Diese Veranstaltung des Kleintierzuchtvereins und des TSV, die es schon seit drei Jahrzehnten gibt, ist ein Musterbeispiel für gute Zusammenarbeit zweier örtlicher Vereine.

Personelles Herzstück dieses Sonntagnachmittags ist Züchter und Ehrenpräsident Ferdl Heinisch. Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, als kurz nach 14 Uhr die Reihen im TSV-Sportheim erst zur Hälfte gefüllt sind. "Ruhe bewahren, unsere Leute kommen schon noch", so seine Devise. Und, seiner jahrzehntelangen Erfahrung entsprechend, füllt sich die Gaststube wie auf Kommando und werden die Karten werden zügig an den Mann gebracht.

Ermittelt wird der Gewinner mit einem gewaltigen Schwung am Glücksrand. Der Besitzer der Karte, bei der die Nase stehen bleibt, wird als Gewinner ausgerufen. Die attraktiven Preise haben die Züchter in mühevoller Kleinarbeit zusammengestellt.
Bei der Verlosung müssen strenge hygienische Vorschriften beachtet werden. Ein Taubenaustausch oder Geziefermarkt, wie er im klassischen Sinne auch genant wird, sind diese Märkte landauf, landab fast nicht mehr. So auch in Presseck. Aber wenn das "Geziefer" nicht mehr in lebendigen Zustand verlost werden darf, dann eben zerlegt. "Die meisten sind sogar schon ausgebaant", wie Ferdl Heinsich im perfekten Frankenwald-Dialekt bekanntgibt. Zu Deutsch: Die Beine und sonstigen Knochen wurden beim Schlachten bereits entfernt, der Rest wird hygienisch einwandfrei und vakuumverpackt übergeben.

Aber ein bisschen Live-Feeling muss trotzdem sein: Frank Heinisch trägt kurz nach 16 Uhr den Hauptpreis, eine halbe Sau, auf den Schultern durch den Saal. Das wirkt, denn die Lose sind in wenigen Minuten vergriffen, und dann läuft auch schon das Glücksrad . "Der Grü König hot gwunna", schallt es durch den Gastraum. Kurzes Gemurmel an allen Tischen - und dann ein Aufschrei: Die siebenjährige Marie Heinisch ist die glückliche Gewinnerin. Schüchtern fasst sie bei der Preisübergabe der Sau ans Pfötchen, aber sie ist auch sichtbar stolz auf ihren Gewinn.

Danach ist nach lange nicht Schluss: Während in der Sportheimküche die Nachfrage nach Knackwürsten mit Kraut oder hausgemachten Kartoffelsalat spürbar steigt, geht es bei der Verlosung weiter.
Ferdl Heinisch ist in seinem Element, mittlerweile haben seine Enkel Anna -Lena und Felix den Kartenverkauf übernommen, der Generationenvertrag funktioniert.

Oft werden gleich drei Preise mit einem Kartenspiel herausgelost: Als Klassiker dienen ein Pressack, eine Brotzeit und ein Züchterkörbla. Nach vier Stunden neigt sich der Taubenmarkt dem Ende. Der Ferdl ist ein bisschen heißer, wobei ihm zur Mitte der Veranstaltung das Mikro gereicht wurde, um besser "durchzukommen" und die Stimmbänder nicht über Gebühr zu strapazieren. Fast alle Preise konnten an den Mann gebracht werden.

Das verursacht auch bei einem altgedienten wie dem Ferdl jedes Jahr Euphorie: "Das ist der schönste Taubenmarkt weit und breit."