Warum kam am Freitagnachmittag ein Pilot aus Siegen auf dem Kulmbacher Flugplatz ums Leben? Die Behörden suchen nach wie vor fieberhaft nach den Ursachen für den Absturz eines Ultraleichtflugzeugs. Die Tatsache, dass die Maschine völlig ausbrannte, macht die Rekonstruktion des Unglücks sehr schwierig.


Eine Frage der Zeit
"Sachverständige sind im Einsatz, aber es gibt noch keine neuen Erkenntnisse", bilanziert Manuel Stumpp, Pressesprecher des Polizeipräsidiums in Bayreuth. Er rechne damit, dass es mehrere Wochen dauern werde, bis erste Ergebnisse vorliegen.

Neben der Polizei wurde auch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig eingeschaltet. Jens Friedemann von der BFU-Pressestelle bestätigte auf Nachfrage, dass erste Nachforschungen eingeleitet worden seien. Auch seien Zeugen des Absturzes befragt und die Technik des Flugzeugs - soweit dies nach dem Brand noch möglich war - überprüft worden. Danach würden die Unterlagen bearbeitet und ausgewertet.
"Wir werden online einen Zwischenbericht mit gesicherten Informationen veröffentlichen, dies wird allerdings nicht vor Ende September geschehen. Den Abschlussbericht wird es in mehreren Monaten geben", so Friedemann über das weitere Vorgehen.


Pilot zu niedrig
Richard Lehmeier, Flugleiter am Kulmbacher Flugplatz, glaubt nicht, dass äußere Einflüsse für das tragische Unglück verantwortlich waren. Es habe optimales Flugwetter geherrscht, und auch der Zwischenfall wenige Minuten zuvor habe keine Auswirkungen auf den Unfall gehabt.

Der 60-jährige Pilot hatte erst im vergangenen Jahr den Flugschein für Ultraleichtflugzeuge an der Fliegerschule Feuerstein abgelegt. Er wollte zukünftig auch Passagiere transportieren.

Laut Lehmeier war der Siegener zu niedrig unterwegs, um noch das Rettungssystem auslösen zu können. "Die Rakete, an der ein Fallschirm befestigt, der den Piloten in Notfällen samt Flugzeug sicher zum Boden gleiten lässt, hätte bei der Flughöhe zum Unglückszeitpunkt keinen Effekt mehr erzielt", erklärt Lehmeier. Wegen der nicht ausgelösten Rakete bestand unmittelbar nach dem Absturz Explosionsgefahr, was die ersten Ermittlungen zudem erschwerte.


Staatsanwaltschaft ermittelt
"Als Flugleiter ist man natürlich geschockt. Ich habe gleich Polizei und Rettungskräfte alarmiert, die bereits wegen des anderen Vorfalls vor Ort waren", beschreibt Lehmeier die ersten Minuten nach dem Absturz. Sachverständige der Fliegerschule Feuerstein haben zwischenzeitlich Reste des Wracks zerlegt und abtransportiert sowie Informationen über Flugzeit und Ausbildung des Piloten eingefordert.

Die Ermittlungen der Spezialeinheit der Polizei und der Staatsanwaltschaft sind in vollem Gange. Die Ergebnisse werden nicht nur am Flugplatz mit Spannung erwartet.