nachricht am 19. November habe sie geschockt: "Mit einem Totalverbot des Töpfermarktes haben wir bis dahin wirklich nicht gerechnet."

Das Telefon steht nicht still

Wie Labuhn mitteilt, hatten viele Töpfer auf ein gutes Geschäft gehofft, um mit dem Geld über die umsatzarme Zeit zwischen Weihnachten und Ostern zu kommen. Das Veranstalterteam sei auf Einnahmen aus den Gastro-Hütten angewiesen. Geld, das nun erneut fehlt. "Wir sind in jeder Hinsicht entkräftet." Seit Tagen klingele bei ihr das Telefon im 10-Minuten-Takt. Anrufer aus ganz Deutschland würden ihr Bedauern aus- und ihnen Mut zusprechen. "Wir erfahren eine weit über Thurnau selbst reichende unglaubliche Identifikation und Solidarität mit unserem Töpfermarkt."

Die Sorge um dessen Fortbestand sei groß. "In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben wir den Markt zu dem gemacht, was er jetzt ist: in der Töpferszene ein Highlight mit langer Warteliste, republikweit bekannt, profilbildend für den Töpferort Thurnau und das Schloss, ein Wirtschaftsfaktor weit über die Schlossmauern hinaus." Wie es ab 2022 weitergeht, hänge nun entscheidend vom finanzielles Auskommen für alle am Töpfermarkt Beteiligten ab. "Dabei geht es in erster Linie um die Töpfer selbst, deren Nischenhandwerk wir eine lukrative Verkaufsbasis bieten, die es seit zwei Jahren nicht gibt. Aber auch um uns als Veranstalter."

Staatliche Hilfe wird gefordert

Wie alle anderen Händler von Märkten, die abgesagt wurden, seien auch die Töpfer auf eine staatliche Ausgleichshilfe angewiesen. "Wir hoffen, dass die zeitnah und unbürokratisch gewährt wird." Andrea Labuhn dankt dem Thurnauer Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU), der sich dafür bei den entsprechenden Stellen eingesetzt habe. Wie Bernreuther selbst mitteilt, wird in München über eine Entschädigung für Händler, die durch den Ausfall einen finanziellen Verlust erlitten haben, beraten. "Ich habe verschiedene Abgeordnete kontaktiert und um Unterstützung gebeten." Eine Unterstützung, die die Töpfer benötigen, wie neben Andrea Labuhn auch Jörg Treiber betont.

Das Spendenkonto

Um den finanziell angeschlagenen Keramikkünstler zu helfen, haben die Veranstalter auch ein Spendenkonto eingerichtet. Freunde des Thurnauer Marktes werden um eine Spende gebeten, "die zu 100 Prozent paritätisch den angemeldeten Töpfern zugute kommt und damit gleichzeitig dem Fortbestand des Töpfermarktes im Schloss Thurnau eine Aussicht gibt". Das Spendenkonto wurde bei der Sparkasse eingerichtet: IBAN: DE89 7715 0000 0101 8485 21. Verweis: Verein zur Förderung des Töpfermuseums Thurnau. Spendenquittungen werden ausgestellt.