Es wird eifrig sortiert. Die vielen Helfer packen Kartons aus, hängen an Verkaufständern Hosen, Jacken und T-Shirts auf, die - für wenig Geld - schon bald wieder Menschen erwerben können, deren finanzielles Budget knapp ist, ihnen eine Shopping-Tour in einer Einkaufsmeile nicht erlaubt.
Die Thurnauer Kleiderkammer, die Ende Februar aus ihrem bisherigen Domizil, dem Bürogebäude der früheren Firma Greifzu in der Berndorfer Straße, ausziehen musste, hat eine neue Bleibe gefunden. Am Oberen Markt 8, in dem Gebäude, in dem sich einst das Bekleidungsgeschäft Seiler befunden hat.


Hans Schwender sei Dank

"Am 7. Juli eröffnen wir", sagt Mitbegründerin Susan Müller, die überglücklich ist, dass die Suche nach neuen Räumen von Erfolg gekrönt war. Dank des Thurnauer Unternehmers Hans Schwender. "Er hat sich darum gekümmert", sagt Susan Müller. Schwender hat das Erdgeschoss des Gebäudes am Oberen Markt saniert, es für fünf Jahre angemietet und der Helfervereinigung zur Verfügung gestellt. "Wir müssen nur die Nebenkosten aufbringen. Wir sind Hans Schwender sehr dankbar, denn so konnte das Aus der Kleiderkammer abgewendet werden", betont Susan Müller.


Azubis packen an

Die Sanierung koordiniert haben Auszubildende der Firma Schwender Energie- und Gebäudetechnik. "Die Bauleitung hatte Lukas Schnapp", sagt Azubi Susanne Kretter. Einige Firmen waren involviert, die Lehrlinge haben aber mit angepackt, beispielsweise die Toilette erneuert, eine Öl-Heizung eingebaut und bei den Malerarbeiten geholfen.


Von 50 Cent bis drei Euro

Ab Juli ist die Kleiderkammer wieder jeden Freitag zwischen 16 und 18 Uhr geöffnet. Sie wird von der Thurnauer Initiative geleitet, die unter dem Dach des Bayreuther Vereins CAS "Come and See - House for all nations" steht: einem Zusammenschluss evangelischer Christen, die sich vor allem die Hilfe für Asylsuchende auf ihre Fahne geschrieben haben.


Nicht nur für Flüchtlinge

Kleiderspenden holen sich in Thurnau aber nicht nur Flüchtlinge. "Auch viele Alleinerziehende, Studenten, die es nicht so dick haben, oder Menschen, die von Altersarmut betroffen sind, kaufen bei uns ein", sagt Susan Müllers Ehemann Björn. T-Shirts gibt es ab 50 Cent, die teuersten Stücke wie eine dicke Jacke im Winter kosten maximal drei Euro. "Wir haben keine einheitlichen Preise, weil wir den Leuten den Shopping-Charakter bieten wollen", erläutert Susan Müller. Von den Einnahmen würden die Nebenkosten bestritten. Die Bereitschaft der Bevölkerung, Kleidung zu spenden, sei groß, sagt die Thurnauerin, die darum bittet, nur gut erhaltene und saubere Stücke abzugeben. "Wir wollen Sachen anbieten, die jeder noch selber anziehen würde."


Lagerräume werden gesucht

Auch wenn die Suche nach der neuen Bleibe von Erfolg gekrönt war - der Thurnauer Helferkreis hält weiterhin nach neuen Räumen Ausschau. "Da der neue Laden nicht so groß ist wie der im früheren Greifzu-Bürogebäude, fehlen uns jetzt Lagermöglichkeiten", erläutert Susan Müller, die hofft, dass sich auch hier bald eine Lösung findet.


Wie ein richtiges Geschäft

Mit der Lösung im Oberen Markt sind die Helfer vollends zufrieden, wie Björn Müller deutlich macht: "Wir haben dort auch zwei Schaufenster. Mit den Schaufensterpuppen, die wir dort aufstellen wollen, sieht die Kleiderkammer dann wie ein richtiges Bekleidungsgeschäft aus."