Der Schuldenberg, der den klammen Markt Thurnau (einschließlich des Eigenbetriebs Marktwerke) drückt, ist nach wie vor hoch. Zum Jahresanfang lag dieser bei 5,795 Millionen Euro. Nichtsdestotrotz werden in der unter Konsolidierungszwang stehenden Gemeinde in diesem Jahr rund zehn Millionen Euro investiert - unter anderem in die weitere Sanierung des Schlosses, in den Umbau des alten Rathauses, in die DSL-Versorgung, aber auch in die Erschließung des neuen Industriegebietes. Möglich ist das dank der extrem hohen Förderquote, die der Markt Thurnau bei vielen Projekten erhält.


40 Prozent höher

Der von Kämmerer Michael Ganzleben erarbeitete Haushaltsentwurf 2017 wurde am Montag in der Sitzung des Gemeinderats einstimmig verabschiedet. Er hat ein Gesamtvolumen von rund 18,8 Millionen Euro, was einer 40-prozentigen Erhöhung im Vergleich zu 2016 entspricht. Die Steigerung liegt vor allem im Ausbau der Schlossanlage begründet. Dieser Posten wirkt sich laut Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU) mit 3,7 Millionen Euro aus. Er werde aber weitestgehend mit Förderungen gedeckt.


DSL und Dorferneuerung

Hohe Zuschüsse fließen auch beim Umbau des alten Rathauses zum Geschäfts- und Verwaltungshaus. Die Kosten belaufen sich hier auf 1,05 Millionen Euro. Der Markt selbst muss 430 000 Euro beisteuern. Investiert wird 2017 ferner in den DSL-Ausbau, die Dorferneuerung in Alladorf, in Straßen sowie in das Feuerwehrwesen, bei den Marktwerken allen voran die Erschließung des neuen Industriegebietes. Hier sind 810 000 Euro eingeplant.
"Intakte Finanzen sind nach wie vor unser Ziel. Um dahin zu kommen, muss aber auch gezielt investiert werden, um den Markt Thurnau noch attraktiver zu machen und um Standortvorteile auszubauen", stellte der Bürgermeister fest.



Schuldenabbau

Wie Bernreuther machte auch Kämmerer Michael Ganzleben deutlich, dass die Schulden beim Markt in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgebaut werden konnten: seit 2014 um etwa zwei Millionen Euro auf heute 2,243 Millionen Euro. Der Schuldenstand der Marktwerke liegt mit 3,552 Millionen Euro indes in etwa auf dem Niveau von 2013.

Michael Ganzleben wies darauf hin, dass man auch 2017 nicht ohne eine Nettoneuverschuldung auskommen wird. Die liegt beim Markt Thurnau bei 304 000 Euro, bei den Marktwerken bei 549 000 Euro.
Dass die langfristigen Verpflichtungen des Marktes auch dank der Zuschüsse aus dem Konsolidierungsprogramm weiter abgebaut werden konnten, machte Hans-Friedrich Hacker für die CSU deutlich. In der Gemeinde sei eine Aufbruchstimmung spürbar. "Es gibt Menschen und Betriebe, die in Thurnau wieder investieren", sagte Hacker.


Das sagen die Fraktionen

Auf eine erfreuliche Entwicklung des Marktes blickte auch Dietmar Hofmann (SPD/Offene Liste). Die Grundlage dafür sei bereits in der vergangenen Legislaturperiode gelegt worden. Dank des mutigen Schritts, sich selbst ein Konsolidierungsprogramm aufzuerlegen, sei dafür gesorgt worden, dass der Schuldenstand abgebaut und viel investiert werden kann. "Auch wenn man arm ist, muss es einem nicht schlecht gehen", stellte Hofmann fest.

Dass die Weichenstellungen erst 2014 unter Martin Bernreuther und damit nach Hofmanns Amtszeit als Bürgermeister getroffen wurden, stellte indes Veit Pöhlmann (FDP/UB)) fest. "Wir sind auf einem guten Weg", erklärte Pöhlmann, der von einem "gigantischen Haushalt" sprach.
Mit einem Investitionsvolumen von 8,5 Millionen Euro sei der Haushalt des Marktes einmalig, betonte Erwin Schneider ("ÜWG/Freie Wähler). "Das hat es in dieser Höhe noch nicht gegeben."



Marktwerke bereiten Sorgen

Sorgen bereiten ihm die Marktwerke. "Die Schulden steigen und steigen. Hier ist aus unserer Sicht dringender Handlungsbedarf geboten", betonte Erwin Schneider.